Deutsche Tageszeitung - China riegelt im Kampf gegen neuartiges Coronavirus 13 Städte ab

China riegelt im Kampf gegen neuartiges Coronavirus 13 Städte ab


China riegelt im Kampf gegen neuartiges Coronavirus 13 Städte ab
China riegelt im Kampf gegen neuartiges Coronavirus 13 Städte ab / Foto: © AFP

Die chinesischen Behörden haben ihre Bemühungen zur Eindämmung des neuartigen Coronavirus noch einmal verschärft: In mehr als einem Dutzend Städten wurde der öffentliche Verkehr ausgesetzt, so dass ihre mehr als 41 Millionen Einwohner de facto unter Quarantäne standen. Aus den USA wurde am Freitag ein zweiter Fall der Lungenkrankheit gemeldet. Berechnungen französischer Forscher zufolge liegt die Wahrscheinlichkeit, dass das Virus auch Europa erreicht, bei bis zu 70 Prozent.

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In den Städten Xianning, Xiaogan, Enshi und Zhijiang wurde am Freitag der öffentliche Verkehr ausgesetzt. Wie die Elf-Millionen-Metropole Wuhan, von der das Virus ausging, liegen sie in der Provinz Hubei. Damit stehen mittlerweile 13 chinesische Städte wegen des Erregers 2019-nCoV de facto unter Quarantäne.

Seit dem Ausbruch der Atemwegserkrankungen Ende vergangenen Jahres wurden in China nach Behördenangaben 830 Infektionen bestätigt, mehr als tausend weitere Verdachtsfälle werden überprüft. 26 Menschen starben an der Infektion. Dazu zählen auch zwei Todesfälle außerhalb von Hubei.

Internationale Wissenschaftler gehen von mehreren tausend Infizierten in der Volksrepublik aus. Einzelne Infektionen wurden auch aus anderen Ländern, darunter Thailand, Japan und Südkorea, gemeldet. Auch in den USA wurden nach Angaben der US-Gesundheitsbehörden bislang zwei Menschen mit dem neuartigen Virus diagnostiziert. Überdies gehen die Behörden 50 weiteren Verdachtsfällen nach.

Auch aus Nepal wurde am Freitag ein erster Fall gemeldet. Ein 32 Jahre alter Student, der nach Wuhan gereist war, werde in einem Krankenhaus in Kathmandu behandelt, teilten die Gesundheitsbehörden mit.

Im französischen Bordeaux wurde nach Angaben des Notarztdienstes "SOS Médecins" am Donnerstag ein Patient mit Verdacht auf das Virus ins Krankenhaus eingeliefert. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin sagte am Freitag, nach aktueller Kenntnis sei weiterhin kein deutscher Staatsbürger erkrankt.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Infizierter Europa erreicht, liegt nach Berechnungen des französischen Forschungsinstituts Inserm bei 33 bis 70 Prozent. Am meisten gefährdet seien Deutschland und Großbritannien, teilte das Institut am Freitag mit.

In Großbritannien wurde zusätzliches medizinisches Personal am Londoner Flughafen Heathrow eingesetzt, wie die Gesundheitsbehörde PHE am Freitag mitteilte. Für 14 Verdachtsfälle konnte indes Entwarnung gegeben werden.

Wie in Wuhan wurden auch in Peking Großveranstaltungen anlässlich des chinesischen Neujahrsfests am Samstag abgesagt. Am Freitag kamen außerdem weitere Touristenattraktionen hinzu, die wegen des Coronavirus vorsichtshalber geschlossen werden.

Die Schutzvorkehrungen treffen unter anderem ein Symbol der Stärke des Landes: Teile der Chinesischen Mauer werden geschlossen. Auch die Ming-Gräber und die Yinshan-Pagode blieben ab Samstag geschlossen, teilte die für die Verwaltung dieser historischen Stätten zuständige Behörde mit.

Das "Vogelnest"-Stadion der Olympischen Spiele 2008 in Peking ist seit Freitag nicht mehr zugänglich. Zuvor war bereits die vorübergehende Schließung der Verbotenen Stadt und anderer Sehenswürdigkeiten in Peking verkündet worden.

Ursprünglich wurde das neue Coronavirus wahrscheinlich von Tieren übertragen, es wird aber auch von Mensch zu Mensch weitergegeben. Trotz des sprunghaften Anstiegs der Fallzahlen in China hatte sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Donnerstag gegen die Ausrufung eines internationalen Gesundheitsnotstands entschieden. Dazu sei es noch zu früh, teilte die Organisation mit. Bislang gebe es keine Hinweise für eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung des Virus außerhalb Chinas.

Das internationale Impfbündnis Cepi teilte beim Weltwirtschaftsforum in Davos mit, ein Impfstoff gegen 2019-nCoV könne voraussichtlich im Sommer in die Testphase gehen.

(N.Loginovsky--DTZ)