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Bundestag will Entschädigung von "Colonia Dignidad"-Opfern

Freitag, 30. Juni 2017

Der Bundestag setzt sich mehrheitlich für eine Entschädigung der Opfer der deutsch-chilenischen Sekte "Colonia Dignidad" ein. In einem am gestrigen späten Donnerstagabend (29.06.2017) in Berlin angenommenen Entschließungsantrag von Union, SPD und Grünen heißt es, die Bundesregierung solle in den kommenden zwölf Monaten die Einrichtung eines Hilfsfonds prüfen. Zudem dringen die Fraktionen auf eine bessere Aufarbeitung der Verbrechen in der Siedlung in Chile.

Bis zum 30. Juni 2018 soll die Bundesregierung laut dem Antrag prüfen, welche Mittel zur Entschädigung der Opfer zur Verfügung stehen. Darüber machen sich die Fraktionen für eine Begegnungs-und Gedenkstätte stark, die womöglich auf dem Gelände der früheren Sekten-Siedlung eingerichtet werden könnte. Außerdem wird die Regierung aufgefordert, die strafrechtlichen Ermittlungen gegen frühere Verantwortliche der Sekte voranzutreiben, die sich zum Teil unbehelligt in Deutschland aufhalten.

Die "Colonia Dignidad" wurde 1961 in Chile von deutschen Auswanderern unter ihrem Anführer Paul Schäfer gegründet, der in Deutschland wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen gesucht wurde. Schon früh gab es auch in Chile Vorwürfe wegen Zwangsarbeit, sexuellen Missbrauchs, physischer und psychischer Gewalt - die aber lange nicht ernst genommen wurden. Schäfer ließ zudem während der Militärdiktatur von Augusto Pinochet (1973 bis 1990) politische Gefangene auf dem weiträumigen Gelände zu Tode foltern.

Wegen strafrechtlicher Ermittlungen tauchte der Sektenführer in den 90er Jahren unter. Nach seiner Festnahme 2005 in Argentinien wurde er zu einer 20-jährigen Haftstrafe verurteilt und starb 2010 im Alter von 88 Jahren im Gefängnis.

Vor einem Jahr hatte der damalige Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) eingeräumt, dass das Auswärtige Amt und Diplomaten vor Ort jahrelang nicht angemessen auf die Verbrechen in der "Colonia Dignidad" reagiert hätten. Seitdem können Wissenschaftler und Journalisten die vorzeitig freigegebenen Akten sichten. Nach dem Bekenntnis zu moralischer Mitverantwortung müsse die Bundesregierung den Worten nun Taten folgen lassen, heißt es dazu in dem Antrag.  (W.Novokshonov--DTZ)

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