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Kabul: 80 Tote durch Bombenanschlag nahe deutscher Botschaft

Mittwoch, 31. Mai 2017

Bei einem verheerenden Bombenanschlag in unmittelbarer Nähe der deutschen Botschaft in Afghanistans Hauptstadt Kabul sind am Mittwoch mindestens 80 Menschen getötet und mehr als 300 weitere verletzt worden. Auch ein afghanischer Wachmann der Botschaft wurde bei dem Attentat im schwer bewachten Botschafts- und Regierungsviertel getötet. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) rief nach dem Attentat zum entschlossenen Anti-Terrorkampf auf.

Dem afghanischen Innenministerium zufolge sprengte sich ein Selbstmordattentäter mit einem mit 1500 Kilogramm Sprengstoff beladenen Tanklaster in die Luft. Das Attentat ereignete sich in einem Viertel, in dem viele Botschaften und Regierungsstellen ihren Sitz haben. In dem Viertel gelten erhöhte Schutzvorkehrungen: Straßensperren, massive Betonschutzwände beidseits der Straße und zahlreiche Polizeiposten sollen Attentäter abwehren.

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) teilte mit, mehrere Bedienstete der deutschen Botschaft seien verletzt worden. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verurteilte den Anschlag "auf das Schärfste" und drückte den Angehörigen des getöteten Wachmanns sein tiefes Beileid aus. Das Auswärtige Amt richtete einen Krisenstab ein.

Die gewaltige Explosion auf dem Sanbak-Platz hatte Kabul im morgendlichen Stoßverkehr erschüttert. Mehr als 50 Fahrzeuge wurden zerstört oder beschädigt. Über dem Anschlagsort stieg dicker schwarzer Rauch auf. Auf der Straße lagen Leichen. Blutüberströmte Überlebende und völlig verängstigte Schülerinnen versuchten sich in Sicherheit zu bringen.

Dem afghanischen Gesundheitsministerium zufolge wurden mindestens 80 Menschen getötet. Mehr als 300 Menschen seien verletzt worden, darunter auch viele Frauen und Kinder. Die Opferzahl könne noch weiter steigen, weil immer noch Leichen unter den Trümmern entdeckt würden.

Der britische Sender BBC teilte mit, einer seiner Fahrer sei bei dem Anschlag getötet worden. Vier BBC-Journalisten wurden demnach verletzt. Das afghanische Innenministerium rief die Einwohner Kabuls zu Blutspenden für die Verletzten auf.

Die Wucht der Detonation war noch in hunderten Metern Entfernung zu spüren. Nach Angaben der französischen Regierung wurden die deutsche und die französische Botschaften beschädigt. Am Gebäude der indischen Vertretung entstanden laut Botschafter Manpreet Vohra "beträchtliche Schäden". In der japanischen Botschaft erlitten zwei Mitarbeiter Schnittwunden durch zerborstene Fensterscheiben.

Zu der Attacke bekannte sich zunächst niemand. Ende April hatten die islamistischen Taliban ihre jährliche Frühjahrsoffensive gestartet und ihre Angriffe verstärkt. Zudem hatte die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) zuletzt wiederholt Anschläge in Kabul für sich beansprucht.

Der EU-Kommissar für humanitäre Hilfe, Christos Stylianides äußerte sich "erschüttert" über den "mörderischen Terroranschlag in Kabul". Papst Franziskus verurteilte den "abscheulichen Angriff" in Kabul und übermittelte allen Betroffenen sein "tief empfundenes Beileid". Merkel sagte beim Deutschen Städtetag in Nürnberg, der Kampf gegen den Terrorismus werde weltweit weiter geführt. "Und wir werden ihn gewinnen", fügte sie hinzu.

Die Bundesregierung sagte einen für den Abend geplanten Abschiebeflug nach Afghanistan ab. Zur Begründung hieß es, die Botschaftsmitarbeiter seien wegen des Anschlags nicht verfügbar. Grundsätzlich hält die Bundesregierung an der Rückführung abgelehnter Asylbewerber aus Afghanistan in ihre Heimat fest.

Die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Bärbel Kofler (SPD), bekräftigte ihre generelle Ablehnung von Abschiebungen nach Afghanistan. Solange die Lage in Afghanistan so gefährlich sei, seien Abschiebungen "das falsche Signal", sagte Kofler der Nachrichtenagentur AFP. Die Sicherheitslage in Afghanistan ist weiterhin äußerst instabil. Mehr als ein Drittel des Landes wird nicht von den Sicherheitskräften der Regierung kontrolliert.  (U.Stolizkaya--DTZ)

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