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China: Krebskranker Dissident Liu in lebensgefährlichem Zustand

Montag, 10. Juli 2017

Die Aussicht, dass China den krebskranken Dissidenten Liu Xiaobo zur Behandlung ins Ausland reisen lässt, schwindet: Wie sein Krankenhaus am heutigen Montag (10.07.2017) mitteilte, befindet sich der 61-Jährige in einem lebensbedrohlichen Zustand. Menschenrechtsaktivisten befürchteten hinter der Erklärung eine Hinhaltetaktik, die die Ausreise des todkranken Friedensnobelpreisträgers verhindern solle. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bat Peking um "ein Zeichen der Humanität".

Liu leidet an Leberkrebs, wegen seines Zustands wurde er kürzlich aus der Haft in das Universitätskrankenhaus in Shenyang verlegt. Menschenrechtsaktivisten und westliche Länder wie die USA haben die chinesische Regierung aufgefordert, ihm eine Behandlung im Ausland zu ermöglichen. Das Krankenhaus erklärte ihn jedoch für nicht transportfähig.

Dem widersprachen zwei Spezialisten aus Deutschland und den USA, die Liu am Samstag (08.07.2017) untersuchen konnten. Leberspezialist Markus Büchler von der Universität Heidelberg und der US-Onkologe Joseph Herman erklärten am Sonntag, Liu könne bei "angemessener" medizinischer Betreuung reisen, allerdings müsse die "Verlegung so schnell wie möglich erfolgen".

Das Krankenhaus teilte nun auf seiner Website mit, Lius Tumor sei gewachsen, und die Leber blute. Zudem habe er Nierenprobleme. Seine Familie sei über seine mögliche Verlegung auf die Intensivstation informiert worden.

Lius Freund Hu Jia glaubt, dass das Krankenhaus mit seiner Erklärung auf das Fazit der beiden ausländischen Experten reagierte. Es wolle damit eine Entscheidung hinauszögern, sagte der Bürgerrechtler. Hu fürchtet, sein Freund könnte ins Koma fallen und niemals freikommen, sollte das Tauziehen noch länger andauern.

Nach Einschätzung des China-Experten von Amnesty International, Patrick Poon, will die kommunistische Führung im Vorfeld des Parteitags keine Risiken eingehen. Die Ausreise des Friedensnobelpreisträgers und seiner Familie berge aber die Gefahr in sich, "dass er frei über seine Sicht auf die Menschenrechtslage in China sprechen wird", sagte Poon nach Informationen von Deutsche Tageszeitung. Allgemein wird damit gerechnet, dass der nur alle fünf Jahre tagende Parteitag die Macht von Präsident Xi Jinping festigt.

Der chinesische Außenamtssprecher Geng Shuang verbat sich am Montag erneut jede Einmischung aus dem Ausland in der Frage. Der Fall sei allein Chinas Angelegenheit. Regierungssprecher Steffen Seibert erklärte in Berlin, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wünsche sich ein "Zeichen der Humanität für Liu Xiaobo und seine Familie".

Die deutsche Botschaft in Peking äußerte sich unterdessen verärgert über ein Video von der Arztvisite bei Liu, in dem einer der beiden Ärzte zu hören ist, wie er die "nette Geste" der chinesischen Kollegen lobt, ihre Hilfe zuzulassen.

"Bestimmte Behörden" hätten entgegen des "ausdrücklichen Wunsches der deutschen Seite", die Vertraulichkeit zwischen Arzt und Patient zu respektieren, offenbar Überwachungskameras mitlaufen lassen, erklärte die Botschaft am Montag. Es habe den Anschein, als würden "Sicherheitsorgane" das Verfahren steuern und nicht medizinische Fachkräfte.

Liu war 2009 wegen "Untergrabung der Staatsgewalt" zu elf Jahren Haft verurteilt worden. Der Schriftsteller und Menschenrechtsaktivist hatte ein Manifest mitverfasst, das demokratische Reformen in China forderte. Ein Jahr später wurde er in Abwesenheit mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Seine Ehefrau Liu Xia steht seit 2010 unter Hausarrest.

Nach Angaben des Dissidenten Ye Du, eines Vertrauten der Familie, möchte Liu in erster Linie wegen seiner Frau ins Ausland. "Es ist sein persönlicher Wunsch, denn er ist sich über seine Lage völlig im Klaren", sagte Ye. "Er weiß, dass er, wenn er jetzt nicht rauskommt, keine Möglichkeit mehr hat, Freiheit für seine geliebte Frau zu bekommen."  (V.Sørensen--DTZ)

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