Großbritannien kündigt massiven Kampf gegen Terrorismus an

Dienstag, 20. Juni 2017

Nach dem Anschlag auf Muslime nahe einer Londoner Moschee hat die britische Premierministerin Theresa May den Kampf gegen den Terrorismus in all seinen Formen angekündigt. Dieser Anschlag "erinnert uns daran, dass der Terrorismus, der Extremismus und der Hass viele Formen annehmen, und unsere Entschlossenheit ist es, diese zu bekämpfen", sagte May aktuell nach einer Krisensitzung. Der Angreifer wurde wegen Terrorvorwürfen inhaftiert.

Ein 47-jähriger Weißer war in der Nacht zum gestrigen Montag (19.06.2017) mit einem Lieferwagen in eine Gruppe von Muslimen gerast, die vom Abendgebet im Fastenmonat Ramadan kamen. Zehn Menschen wurden verletzt, als der Wagen nahe der Finsbury-Park-Moschee in die Menschenmenge fuhr. Augenzeugen zufolge rief der Fahrer, er wolle "alle Muslime töten".

Bei allen Verletzten handelt es sich um Muslime. Ein älterer Mann starb am Anschlagsort aus zunächst unbekannten Gründen. Der Mann war zusammengebrochen und wurde von anderen Gläubigen versorgt, als der Lieferwagen die Gruppe rammte. Acht der Verletzten wurden ins Krankenhaus gebracht, zwei von ihnen schwebten laut Polizei in Lebensgefahr.

Die Tat ereignete sich vor dem Muslim Welfare House unweit der Finsbury-Park-Moschee im Nordosten Londons. Als die Gläubigen nach den Abendgebeten die Gotteshäuser verließen, habe der Mann seinen Wagen "absichtlich" in die Menge gesteuert, sagte der Augenzeuge Abdiqadir Warra. Einige Opfer seien meterweit mitgeschleift worden.

Zeugen hielten den Fahrer fest, bis die Polizei eintraf und ihn festnahm. Mehrere Menschen schlugen auf den Angreifer ein, bevor der Imam des Welfare House einschritt und die aufgebrachte Menge aufforderte, von dem Fahrer abzulassen. "Durch Gottes Gnade konnten wir ihn vor Schaden bewahren", sagte Imam Mohammed Mahmoud.

Der Attentäter wurde anschließend in ein Krankenhaus gebracht, wo sein Geisteszustand untersucht werden sollte. Nach seiner Festnahme habe der Fahrer im Polizeiauto gewunken und seinen "Sieg" gefeiert, berichtete ein Zeuge. Wie die Polizei bekanntgab, wurde der Mann später "wegen Terrorismus" inhaftiert. Der Mann sei "zusätzlich wegen Auftrags, Vorbereitung oder Anstiftung zum Terrorismus einschließlich Mordes und versuchten Mordes" festgenommen worden.

Sicherheitsminister Ben Wallace zufolge ist der Attentäter den Behörden nicht bekannt. Die Polizei ging zunächst von einem Einzeltäter aus. In der Gegend von Cardiff in Wales habe es Durchsuchungen gegeben, hieß es.

Oppositionsführer Jeremy Corbyn zeigte sich nach dem Vorfall "völlig schockiert". Londons Bürgermeister Sadiq Khan sprach von einem "schrecklichen Terroranschlag" auf "unschuldige Londoner".

Der Rat der Muslime in Großbritannien verwies in einer Erklärung auf zahlreiche islamfeindliche Übergriffe in den vergangenen Wochen. Die angesehene islamische Universität Al-Ashar in Kairo verurteilte die Tat als "terroristisch, rassistisch" und "sündhaft" und appellierte an den Westen, "alle vorbeugenden" Maßnahmen im Kampf gegen Islamophobie zu ergreifen. Londons Polizeichefin Cressida Dick sprach von einem "eindeutigen Anschlag auf Muslime" und kündigte an, die Polizeipräsenz während des Ramadan an Moscheen zu erhöhen.

Die Finsbury-Park-Moschee war lange Zeit berüchtigt. Unter Imam Abu Hamza spielte sie bei der Radikalisierung junger Muslime eine wichtige Rolle. Hamza wurde später in die USA ausgeliefert, wo er zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Inzwischen ist die Moschee bemüht, den Ruf als Hort des Islamismus abzulegen und die Moschee auch für Andersgläubige zu öffnen.

Zahlreiche Bürger des multi-ethnischen und multi-religiösen Stadtteils Finsbury Park zeigten sich am gestrigen Montagabend (19.06.2017) solidarisch mit den Opfern des Anschlags. In der Nähe der Moschee legten Menschen Blumen und Solidaritätsbekundungen nieder. "Man kann uns nicht spalten", war auf einem Zettel zu lesen.

Die Regierungen in Deutschland und Frankreich verurteilten den Anschlag. Die Tochter und Beraterin von US-Präsident Donald Trump, Ivanka Trump, äußerte sich im Kurzbotschaftendienst Twitter solidarisch mit den Opfern, ihr Vater äußerte sich dagegen nicht.  (S.A.Dudajev--DTZ)

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