Katar: Aufhebung der Blockade ist Bedingung für Verhandlungen

Dienstag, 20. Juni 2017

Katar macht die Aufhebung der seit zwei Wochen dauernden Blockade durch arabische Staaten zur Bedingung für Verhandlungen für eine Beendigung der Krise am Golf. Es werde keine Verhandlungen geben, solange die Blockade bestehe, sagte Katars Außenminister Scheich Mohammed al-Thani am gestrigen Montagabend (19.06.2017) in Doha. Die Vereinigten Arabischen Emirate drohten dagegen, die Isolation Katars könne Jahre dauern.

Al-Thani nannte den Abbruch der diplomatischen Beziehungen durch Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und Ägypten einen "Akt der Aggression". Er forderte die sofortige Aufhebung der Sanktionen.

Die vier arabischen Länder haben Lebensmittellieferungen nach Katar gestoppt, auch Flugverbindungen von und nach Doha sind eingestellt. Nach Angaben eines katarischen Wirtschaftsvertreters sind Verträge im Wert von zwei Milliarden Dollar (rund 1,8 Milliarden Euro) betroffen, die meisten von ihnen im Baubereich.

Die arabischen Länder begründen ihr vor zwei Wochen angekündigtes Vorgehen mit Katars Verbindungen zu "Terrororganisationen" wie der Hamas und der Muslimbruderschaft. Besonders Saudi-Arabien ist zudem verstimmt, weil Katar seinen harten Kurs gegen den Iran nicht mitträgt.

Nach Ansicht der Vereinigten Arabischen Emirate könnte die Isolierung des Landes Jahre dauern. Es könne keine Lösung geben, solange Doha nicht seine Unterstützung für "extremistische Islamisten" aufgebe, unterstrich der Staatsminister für Auswärtiges, Anwar Gargasch, in Paris. Die arabischen Länder würden der Regierung in Doha in den kommenden Tagen eine Liste mit ihren Forderungen vorlegen. Unter anderem gehe es um die Ausweisung radikaler Islamisten.

Den Westen forderte der Minister auf, einen "Überwachungsmechanismus" einzurichten, falls Katar auf die Forderungen eingehe. Neben den USA, Frankreich und Großbritannien verfüge auch Deutschland über das nötige politische Gewicht und die technische Expertise hierfür.

Die Krise am Golf war auch Thema bei einem Treffen der EU-Außenminister in Luxemburg. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) sagte, es dürfe "nicht zu einer weiteren Eskalation kommen". Die EU unterstütze die Vermittlungs-Bemühungen des Emirs von Kuwait.  (V.Korablyov--DTZ)

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