AfD geht mit 2 verschiedenen Kampagnen in Bundestagswahlkampf

Dienstag, 06. Juni 2017

Die AfD zieht offenbar nach kontroversen innerparteilichen Diskussionen mit zwei unterschiedlichen Kampagnen in den Bundestagswahlkampf. Der "Stern" berichtete am Dienstag, die bereits dem Bundeskonvent vorgestellte zentrale Kampagne sei nicht bindend. Auch AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel soll demnach wenig überzeugt von der Kampagne des Bundesvorstands mit dem Slogan "Trau Dich, Deutschland!" sein.

Die Kampagne sei kürzlich in einer Telefonkonferenz der Landesvorsitzenden kritisch diskutiert worden, berichtete das Magazin unter Berufung auf eine E-Mail des Leiters der Bundesgeschäftsstelle der AfD, Hans-Holger Malcomeß. Als Alternative zur Kampagne des Bundesvorstands diene nun eine Plakatkampagne der Bayern-AfD.

Medienkreise zitieren aus einer 74-seitigen Präsentation der Vorstandskampagne. Die Kampagnenmacher bescheinigen der AfD demnach ein "Riesen-Image-Problem". Die Partei sei "das Gegenteil von dem, was sich in der Werbung ein happy product nennt". Ihr fehle die Anbindung "an die moderne, weibliche Erlebniswelt". Das solle die Kampagne ändern.

"Die Anknüpfpunkte zwischen ihren Zielen und der aktuellen Lebenswelt der Menschen müssen subtil und nicht mit dem ’blauen Holzhammer’ gesetzt werden," zitierte das Magazin aus der Präsentation. "Wir setzten optisch auf die Buntheit zum Beispiel von populären TV-Formaten wie ’Bauer sucht Frau’." Die Wahlwerbung komme "wie eine Lifestyle-Kampagne daher". Die AfD präsentiere sich darin "bewusst harmlos, um die Blockade der bürgerlichen Kreise zu überwinden", heißt es demnach weiter in der Präsentation.

Bei den teilweise schon gedruckten Plakaten ist dem "Stern" zufolge ein neuer Ton erkennbar. "Neue Deutsche? Machen wir selber" steht demnach unter dem Foto einer jungen Frau mit halbnacktem Babybauch. Das Foto eines Ferkels werde mit den Worten kommentiert: "Der Islam? Passt nicht zu unserer Küche".

Über dem Foto von drei Weinköniginnen, die in Tracht in einem Weinberg stehen und die Gläser erheben, ist demnach zu lesen: "Burka? Ich steh mehr auf Burgunder". Weiter heißt es demnach in der Präsentation, die Partei traue sich damit, "netter zu sein, sympathischer, menschlicher, weiblicher, aber nicht weicher".

Sollten sich AfD-Landesverbände gegen diese und stattdessen für die Kampagne der Bayern-AfD entscheiden, müssen sie dem Bericht zufolge allerdings tiefer in die Tasche greifen. "In diesen Fällen entfällt nach derzeitiger Beschlusslage des Bundesvorstandes der 20-Prozent-Zuschuss des Bundesverbandes zu den Druckkosten", zitierte der "Stern" aus der E-Mail von Malcomeß.  (U.Beriyev--DTZ)

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