Frankreich: Grab von Präsident General de Gaulle geschändet

Sonntag, 28. Mai 2017

Das Grab des früheren französischen Präsidenten und Widerstandskämpfers Charles de Gaulle ist geschändet worden. Nach Angaben der Polizei trat ein Mann auf dem Friedhof in Colombey-les-deux-Églises südöstlich von Paris das Marmorkreuz auf dem Grab de Gaulles um. Die französische Regierung zeigte sich empört über die Tat am nationalen Tag des Widerstands gegen die Nazi-Besatzung.

Nach Angaben der Polizei wurde der Grabschänder von einer Überwachungskamera gefilmt. Der Mann sei um 17.14 Uhr auf die Grabplatte gestiegen und habe das 1,50 Meter hohe Marmorkreuz mit zwei starken Tritten zu Fall gebracht. Zudem habe er auf das Grab de Gaulles gespuckt. Der Bürgermeister von Colombey, Pascal Babouot, sagte dem Sender France Info, die Tat habe nach seiner Einschätzung keinen politischen Hintergrund. Der Mann habe auf dem Video einen verwirrten Eindruck gemacht. Die Polizei sucht intensiv nach dem Täter.

Die französische Regierung äußerte sich empört über die Grabschändung. Ministerpräsident Edouard Philippe schrieb in einer Kurzbotschaft auf Twitter, der "Akt von Vandalismus" sei eine "Tat gegen Frankreich". Staatschef Emmanuel Macron kündigte die umgehende Reparatur der Grabstätte an. "Die Persönlichkeit des Generals de Gaulle und sein Andenken liegen allen Franzosen am Herzen", erklärte der Élysée-Palast.

General de Gaulle hatte sich 1940 im britischen Exil an die Spitze des Freien Frankreichs gestellt, das gegen die Nazi-Besatzung kämpfte. 1958 gründete er die Fünfte Republik, von 1959 bis 1969 war er ihr Präsident. Gemeinsam mit dem damaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) söhnte er Frankreich mit Deutschland aus.

De Gaulle starb 1970 kurz vor seinem 80. Geburtstag in Colombey-les-deux-Églises, rund 150 Kilometer südöstlich von Paris. Auf dem Dorffriedhof liegt er neben seiner Frau Yvonne und seiner Tochter Anne begraben. Seine Grabstätte wird jährlich von rund 100.000 Menschen besucht.

Am 27. Mai 2017 wird in Frankreich an die erste Sitzung des Nationalen Widerstands-Rats 1943 gedacht. Im Auftrag de Gaulles wurden damit die verschiedenen Résistance-Gruppen vereint. Die Nationalversammlung hatte den 27. Mai im Jahr 2014 zum nationalen Gedenktag erklärt.  (V.Korablyov--DTZ)

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