Libyen: Ägypten greift nach Christenmord "Terroristencamps" an

Samstag, 27. Mai 2017

Nach dem Angriff auf Christen in Ägypten hat die Luftwaffe des Landes Ausbildungslager von Dschihadisten im Nachbarland Libyen bombardiert. Präsident Abdel Fattah al-Sisi sagte in einer Fernsehansprache, Ägypten werde nicht zögern, weitere "Terroristencamps" anzugreifen. Die ersten der 28 Todesopfer wurden unter großer Anteilnahme beerdigt. Die Gewalt gegen die christliche Minderheit kurz vor Beginn des Ramadans wurde international verurteilt.

Das ägyptische Staatsfernsehen berichtete, die Luftwaffe habe sechs Ausbildungscamps von Extremisten in der libyschen Küstenstadt Derna angegriffen. Das Fernsehen zeigte Bilder des völlig zerstörten Busses der christlichen Reisegruppe. Er sollte die Kopten zu einem Kloster in der Provinz Minja südlich von Kairo bringen.

Die vermummten Angreifer beschossen das Fahrzeug nach Angaben des Innenministeriums mit Automatikwaffen und flohen anschließend. Unter den 28 Toten sind demnach auch zahlreiche Kinder. Zu dem Angriff bekannte sich zunächst niemand.

Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staats (IS) hat der größten christlichen Gemeinde im Nahen Osten jedoch den Kampf angesagt. Die Extremisten werfen den Kopten vor, den Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi im Sommer 2013 unterstützt zu haben. Der koptischen Minderheit gehören rund zehn Prozent der 90 Millionen Ägypter an.

Die ersten der Opfer wurden in dem der Stadt Maghagha beerdigt. An der Trauerfeier nahmen tausende Menschen teil. Sie forderten von al-Sisi einen besseren Schutz für die Kopten.

US-Präsident Donald Trump verurteilte das Attentat. "Das Blutvergießen der Christen muss ein Ende haben und alle, die ihren Mördern helfen, müssen bestraft werden", forderte er.

Papst Franziskus äußerte sich "tief betrübt" über die "barbarische" Gewalttat. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verurteilte das Attentat.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière erfuhr während eines Gesprächs mit dem Großimam des renommierten islamischen Al-Ashar-Instituts, Ahmed al-Tajeb, beim Kirchentag in Berlin von dem Anschlag. "Wir sind erschüttert und sind uns absolut einig: Terrorismus im Namen der Religion ist Missbrauch der Religion", sagte der CDU-Politiker. Al-Tajeb nannte den Angriff "inakzeptabel".

Die katholische Kirche in Deutschland zeigte sich ebenfalls entsetzt. Der Anschlag ereignete sich knapp einen Monat nach dem Ägypten-Besuch des Papstes, der zur Eintracht zwischen Christen und Muslimen aufgerufen hatte.

In den vergangenen Wochen waren bei mehreren Angriffen auf koptisch-orthodoxe Kirchen dutzende Menschen getötet worden. Anfang April wurden bei Anschlägen in Alexandria sowie in Tanta nördlich von Kairo insgesamt 45 Menschen getötet. Zu der Tat bekannte sich der IS. Staatschef al-Sisi rief daraufhin einen dreimonatigen Ausnahmezustand aus.

Zuvor hatte sich im Dezember 2016 ein Selbstmordattentäter während einer Sonntagsmesse in einer koptischen Kirche in Kairo in die Luft gesprengt. 29 Menschen wurden getötet und dutzende weitere verletzt. Auch diesen Anschlag reklamierte der IS für sich. Im Februar rief die Dschihadistenmiliz in einem Video zu Gewalt gegen Kopten auf, hunderte Angehörige der Minderheit flohen von der Sinai-Halbinsel.

Die ägyptische Luftwaffe hatte bereits im Februar 2015 Angriffe auf IS-Stellungen in Libyen geflogen. Zuvor hatten IS-Kämpfer ein Video veröffentlicht, das die Enthauptung von 21 Christen zeigte.  (I.Beryonev--DTZ)

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