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Kurdisch-arabisches Bündnis: Großoffensive gegen IS in Raka

Dienstag, 06. Juni 2017

Unterstützt von der US-Armee hat ein kurdisch-arabisches Bündnis am Dienstag eine Großoffensive zur Rückeroberung der nordsyrischen Dschihadistenhochburg Raka gestartet. Die "große Schlacht" zur Vertreibung der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) aus Raka habe begonnen, sagte SDF-Sprecher Talal Sello in der Nähe von Raka. Kurz darauf drangen Kämpfer der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) in die östlichen Vororte der Stadt ein.

Die SDF hatten im November eine Offensive gestartet, um auf die IS-Hochburg Raka am Euphrat vorzurücken. Das Bündnis aus arabischen und kurdischen Einheiten wurde dabei von der US-Armee mit Luftangriffen, Militärberatern und Spezialkräften unterstützt. Im Mai entschied Washington, dem Bündnis auch Waffen zu liefern. "Mit den Flugzeugen der internationalen Koalition und den hochentwickelten Waffen, die sie uns geliefert hat, werden wir Raka von Daesch (IS) erobern", sagte SDF-Sprecher Sello. Die Lieferung der Waffen war in der Türkei auf scharfe Kritik gestoßen.

Ankara betrachtet die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG), die das Rückgrat des SDF-Bündnisses bilden, wegen ihrer engen Verbindungen zur verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) in der Türkei als Terrororganisation. Die türkische Regierung fürchtet, dass die Kurden einen eigenständigen Staat im Norden Syriens schaffen. Trotz der Proteste Ankaras halten die USA aber am Bündnis fest, da sie die SDF als effektive Kraft im Kampf gegen die IS-Miliz schätzen.

Kurz nach Verkündung des Starts der Offensive drangen die SDF-Kämpfer in den östlichen Vorort Al-Meschleb ein, wie die SDF-Kommandeurin Rodschda Felat sagte. Ihre Kämpfer griffen die Stadt von Norden, Osten und Westen an. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte bestätigte, dass das Bündnis mehrere Gebäude in Al-Meschleb eingenommen habe.

Vorbereitet wurde die Offensive von nächtlichen Luftangriffen der US-geführten Anti-IS-Allianz. Laut der oppositionsnahen Beobachtungsstelle wurden bei den Angriffen 21 Zivilisten getötet, die auf Booten über den Euphrat zu entkommen versuchten. Andere Aktivisten bestätigten, dass mehrere Boote auf dem Fluss getroffen worden seien, der durch Raka führt.

Der SDF-Sprecher Sello rief die Zivilisten in der Stadt auf, sich von den IS-Stellungen und der Front zu entfernen. Laut der Anti-IS-Koalition sind bereits knapp 200.000 Menschen aus Raka geflohen. In der Großstadt lebten zuvor 300.000 Menschen, darunter 80.000, die seit Beginn des Bürgerkriegs aus anderen Landesteilen geflohen waren. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen erklärte, immer mehr Einwohner würden aus Raka fliehen. Rund 800 Menschen würden täglich im Flüchtlingslager von Ain Issa im Norden von Raka eintreffen. Kritiker werfen der IS-Miliz vor, die Einwohner von Raka als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen und sich zwischen den Zivilisten zu verstecken.

Der Angriff auf Raka werde den Dschihadisten und ihrer Idee des "Kalifats" einen "entscheidenden Schlag" versetzen, erklärte der Kommandeur der Anti-IS-Koalition, General Steve Townsend. Der Kampf werde aber "lang und schwierig sein". Die IS-Miliz hatte zuletzt deutlich an Boden verloren und steht auch vor dem Verlust ihrer letzten irakischen Hochburg Mossul.

Raka war im März 2013 an Rebellen gefallen, die jedoch Anfang 2014 von Dschihadisten vertrieben wurden, die sich später als IS-Miliz formierten und im Juni 2014 Raka zur Hauptstadt ihres "Kaliphats" erklärten. Die Extremisten errichteten eine Schreckensherrschaft in der Stadt und richteten zahlreiche Menschen hin, die sich ihnen widersetzten.  (I.Beryonev--DTZ)

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