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Air-Berlin-Generalbevollmächtigter dringt auf Transfergesellschaft

Sonntag, 22. Oktober 2017

Kurz vor dem endgültigen Aus für Air Berlin hat der für die Insolvenz zuständige Generalbevollmächtigte Frank Kebekus die Forderung nach einer Transfergesellschaft bekräftigt. Sonst müssten Anfang November rund 4000 Kündigungen ausgesprochen werden, sagte Kebekus in einem aktuellen Interview. Am kommenden Samstag wird der Flugverkehr unter dem Code von Air Berlin eingestellt. Kritik gab es weiter an der Gehaltsgarantie für Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann.

Der Air-Berlin-Generalbevollmächtigte Kebekus drängte die Bundesregierung und die Länder zum Handeln und forderte eine Entscheidung in den nächsten Tagen: "Air Berlin selber kann die Transfergesellschaft nicht alleine finanzieren, also brauchen wir Hilfe von den betroffenen Ländern und vielleicht auch vom Bund." Es gehe darum, "dass die öffentliche Hand den Beitrag bezahlt, den wir nicht leisten können". Air Berlin hatte vergangene Woche Berlins Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) kontaktiert und eine mögliche finanzielle Beteiligung an einer Transfergesellschaft signalisiert. Gespräche über die Finanzierung zwischen den Bundesländern Berlin, Nordrhein-Westfalen und Bayern laufen bereits.

Derweil forderte der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest, Winkelmann solle teilweise auf sein bis 2021 garantiertes Millionengehalt verzichten. Arbeitnehmer, die durch eine Unternehmenspleite ihren Job verlieren, seien verständlicherweise empört, "wenn sie hören, dass Manager vertraglich so abgesichert sind, dass sie Millionen erhalten", sagte Fuest dem "Handelsblatt" vom Samstag.

"Millionen zu kassieren während die eigenen Mitarbeiter arbeitslos werden, ist sicherlich kein vorbildhaftes Verhalten", fügte Fuest hinzu. Er wäre "anständig, dass Manager in diesen Fällen freiwillig zumindest auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten".

Winkelmann war im Februar vom Lufthansa-Konzern nach Berlin gekommen. Für ihn wurde laut Geschäftsbericht von Air Berlin vereinbart, dass er auch im Falle einer ordentlichen Kündigung sein Grundgehalt von 950.000 Euro im Jahr bis Anfang 2021 bekommt. Für das erste Jahr wurde zudem ein Mindestbonus von 400.000 Euro festgesetzt. Die Zahlungsverpflichtungen wurden durch eine Bankgarantie von bis zu 4,5 Millionen Euro abgesichert.

Politiker von Union, SPD und Grünen warfen Winkelmann bereits unethisches Verhalten vor. Der neue SPD-Fraktionsgeschäftsführer Carsten Schneider sprach von einer "erschreckenden Raffke-Mentalität".  (Y.Ignatiev--DTZ)

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