Deutsche Tageszeitung - Irakische Katholiken verzichten aus Sicherheitsgründen auf Messen an Heiligabend

Irakische Katholiken verzichten aus Sicherheitsgründen auf Messen an Heiligabend


Irakische Katholiken verzichten aus Sicherheitsgründen auf Messen an Heiligabend
Irakische Katholiken verzichten aus Sicherheitsgründen auf Messen an Heiligabend / Foto: © AFP

Wegen der angespannten Sicherheitslage feiern die Katholiken in der irakischen Hauptstadt Bagdad an Heiligabend keine Gottesdienste. Die Mitternachtsmessen am 24. Dezember in allen Bagdader Kirchen seien abgesagt worden, erklärte der Patriarch der chaldäisch-katholischen Kirche, Louis Raphael Sako, am Freitag. Am Weihnachtstag selbst werde die Messe jedoch stattfinden, fügte er hinzu.

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Beim Gottesdienst am 25. Dezember werde es Gebete "für eine Lösung der Krise" und "für ihre Opfer, sowohl auf Seiten der Demonstranten als auch auf Seiten der Sicherheitskräfte" geben, erklärte Sako.

Bagdad und der Südirak werden seit Anfang Oktober von massiven Protesten gegen die Regierung erschüttert. Etwa 460 Menschen wurden seither getötet und etwa 25.000 weitere verletzt, die meisten von ihnen Demonstranten.

Bereits Anfang Dezember hatte Sako angekündigt, dass die Kirche aus Respekt für die Opfer auf öffentliche Weihnachtsfeiern verzichten werde. "Es wird keine verzierten Weihnachtsbäume in den Kirchen oder Straßen geben, keine Feiern und keinen Empfang im Patriarchat", erklärte er.

Im Irak lebt rund eine halbe Million Christen. Vor dem Beginn des Irak-Kriegs im Jahr 2003 waren es noch drei Mal so viele. Die meisten der verbliebenen Christen leben in der Hauptstadt Bagdad und in der nördlichen Region Nineve.

Unter dem Druck der Proteste hatte Ministerpräsident Adel Abdel Mahdi im November seinen Rücktritt angekündigt. Seither ringen die zutiefst zerstrittenen Parteien im Parlament um seine Nachfolge. Eigentlich gab es eine Frist bis Donnerstag für das Parlament, um einen neuen Regierungschef vorzuschlagen. Nach Angaben aus dem Präsidentenbüro wurde die Frist nun aber nochmal bis Sonntag verlängert.

(V.Korablyov--DTZ)