Deutsche Tageszeitung - Start in Weihnachtsferien in Frankreich von massivem Verkehrschaos überschattet

Start in Weihnachtsferien in Frankreich von massivem Verkehrschaos überschattet


Start in Weihnachtsferien in Frankreich von massivem Verkehrschaos überschattet
Start in Weihnachtsferien in Frankreich von massivem Verkehrschaos überschattet / Foto: © AFP

In Frankreich drohen zahlreichen Menschen Weihnachtstage fernab ihrer Familien. Wegen der anhaltenden Streiks hat die französische Bahn den Großteil ihrer Verbindungen an Heiligabend gestrichen. Auch an diesem Wochenende ist der Zugverkehr wegen der Proteste gegen die Rentenreform stark eingeschränkt. Nach einer Welle der Empörung sagte die Bahngesellschaft SNCF immerhin zu, die zunächst gestrichenen Fahrten für tausende allein reisende Kinder noch doch zu ermöglichen.

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Eine Sprecherin der Bahngesellschaft SNCF sagte, dass am Sonntag 5000 Plätze in 14 TGV-Schnellzügen für allein reisende Kinder im Alter von 4 bis 14 Jahren zur Verfügung gestellt würden. Dies sei möglich geworden, weil einige Fahrer die Arbeitsniederlegungen beendet hätten.

Zuvor hatte die SNCF mitgeteilt, bis einschließlich 24. Dezember könnten allein reisende Kinder keinen Zug nehmen. 6000 Kinder sollten davon betroffen sein. Die Familien wurden benachrichtigt, dass die Tickets storniert seien. Die Bahn argumentierte mit der "Sicherheit" der Kinder: Sie sei wegen der Streiks nicht in der Lage, die zugesagte Betreuung zu garantieren.

Die Gewerkschaft CGT, die seit gut zwei Wochen die Bahn-Streiks in Frankreich mitträgt, sprach am Freitag von einem "Skandal". Auch viele Eltern und Politiker reagierten empört. "Das ist unmenschlich", schrieb eine Frau auf Twitter. "Mein Sohn hat den ganzen Abend geweint, weil er seinen Vater an Weihnachten nicht sehen kann."

Zuvor hatte die Bahn auch bekannt gegeben, dass viele Verbindungen am 23. und 24. Dezember ausfallen. Sechs von zehn TGV-Schnellzügen sowie Intercity-Zügen sind gestrichen. Demnach kann nur jeder zweite Kunde mit einem Ticket befördert werden. Die anderen sollen umbuchen, es gibt jedoch kaum noch Plätze. Die Regierung hatte zuvor jedem Passagier einen Zug in Aussicht gestellt.

Auch am ersten Ferienwochenende ist jeder zweite TGV-Schnellzug gestrichen. Viele Franzosen sind nun auf das Auto, eine Mitfahrgelegenheit oder Busse angewiesen. Für Samstag werden große Staus erwartet. Der Verkehrsdienst Bison Futé warnte landesweit vor schwierigen Verhältnissen auf den Straßen.

Aus Protest gegen die geplante Rentenreform der Regierung von Präsident Emmanuel Macron waren viele Bahn-Mitarbeiter am Freitag bereits den 16. Tag in Folge im Streik. Der Verkehr war erneut stark beeinträchtigt. In Paris verkehrten zudem die meisten Metros und Busse nicht. Das soll sich auch am Wochenende nicht ändern.

Die größte französische Gewerkschaft CFDT entschied am Freitag, ihren Streikaufruf wegen "unzureichender" Fortschritte in den Gesprächen mit der Regierung aufrecht zu halten. Auch die Gewerkschaften CGT und FO riefen weiter zu unbefristeten Streiks auf.

Verhandlungen zwischen Premierminister Edouard Philippe und den Gewerkschaften hatten am Donnerstagabend keinen Durchbruch gebracht, sie wurden auf Anfang Januar vertagt. Die zweitgrößte Eisenbahnergewerkschaft Unsa sprach sich dagegen für eine Streikpause aus.

Mehrere Gewerkschaften riefen für den 9. Januar zu einem neuen branchenübergreifenden Protesttag mit Streiks und Kundgebungen auf. Seit Beginn der Protestwelle am 5. Dezember hat es bereits drei solche Aktionstage gegeben, dabei gingen jeweils mehrere hunderttausend Menschen gegen die Rentenreform auf die Straße.

Ein "harter Punkt" in den Verhandlungen bleibt das künftige Renteneintrittsalter, wie die CFDT erklärte. Die Regierungspläne sehen vor, dass es de facto von 62 auf 64 Jahre steigt.

Die Rentenreform ist das zentrale Reformversprechen Macrons. Er will das komplizierte System mit 42 verschiedenen Regelungen in Frankreich vereinheitlichen und das Milliarden-Defizit der Rentenkassen abbauen.

(W.Novokshonov--DTZ)