Einheitskanzler Helmut Kohl im Alter von 87 Jahren gestorben

Freitag, 16. Juni 2017

Der Einheitskanzler Helmut Kohl ist tot: Der CDU-Politiker starb am heutigen Freitag (16.06.2017) im Alter von 87 Jahren. Kohl war von 1982 bis 1998 Bundeskanzler, Höhepunkt seiner Amtszeit war die deutsche Wiedervereinigung. Politiker aus dem In- und Ausland würdigten die Lebensleistung des Rheinland-Pfälzers.

"Er war ein großer Staatsmann, ein großer deutscher Politiker und vor allem ein großer Europäer, der sehr viel dafür getan hat, dass nicht nur die Deutsche Einheit gekommen ist, sondern auch dass Europa zusammengewachsen ist", sagte Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) in Berlin. Der Sprecher von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Steffen Seibert, würdigte Kohl als "einen großen Deutschen und einen großen Europäer".

Der am 3. April 1930 in Ludwigshafen geborene Kohl arbeitete sich rasch in der CDU Rheinland-Pfalz hoch und wurde dort 1969 Ministerpräsident. 1982 gelang ihm in einer Koalition mit der FDP der Sprung ins Kanzleramt. 16 Jahre hielt er sich an der Macht, bis er 1998 die Bundestagswahl gegen den SPD-Kandidaten Gerhard Schröder verlor.

Als "Kanzler der Einheit" ging Kohl in die Geschichtsbücher ein. In seiner Amtszeit fiel die Berliner Mauer und unter seiner Regierung gelang es, die deutsche Wiedervereinigung nach jahrzehntelanger deutscher Teilung zu vollenden. Seine letzten Lebensjahre waren von Krankheit geprägt; am Staatsakt zum 20. Jahrestag des Mauerfalls nahm er 2009 im Rollstuhl sitzend teil.

"Helmut Kohl hat historische Weichen für Deutschland und Europa gestellt und sich Verdienste erworben, die Bestand haben und nicht vergessen werden", erklärte SPD-Chef Martin Schulz. Nach Informationen starb der CDU-Politiker am Freitagmorgen. "Helmut Kohl ist heute Morgen um 9:15 Uhr friedlich in seinem Haus in Ludwigshafen gestorben", swar von Helmut Kohls Witwe Maike Kohl-Richter zu vernehmen.

Schröder nannte seinen Vorgänger einen "großen Patrioten und Europäer". "Die Einigung unseres Landes und unseres Kontinents wird auf alle Zeit auch mit seinem Namen verbunden bleiben", sagte Schröder den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland.

Grünen-Chef Cem Özdemir sagte am Freitag auf dem Grünen-Parteitag in Berlin: "Sein Name wird für immer in Verbindung stehen mit einem der großartigsten Nachkriegsprojekte - der deutschen Wiedervereinigung." Kohl habe "eine Generation politisch geprägt", erklärte FDP-Chef Christian Lindner. "Wir verneigen uns vor ihm."

Der frühere US-Präsident George Bush senior würdigte Kohl als "einen der größten Staatenlenker von Nachkriegs-Europa". Bush bezeichnete Kohl in einer Erklärung als einen "wahren Freund der Freiheit", der sein Leben der Aufgabe gewidmet habe, die demokratischen Institutionen in seinem Heimatland und anderswo zu stärken.

Nach dem Fall der Mauer hatten Kohl und Bush eng bei der Verhandlungen über den Zwei-plus-vier-Vertrag zusammengearbeitet, der den Weg zur deutschen Wiedervereinigung ebnete. Bush bezeichnete sein damaliges Zusammenwirken mit seinem "sehr guten Freund" als "eine der großen Freuden meines Lebens". Kohl sei in den damaligen Verhandlungen "wie ein Fels gewesen, also sowohl standfest als auch stark".

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker zeigte sich tief betroffen über den Tod Kohls. "Die Nachricht vom Tod des früheren Bundeskanzlers und meines engen Freundes Helmut Kohl hat mich tief getroffen", erklärte Juncker in Brüssel. Kohl sei Europa und ihm persönlich "ein echter Vertrauter und Verbündeter" gewesen.  (V.Korablyov--DTZ)

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