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Frankreich: Präsidentschaftswahl - Marine Le Pen oder Macron?

Sonntag, 07. Mai 2017

In Frankreich wird heute ein Nachfolger für den scheidenden Staatschef François Hollande gewählt. Bei der Stichwahl ums Präsidentenamt treten der unabhängige Ex-Wirtschaftsminister Emmanuel Macron und die Präsidentschaftskandidation Marine Le Pen gegeneinander an. Der erst 39-jährige Pro-Europäer Macron ist im Duell mit der Front-National-Kandidatin klarer Favorit: Umfragen sahen ihn zuletzt bei rund 62 Prozent.

Kurz vor der Wahl war Macrons Wahlkampfteam Opfer eines massiven Hackernangriffs geworden. Zehntausende interne Dokumente seiner Bewegung "En Marche!" wurden in der Nacht zum Samstag im Internet veröffentlicht. Macrons Bewegung sprach von einer "massiven und koordinierten" Destabilisierungskampagne. Die französische Regierung hatte wiederholt vor einer russischen Einmischung in den Präsidentschaftswahlkampf gewarnt. Sie verdächtigte Moskau, die Wahl zugunsten von Macrons rechtspopulistischer Gegnerin Le Pen beeinflussen zu wollen, die als russlandfreundlich gilt.

Zur Wahl aufgerufen sind mehr als 47,5 Millionen Franzosen. Die Wahllokale öffneten am Sonntagmorgen um 08.00 Uhr. Die letzten Wahlbüros schließen um 20.00 Uhr, unmittelbar danach gibt es erste Hochrechnungen. Wegen der Anschlagsgefahr findet die Wahl unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen statt. Im Einsatz sind mehr als 50.000 Polizisten und tausende Soldaten.

Die Abstimmung gilt auch als Schicksalswahl für Europa: Während Macron sich für eine Stärkung von EU und Eurozone ausspricht, hat Le Pen ein Referendum über einen EU-Austritt Frankreichs angekündigt und will den Euro aufgeben. Ein Wahlsieg Le Pens würde die EU deswegen schwer erschüttern und dürfte auch massive Auswirkungen auf die Finanzmärkte haben.

Sollte der 39-jährige Macron die Wahl gewinnen, wäre er der jüngste Staatschef in der französischen Geschichte. Er will ein sozialliberales Reformprogramm umsetzen, den Arbeitsmarkt lockern, Unternehmen entlasten und mehr in die berufliche Aus- und Weiterbildung investieren. Außenpolitisch tritt er unter anderem für engere Beziehungen zu Deutschland ein.

Macron war in der ersten Wahlrunde vor zwei Wochen mit 24 Prozent der Stimmen vorne gelandet. Le Pen folgte mit 21,3 Prozent an zweiter Stelle. Der durch eine Scheinbeschäftigungsaffäre unter Druck geratene konservative Kandidat François Fillon schied mit 20 Prozent aus, ebenso Linkskandidat Jean-Luc Mélenchon mit 19,6 Prozent. Ein Debakel erlebten Hollandes Sozialisten: Ihr Kandidat Benoît Hamon erzielte nur 6,4 Prozent. Es war das erste Mal in der Geschichte von Frankreichs Fünfter Republik, dass Konservative und Sozialisten den Einzug in die Stichwahl verpassten.  (V.Sørensen--DTZ)

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