Brasiliens Regierung bemüht sich im Gammelfleischskandal um Schadensbegrenzung

Montag, 20. März 2017

Im Gammelfleischskandal rund um den weltgrößten Fleischexporteur Brasiliens ist die Regierung um Schadensbegrenzung bemüht. Die Vorwürfe beträfen nur "sehr wenige Betriebe" und die brasilianische Fleischindustrie stelle kein größeres Problem dar, sagte Präsident Michel Temer am Sonntag bei einem Krisentreffen. Er lud eine Reihe von Botschaftern wichtiger Absatzmärkte zum Steak-Essen ein. Der EU-Botschafter in Brasilien forderte "dringend Aufklärung" in dem Skandal.

Der Skandal habe zwar "große Besorgnis" ausgelöst, gestand Temer in einer Ansprache vor den Botschaftern ein. Verdorbenes Fleisch und gefälschte Zertifikate habe es aber nur in "sehr wenigen Betrieben" gegeben. Brasiliens Inspektionssystem sei "eines der respektiertesten" der Welt, versicherte Temer. "Ich möchte unser Vertrauen in die Qualität unserer Produkte betonen."

Es sei wichtig zu betonen, dass von 11.000 Angestellten in der Fleischindustrie "nur gegen 33 ermittelt wird", sagte der Präsident. Von 4837 Kühlhäusern würden nur 21 Unregelmäßigkeiten vorgeworfen.

Temer hatte zuvor bereits ein Treffen mit Vertretern der Landwirtschaft und mehreren Ministern abgehalten. Auch der für Agrarsicherheit zuständige Minister Luís Eduardo Pacifici Rangel sagte vor Journalisten, es gebe "kein Risiko für die Bevölkerung oder die Exporte".

Die Affäre war am Freitag nach zweijährigen Ermittlungen der Polizei publik geworden. Dutzende Mitarbeiter der Gesundheitsbehörden sollen bestochen worden sein, um den Verkauf von verdorbenem Fleisch zuzulassen. Mindestens 30 Menschen wurden bereits festgenommen, drei Betriebe mussten schließen. An den Ermittlungen, laut Polizei die bislang "größten" dieser Art überhaupt, waren 1100 Beamte beteiligt.

Brasilien exportiert Fleisch in 150 Länder. Zu den größten Abnehmern gehören Saudi-Arabien, China, Japan, Russland und Italien. In Deutschland wurden im vergangenen Jahr nach vorläufigen Angaben des Landwirtschaftsministeriums gut 114.282 Tonnen Fleisch aus Brasilien eingeführt. Das entsprach einem Wert von rund 317.000 Euro.

Temer lud die eingeladenen Botschafter am Sonntagabend (Ortszeit) zum Abendessen in ein traditionelles Steakhaus, eine Churrascaria ein, um die Qualität der Produkte des Landes zu unterstreichen. Von den vertretenen 33 Botschaftern nahmen 19 die Einladung an. Der EU-Botschafter in Brasilien, João Cravinho, twitterte am Sonntag, er fordere eine "umfassende, dringende Aufklärung" der Vorwürfe durch das Landwirtschaftsministerium.

Der Skandal könnte nicht nur Brasiliens angeschlagene Wirtschaft weiter schädigen, sondern er droht auch die Handelsbeziehungen zur EU und zu den USA zu belasten. Die Vorwürfe "erschweren die Verhandlungen", hieß es aus dem Außenministerium zu möglichen Handelsabkommen. Brasilien und mehrere andere Mercosur-Länder werben derzeit für ein Handelsabkommen mit der EU.

Umfangreiche Details zu den verdorbenen Produkten gaben die Behörden bislang nicht heraus. Es sollen in einigen Fällen aber krebserregende Stoffe beigemischt worden sein, um den Geruch des verdorbenen Fleisches zu überdecken. Für Verunsicherung bei den Verbrauchern sorgten außerdem Berichte, dass einigen Hühnerfleischprodukten Pappe beigemischt wurde.

Das wiederum wies der von den Ermittlungen betroffene Großkonzern BRF zurück. Es habe ein "Missverständnis" bei den Audioaufnahmen der Polizei gegeben, erklärte der Konzern. BRF startete Werbeanzeigen, um auf seine ungefährlichen Produkte hinzuweisen. Auch das betroffene Unternehmen JBS schaltete Anzeigen.

(L.Møller--DTZ)

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