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Feuerwerk bei Atomreaktor Cattenom - Greenpeace-Aktivisten verhaftet

Donnerstag, 12. Oktober 2017

Aus Protest gegen Sicherheitsmängel bei französischen Atomkraftwerken haben Greenpeace-Aktivisten ein Feuerwerk auf dem Gelände des Akw Cattenom nahe der deutschen Grenze gezündet. Nach Angaben der Behörden wurden am Donnerstag acht Aktivisten festgenommen. In Deutschland gibt es unterdessen Kritik an einer Teilgenehmigung der französischen Atomsicherheitsbehörde für einen umstrittenen Reaktor im nordfranzösischen Flamanville.

Greenpeace erklärte, gegen 05.30 Uhr morgens hätten die Aktivisten zwei Sicherheitsschleusen in Cattenom an der Mosel überwunden. Sie hätten das Feuerwerk in der Nähe des Abklingbeckens für Brennstäbe gezündet, daraufhin sei es zu den Festnahmen gekommen. Greenpeace verbreitete Bilder und Videos des Feuerwerks in den sozialen Netzwerken. Der Betreiber EDF nannte die Aktion "unverantwortlich" und kündigte juristische Schritte an.

Mit der Aktion in dem Kraftwerk nahe der Grenze zum Saarland und zu Rheinland-Pfalz wollte Greenpeace nach eigenen Angaben auf Sicherheitsmängel bei den Abklingbecken hinweisen. Nach einem am Dienstag vorgelegten Bericht der Organisation sind die Wasserbehälter zur Kühlung genutzter Brennstäbe in vielen französischen und belgischen Reaktoren nicht ausreichend vor Angriffen oder Naturkatastrophen geschützt.

Das nur rund zehn Kilometer von der deutschen Grenze entfernte Atomkraftwerk Cattenom ist umstritten. In der Anlage kommt es immer wieder zu Pannen, die Organisation Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs (IPPNW) zählt es zu den "größten Risiko-Akws" in Europa. Rheinland-Pfalz und das Saarland fordern, Cattenom abzuschalten. Die luxemburgische Regierung bot Frankreich vor einem Jahr sogar finanzielle Hilfe dazu an.

Scharfe Kritik gibt es in Deutschland zudem an der Entscheidung der französischen Atomsicherheitsbehörde ASN, den Weg für den Weiterbau des umstrittenen Hochleistungsreaktors im nordfranzösischen Flamanville freizumachen. Die ASN hatte am Mittwochabend unter Auflagen eine Genehmigung für den Deckel des Reaktorbehälters erteilt.

Das Kraftwerk kann damit trotz Problemen bei dem verbauten Stahl voraussichtlich ab Ende 2018 in Betrieb gehen. Die Behörde verlangt allerdings Kontrollen und einen Austausch des Deckels bis Ende 2024.

Die Grünen-Atomexpertin Sylvia Kotting-Uhl kritisierte in Berlin, die Genehmigung sei "absoluter Wahnsinn". Es sei "unfassbar, dass mitten in der EU ein Atomkraftwerk mit mangelhaftem Material gebaut wird". Solch ein Reaktor dürfe nicht ans Netz.

Der Bau des neuen Reaktors vom Typ EPR in Flamanville wird seit Jahren von Schwierigkeiten begleitet. Eigentlich hätte der Reaktor schon 2012 ans Netz gehen sollen, es gab aber immer wieder Verzögerungen. Die Baukosten haben sich auf 10,5 Milliarden Euro verdreifacht.

Von der Inbetriebnahme Flamanvilles macht die Regierung in Paris die Abschaltung des ältesten französischen Atomkraftwerks in Fessenheim abhängig. Auch in diesem Kraftwerk nahe Freiburg im Breisgau kam es wiederholt zu Pannen, es ist derzeit nur teilweise in Betrieb.

(U.Stolizkaya--DTZ)

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