Deutsche Tageszeitung - Spanische Wahlbehörde ordnet Absetzung von katalanischem Regionalpräsidenten an

Spanische Wahlbehörde ordnet Absetzung von katalanischem Regionalpräsidenten an


Spanische Wahlbehörde ordnet Absetzung von katalanischem Regionalpräsidenten an
Spanische Wahlbehörde ordnet Absetzung von katalanischem Regionalpräsidenten an / Foto: © AFP

Der katalanische Regionalpräsident Quim Torra soll sein Amt abgeben: Die spanische Wahlkommission ordnete am Freitag an, dem Unabhängigkeitsbefürworter sein Mandat im Regionalparlament in Barcelona zu entziehen - damit verliert er auch sein Amt als Regionalpräsident. Hintergrund ist ein Gerichtsurteil gegen Torra wegen "Ungehorsams". Torra hatte sich geweigert, Symbole der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung vom Sitz der Regionalregierung in Barcelona zu entfernen.

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Torra hatte sich vor der Parlamentswahl im April der Anordnung der Wahlbehörde widersetzt, eine gelbe Solidaritätsschleife und ein Banner vom Sitz der Regionalregierung zu entfernen, auf dem "Freiheit für politische Gefangene und Exilierte" stand. Ein Gericht in Barcelona hatte ihm deshalb im Dezember wegen "Ungehorsams" für 18 Monate die Berechtigung zum Ausüben öffentlicher Ämter entzogen.

Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Torra hat Berufung beim Obersten Gerichtshof in Madrid eingelegt.

Ohne die endgültige Entscheidung der Justiz abzuwarten, gab die Wahlkommission nun rechtsgerichteten Parteien Recht, die eine Absetzung Torras verlangt hatten. Laut dem Autonomiestatut für Katalonien muss der Regionalpräsident als Abgeordneter dem Parlament der nordostspanischen Region angehören.

Torra kündigte an, sich im Laufe des Abends zu der Entscheidung der Wahlkommission zu äußern. Nach dem Gerichtsurteil im Dezember hatte er erklärt, dass ihn "nur das Parlaments Kataloniens" seines Amts entheben könne. Er werde sich nicht von einem "politisch motivierten Gericht" absetzen lassen.

Erst am Donnerstag hatte die katalanische Partei Esquerra Republicana de Catalunya (ERC) den Weg für die Wiederwahl des spanischen Regierungschefs Pedro Sánchez freigemacht: Die 13 ERC-Abgeordneten wollen sich bei der anstehenden Abstimmung im Parlament in Madrid enthalten. Damit gilt die Wiederwahl des Sozialisten Sánchez, der eine Koalition mit der linksgerichteten Partei Podemos vereinbart hat, als gesichert.

Die ERC regiert in Barcelona zusammen mit Torras Partei Junts per Catalunya (Zusammen für Katalonien), die bereits angekündigt hat, gegen Sánchez zu stimmen.

Madrid geht seit 2017 hart gegen die Unabhängigkeitsvertreter in Katalonien vor. Erst im Oktober 2019 wurde der Chef der ERC, Oriol Junqueras, zu einer langjährigen Haftstrafe wegen "Aufruhrs" und seiner Rolle beim gescheiterten Unabhängigkeitsreferendum vor mehr als zwei Jahren verurteilt.

(P.Tomczyk--DTZ)