Deutsche Tageszeitung - Oberlandesgericht untersagt mehrere Passagen aus Medienbericht zu Waldorfschulen

Oberlandesgericht untersagt mehrere Passagen aus Medienbericht zu Waldorfschulen


Oberlandesgericht untersagt mehrere Passagen aus Medienbericht zu Waldorfschulen
Oberlandesgericht untersagt mehrere Passagen aus Medienbericht zu Waldorfschulen / Foto: © AFP/Archiv

Das Oberlandesgericht Stuttgart hat mehrere Passagen eines Berichts von "Zeit Online" zu Waldorfschulen untersagt. Für die Darstellungen gebe es keine ausreichenden Belege, teilte das Gericht am Mittwoch mit. Es gab damit einer Berufung des Bunds der Freien Waldorfschulen in Teilen Recht. (Az.: 4 U 46/23)

Textgröße ändern:

Im November 2022 hatte "Zeit Online" einen Bericht mit dem Titel "Esoterik an Waldorfschulen: Falscher Filz" veröffentlicht. Der Dachverband klagte daraufhin gegen das Portal auf Unterlassung, weil falsche Tatsachenbehauptungen aufgestellt oder falsche Schlussfolgerungen gezogen worden seien. Das Landgericht Stuttgart verbot in erster Instanz Äußerungen zu einem "ausgewachsenen Gewaltproblem" einer "als so sanft geltenden Waldorfpädagogik".

Bei anderen Passagen wies das Gericht eine einstweilige Verfügung ab, weil der Verband der Waldorfschulen von den angegriffenen Äußerungen nicht unmittelbar betroffen sei. Gegen die Abweisung der Unterlassungsklage legte der Verband Berufung ein. Die damalige Entscheidung änderte das Oberlandesgericht nun teilweise ab.

Zusätzlich wurden damit sieben weitere Passagen verboten. Darunter befindet sich eine über medizinische Diagnosen. In dem Bericht hieß: "Ein weiteres Problem ist, dass in vielen Waldorfeinrichtungen handfeste medizinische Diagnosen nicht anerkannt und stattdessen spirituelle Gründe für gesundheitliche Probleme gesucht werden." Kindern mit Asthma, Neurodermitis oder Allergien würden Probleme mit ihrem Karma attestiert.

Die Äußerungen beziehen sich auf die Waldorfpädagogik und damit auf alle Waldorfschulen, die "unter dem Dach" des Verbands arbeiteten, urteilten die Richter. Er müsse sich Kritik an seinen vertretenen pädagogischen Ansätzen gefallen lassen. Die angegriffene Äußerung, wonach für Kinder, denen ein schlechtes Karma oder eine problematische Aura attestiert werde, ein Leidensweg beginnen könne, sei als Werturteil zulässig. Allerdings müssen Medien Belege für die Darstellungen liefern. Im Fall der nun verbotenen Passagen seien die Belege nicht ausreichend gewesen.

Beispielsweise belegten die von "Zeit Online" genannten Quellen nicht, dass die Waldorfpädagogik bis heute davon ausgehe, dass Kinder im Alter von bis zu 14 Jahren nicht selbst denken könnten und sollten. In anderen Passagen werde der Eindruck erweckt, dass körperliche Strafen durch die Waldorfpädagogik befürwortet würden. Dafür sei ein Zitat des Waldorf-Theoretikers Ericht Gabert durch Weglassungen ins Gegenteil verkehrt worden. Das Urteil ist rechtskräftig.

(Y.Ignatiev--DTZ)

Empfohlen

Aggressiv und lernunwillig: Verhalten der Schüler größte Belastung für Lehrer

Aggressivität, fehlender Lernwille und Mobbing: Das Verhalten von Schülerinnen und Schülern ist laut einer Umfrage für fast jede zweite Lehrkraft die größte Belastung. 46 Prozent sehen das Schülerverhalten derzeit als größte Herausforderung im Berufsalltag, wie aus dem am Dienstag in Stuttgart veröffentlichten Deutschen Schulbarometer der Robert Bosch Stiftung hervorgeht.

Studie: Nur noch knapp 32 Prozent der Studiengänge zugangsbeschränkt

Studienanfänger in Deutschland haben immer bessere Chancen auf ihren Wunschstudienplatz. Nur noch 31,6 Prozent aller Studienangebote haben im kommenden Wintersemester eine Zugangsbeschränkung, wie aus einer am Dienstag veröffentlichten Studie des CHE Centrum für Hochschulentwicklung in Gütersloh hervorging. Das entspricht einem Rückgang um 0,9 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Im Bachelorbereich liegt die Quote sogar bei nur 28,7 Prozent.

Britischer Prinz George wechselt im September auf Eliteschule Eton

Prinz George, der älteste Sohn des britischen Thronfolgers Prinz William, wird ab September die Eliteschule Eton besuchen. Der Kensington-Palast gab den Schulwechsel am Dienstag bekannt. Der zwölfjährige George folgt damit seinem Vater William und seinem Onkel Harry, die ebenfalls in Eton zur Schule gingen. Unklar ist bisher, ob George auch im Internat der Schule wohnen wird. Eton ist nur wenige Kilometer vom Wohnsitz seiner Eltern auf dem Gelände von Schloss Windsor entfernt.

Deutsches Studierendenwerk drängt auf rasche Einigung bei Bafög-Reform

Das Deutsche Studierendenwerk (DSW) pocht auf die von der Koalition versprochene Bafög-Erhöhung. "Der Zick-Zack-Kurs der Bundesregierung beim Bafög ist ein verheerendes Signal an die Studierenden und die junge Generation insgesamt", sagte DSW-Vorstandschef Matthias Anbuhl der "Rheinischen Post" vom Dienstag. "Der Fachkräftemangel wird sich in den kommenden Jahren verschärfen, denn die Boomer-Generation geht nun Schritt für Schritt in Rente", betonte Anbuhl.

Textgröße ändern: