Deutsche Tageszeitung - Fünf Tote bei neuen Massenprotesten gegen Einbürgerungsrecht in Indien

Fünf Tote bei neuen Massenprotesten gegen Einbürgerungsrecht in Indien


Fünf Tote bei neuen Massenprotesten gegen Einbürgerungsrecht in Indien
Fünf Tote bei neuen Massenprotesten gegen Einbürgerungsrecht in Indien / Foto: © AFP

In Indien sind bei neuen Protesten gegen eine Reform des Einbürgerungsrechts fünf Demonstranten getötet worden. Vier Leichen seien in Krankenhäuser im Bezirk Meerut im nordöstlichen Bundesstaat Uttar Pradesh gebracht worden, sagte ein Vertreter der örtlichen Gesundheitsbehörde am Freitag der Nachrichtenagentur AFP. Zwei von ihnen wurden demnach aus dem Nachbarbezirk Muzaffarnagar nach Meerut gebracht. Nach Polizeiangaben starb auch in Firozabad ein Demonstrant.

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Durch Autopsien soll nun die Todesursache geklärt werden, wie der Vertreter der Gesundheitsbehörde von Meerut weiter sagte. Zudem seien sieben verletzte Demonstranten in Krankenhäuser gebracht worden.

In Lucknow, der Hauptstadt des nordöstlichen Bundesstaats Uttar Pradesh, ging die Polizei mit Tränengas und Schlagstöcken gegen einige hundert Demonstranten vor, wie ein AFP-Reporter berichtete. In Delhi demonstrierten rund 5000 Menschen vor Indiens größter Moschee Dschama Masdschid trotz eines Versammlungsverbots.

Aus Angst vor Ausschreitungen nach den Freitagsgebeten waren im Umfeld vieler Moscheen die Sicherheitsvorkehrungen verschärft worden. In weiten Teilen des Landes galt ein Versammlungsverbot und das mobile Internet wurde blockiert.

Am Donnerstag waren bei Massenprotesten drei Menschen erschossen worden. Insgesamt sind damit seit Beginn der Unruhen vor über einer Woche 14 Menschen bei den Protesten ums Leben gekommen. Zehntausende gingen im ganzen Land gegen das umstrittene Einbürgerungsrecht auf die Straße.

In der südindischen Stadt Mangaluru hatten Sicherheitskräfte am Donnerstag das Feuer auf rund 200 Demonstranten eröffnet, weil diese nach Behördenangaben auch nach dem Einsatz von Schlagstöcken und Tränengas weitermarschiert waren. Zwei Menschen starben dabei, vier weitere wurden mit Schussverletzungen ins Krankenhaus eingeliefert.

Aus einem Krankenhaus in Lucknow verlautete, ein Mann, der bei Protesten eine Schussverletzung erlitten habe, sei kurz nach seiner Einlieferung am Donnerstag gestorben. Die örtliche Polizei bestätigte die Angabe nicht. Die Zeitung "Times of India" zitierte aber den Vater des Opfers, der angab, sein Sohn sei beim Einkaufen in eine Demonstrantenmenge geraten und erschossen worden.

Indien hat eine mehrheitlich hinduistische Bevölkerung von insgesamt 1,3 Milliarden Menschen, von denen rund 200 Millionen Muslime sind. Auslöser der Proteste ist ein vergangene Woche vom Oberhaus verabschiedetes Staatsbürgerschaftsgesetz. Es sieht für nicht-muslimische Einwanderer aus Indiens Nachbarstaaten Bangladesch, Pakistan und Afghanistan Vereinfachungen bei der Einbürgerung vor.

Gegner des Gesetzes sehen dadurch die Neutralität des Staates in Glaubensfragen verletzt. Regierungschef Modi aber rechtfertigte die Änderung. Er betonte, Muslime in Bangladesch, Pakistan und Afghanistan bedürften keines Schutzes.

(S.A.Dudajev--DTZ)