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Deutscher und US-Arzt untersuchen chinesischen Dissidenten Liu

Samstag, 08. Juli 2017

Erstmals haben Ärzte aus Deutschland und den USA den krebskranken chinesischen Dissidenten Liu Xiaobo im Krankenhaus untersucht. Die beiden westlichen Spezialisten hätten die Diagnose Leberkrebs im fortgeschrittenen Stadium bestätigt, erklärte die Universitätsklinik in Shenyang im Nordosten Chinas am heutigen Samstag (08.07.2017). Das Angebot der Ärzte für eine Behandlung Lius im Ausland lehnte das Krankenhaus ab.

Eine Verlegung des Dissidenten ins Ausland sei zu "gefährlich", erklärte die chinesische Klinik. Von deutscher Seite war an der Untersuchung der Chirurg und Leberspezialist Markus Büchler von der Universität Heidelberg beteiligt. Als Krebsspezialist stand ihm der US-Onkologe Joseph Herman vom MD Anderson Cancer Center der Universität Texas zur Seite.

Der deutsche und der US-Arzt erhielten nach chinesischer Darstellung detailliert Einsicht in die Krankengeschichte des 61-jährigen Dissidenten sowie in seine Diagnose und Behandlung. Anschließend hätten die beiden Spezialisten Liu persönlich untersucht.

Büchler und Herman schlugen demnach vor, den Zustand von Lius Leber mittels Magnetresonanz-Tomographie (MRT) zu untersuchen, um weitere Behandlungsschritte festlegen zu können. Für möglich hielten die beiden Ärzte eine Strahlentherapie oder auch eine Immunbehandlung, hieß es. Letzteres sei aber nur möglich, wenn sich die Leber etwas erhole.

Liu war kürzlich wegen seines Gesundheitszustands aus dem Gefängnis entlassen und in das Universitätskrankenhaus in Shenyang verlegt worden. Menschenrechtsaktivisten und westliche Länder wie die USA forderten die chinesische Regierung daraufhin auf, dem Dissidenten eine Behandlung im Ausland zu ermöglichen. Nach Angaben der Klinik in Shenyang hat sich Lius Gesundheitszustand in den vergangenen Tagen noch einmal verschlechtert. Er leidet demnach auch unter einem Blutgerinnsel im Bein. Nach Angaben der Menschenrechtsaktivistin Hu Jia zeigte er zudem neue Symptome wie Erbrechen und Nierenschwäche.

Liu war 2009 wegen "Untergrabung der Staatsgewalt" zu elf Jahren Haft verurteilt worden. Der Schriftsteller und Menschenrechtsaktivist hatte ein Manifest mitverfasst, das demokratische Reformen in China forderte. Ein Jahr später wurde er in Abwesenheit mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Seine Ehefrau Liu Xia steht seit 2010 unter Hausarrest.

In einem offenen Brief an die Regierung in Peking forderten Freunde Lius ein Besuchsrecht. In dem am Donnerstag veröffentlichten Schreiben äußerten sie sich "bestürzt" über den schlechten Gesundheitszustand des Dissidenten. Der Text ist von 44 Intellektuellen, Schriftstellern und Aktivisten unterzeichnet.  (I.Beryonev--DTZ)

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