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Frankreich: Trauer um verstorbene Politikerin Simone Veil (89†)

Freitag, 30. Juni 2017

Im Alter von 89 Jahren ist die hoch angesehene französische Politikerin und erste EU-Parlamentspräsidentin Simone Veil gestorben. Die in Frankreich als Vorkämpferin für das Recht auf Abtreibung bekannte Ex-Ministerin starb am Freitag (30.06.2017) in Paris, wie ihr Sohn bekanntgab. Politiker und EU-Vertreter würdigten die Auschwitz-Überlebende, engagierte Europäerin und Feministin als große Persönlichkeit.

"Meine Mutter ist heute Morgen bei sich zu Hause gestorben", sagte Jean Veil nach Informationen von Deutsche Tageszeitung. "Sie wäre am 13. Juli 90 Jahre alt geworden."

Veil war von 1979 bis 1982 Präsidentin des Europaparlaments, sie stand dem Parlament als erste Frau vor. Später führte sie die Fraktion der Liberalen im EU-Parlament. Für ihre Verdienste um den europäischen Einigungsprozess erhielt Veil 1981 den internationalen Karlspreis der Stadt Aachen.

In Frankreich wurde die charismatische Politikerin insbesondere als Vorkämpferin für das Recht auf Abtreibung bekannt. Als Gesundheitsministerin erstritt sie 1974 unter Staatschef Valéry Giscard d’Estaing die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen. Das entsprechende Gesetz ist als "Loi Veil" bekannt.

Die Ministerin wurde dafür von vielen offen angefeindet. "Ich hatte nicht den Hass erwartet, den ich wecken würde", erinnerte sie sich später. "Man hat auf meine Haustür ’Veil = Hitler’ geschrieben."

Das war besonders schmerzhaft für die Politikerin, die als Jugendliche das NS-Vernichtungslager Auschwitz überlebt hatte. Geboren wurde sie 1927 als Simone Jacob im südfranzösischen Nizza, ihr Vater war ein jüdischer Architekt. Die Familie wurde 1944 in verschiedene Konzentrationslager deportiert. Nur Simone und ihre beiden Schwestern überlebten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg machte Veil als Juristin Karriere, bevor sie in die Politik wechselte. Sie hatte in konservativen oder liberalen Regierungen mehrere Ministerämter inne, vertrat in gesellschaftspolitischen Fragen aber auch immer wieder linke Ansichten. 1998 zog sie in den französischen Verfassungsrat ein, 2008 wurde sie Mitglied der ehrwürdigen Académie Française. Charismatisch und stets engagiert war die dreifache Mutter eine der beliebtesten Persönlichkeiten Frankreichs.

Über die Parteigrenzen hinweg wurde Veil am Freitag geehrt. "Möge ihr Beispiel unsere Landsleute inspirieren, die in ihr das Beste Frankreichs finden werden", schrieb Staatschef Macron über den Kurzbotschaftendienst Twitter. Macrons sozialistischer Vorgänger François Hollande erklärte, Veil habe "Würde, Mut und Rechtschaffenheit" verkörpert. "Frankreich verliert eines seiner großen Gewissen."

Ex-Staatschef Nicolas Sarkozy, den Veil bei der Präsidentschaftswahl 2007 unterstützt hatte, bezeichnete sie als "unsterblich". "Ihre blauen Augen konnten Autorität und sogar Wut ausdrücken, aber sie strahlten immer große Güte und das Licht der Hoffnung aus." Der frühere konservative Premierminister Alain Juppé würdigte Veils "Wagemut im Kampf für die Rechte der Frauen".

Auch bei den EU-Institutionen sorgte ihr Tod für Anteilnahme. "Ihr Leben ist ein Vorbild, dem es zu folgen gilt", sagte EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani. "Nach Bundeskanzler Helmut Kohl verlieren wir jetzt eine große Europäerin." EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sagte, mit ihrem politischen Engagement habe Veil dazu beigetragen, "einen dauerhaften Frieden in Europa aufzubauen".  (U.Beriyev--DTZ)

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