Deutsche Tageszeitung - Chinas Kampf gegen neuartiges Coronavirus läuft auf Hochtouren

Chinas Kampf gegen neuartiges Coronavirus läuft auf Hochtouren


Chinas Kampf gegen neuartiges Coronavirus läuft auf Hochtouren
Chinas Kampf gegen neuartiges Coronavirus läuft auf Hochtouren / Foto: © AFP

Die Bemühungen der chinesischen Behörden zur Eindämmung des neuartigen Coronavirus laufen auf Hochtouren: Bereits in mehr als einem Dutzend Städten wurde der öffentliche Verkehr ausgesetzt, so dass ihre mehr als 41 Millionen Einwohner de facto unter Quarantäne standen. Ungeachtet des chinesischen Neujahrsfests wurde die Schließung weiterer Sehenswürdigkeiten wie ein Abschnitt der Chinesischen Mauer, das Olympia-Stadion in Peking und Disneyland in Shanghai angeordnet.

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In den Städten Xianning, Xiaogan, Enshi und Zhijiang wurde am Freitag der öffentliche Verkehr ausgesetzt. Wie die Elf-Millionen-Metropole Wuhan, von der das Virus ausging, liegen sie in der Provinz Hubei. Damit stehen mittlerweile 13 chinesische Städte wegen des Erregers 2019-nCoV de facto unter Quarantäne.

Seit dem Ausbruch der Atemwegserkrankungen Ende vergangenen Jahres wurden in China nach Behördenangaben 830 Infektionen bestätigt, mehr als tausend weitere Verdachtsfälle werden überprüft. 26 Menschen starben an der Infektion. Dazu zählen auch zwei Todesfälle außerhalb von Hubei - nämlich in der Peking umgebenden Provinz Hebei und im an Russland grenzenden Heilongjiang.

Internationale Wissenschaftler gehen von mehreren tausend Infizierten in der Volksrepublik aus. Einzelne Infektionen wurden auch aus anderen Ländern, darunter Thailand, Japan und die USA, gemeldet. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin sagte am Freitag, nach aktueller Kenntnis sei weiterhin kein deutscher Staatsbürger erkrankt.

"Dieses Jahr haben wir ein sehr unheimliches Neujahr", sagte ein Taxifahrer in Wuhan der Nachrichtenagentur AFP. In mehreren Krankenhäusern in Wuhan waren die Wartezimmer voller Menschen mit Fieber und Erkältungssymptomen, die eine 2019-nCoV-Infektion befürchteten.

"Ich habe Fieber und Husten, ich habe Angst, mich angesteckt zu haben", sagte ein 35-Jährige einem AFP-Reporter. In Peking waren Metro-Mitarbeiter in Ganzkörper-Schutzanzügen im Einsatz, um mit Fiebermessen mögliche Erkrankte unter den Fahrgästen aufzuspüren.

Der Leiter von Chinas Zentrum für Seuchenkontrolle, Gao Fu, rief die Bevölkerung auf, dieses Jahr auf Neujahrsveranstaltungen zu verzichten. "Wenn wir alle an einem Strang ziehen, können wir das Virus in Wuhan eindämmen und den Export weiterer Fälle aus Wuhan verhindern", sagte Gao im Staatsfernsehen.

Wie in Wuhan wurden auch in Peking Großveranstaltungen anlässlich des chinesischen Neujahrsfests am Samstag abgesagt. Am Freitag kamen außerdem weitere Touristenattraktionen hinzu, die wegen des Coronavirus vorsichtshalber geschlossen werden.

Die Schutzvorkehrungen treffen unter anderem ein Symbol der Stärke des Landes: Teile der Chinesischen Mauer werden geschlossen. Auch die Ming-Gräber und die Yinshan-Pagode blieben ab Samstag vorsichtshalber geschlossen, teilte die für die Verwaltung dieser historischen Stätten zuständige Behörde mit.

Das "Vogelnest"-Stadion der Olympischen Spiele 2008 in Peking ist seit Freitag nicht mehr zugänglich. Zuvor war bereits die vorübergehende Schließung der Verbotenen Stadt und anderer Sehenswürdigkeiten in Peking verkündet worden.

Der Vergnügungspark Disneyland in Shanghai schließt auf unbestimmte Zeit seine Pforten. Auch der weltbekannte kanadische Zirkus Cirque du Soleil sagte seine festen Shows in Hangzhou bis auf Weiteres ab.

Die Chefin des Weltreise- und -tourismusrates (WTTC), Gloria Guevara, warnte vor "anhaltenden wirtschaftlichen Folgen" des Virus. "Die Eindämmung von unnötiger Panik ist genauso wichtig wie das Virus selbst zu stoppen", erklärte sie in London.

Ursprünglich wurde das neue Coronavirus wahrscheinlich von Tieren übertragen, es wird aber auch von Mensch zu Mensch weitergegeben. Trotz des sprunghaften Anstiegs der Fallzahlen in China hatte sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Donnerstag gegen die Ausrufung eines internationalen Gesundheitsnotstands entschieden. Dazu sei es noch zu früh, teilte die Organisation mit. Bislang gebe es keine Hinweise für eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung des Virus außerhalb Chinas.

Das internationale Impfbündnis Cepi teilte beim Weltwirtschaftsforum in Davos mit, ein Impfstoff gegen 2019-nCoV könne voraussichtlich im Sommer in die Testphase gehen.

(O.Tatarinov--DTZ)