Deutsche Tageszeitung - Habeck fordert Milliardärsteuer für Schulen - Opposition spricht von "Populismus"

Habeck fordert Milliardärsteuer für Schulen - Opposition spricht von "Populismus"


Habeck fordert Milliardärsteuer für Schulen - Opposition spricht von "Populismus"
Habeck fordert Milliardärsteuer für Schulen - Opposition spricht von "Populismus" / Foto: © AFP/Archiv

Grünen-Spitzenkandidat Robert Habeck hat eine Milliardärsteuer vorgeschlagen, um mehr Geld in Schulen investieren zu können. Es gebe in Deutschland "nicht so viele, aber einige Milliardäre, also wirklich Superreiche", sagte Habeck der "Bild am Sonntag". "Und wenn man da einen kleinen Anteil ihres Vermögens besteuern würde, dann hätte man ungefähr fünf bis sechs Milliarden Euro", fügte Habeck hinzu.

Textgröße ändern:

Habeck sprach sich dafür aus, mit diesen Einnahmen Schulen zu sanieren und zusätzliches Lehrpersonal zu finanzieren - "weil Bildung auch Zugang zum Aufstieg darstellt". "Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich eine Finanzierungsquelle sehe, die wir bisher nicht genutzt haben", sagte Habeck.

Der Vater von vier Söhnen kennt den Sanierungsbedarf der Schulen aus eigener Erfahrung, wie er der Zeitung sagte: "Ich habe das noch gut vor Augen und auch in der Nase, wie es gerochen hat auf den Toiletten."

Er fände es "super", die Schulen und Kitas "in den nächsten vier, fünf Jahren gut zu sanieren", sagte der Grünen-Politiker. Dafür habe er vorgeschlagen, "in die öffentlichen Einrichtungen durch einen großen Fonds zu investieren". Denn es sei "auch eine Frage des Geldes, dass Schule und Kitas gut aussehen, dass die nicht stinken und dass man sich da wohlfühlt".

Union und FDP kritisierten Habecks Vorstoß scharf. "Dem Wirtschaftsminister sollte bekannt sein, dass Steuern nicht zweckgebunden eingenommen werden dürfen", sagte Unions-Parlamentsgeschäftsführer Thorsten Frei (CDU) der "Welt". Habecks Vorschlag zeige eine "grundsätzlich falsche Herangehensweise: Anstatt nur einzelne Gruppen oder Branchen zu be- oder entlasten, müssen die Standortbedingungen in Deutschland insgesamt verbessert werden."

FDP-Fraktionsvize Christoph Meyer sagte der "Welt", der Staat habe mit "ineffizientem Sozialstaat und ideologisch getriebenen Subventionen" ein Ausgabenproblem. "Dieses neidgetriebene Denken der Grünen ist Teil des Standortproblems." AfD-Chefin Alice Weidel sprach gegenüber der Zeitung von "purem Populismus" und einem "Ablenkungsmanöver Habecks von seinem Totalversagen als Wirtschaftsminister".

Die Umweltorganisation Greenpeace hingegen lobte Habecks Vorstoß - und schlug weitere Verwendungen für die zusätzlichen Einnahmen vor. "Die kommende Bundesregierung sollte die Chance nutzen, mit einer Milliardärsteuer mehr Steuergerechtigkeit und finanziellen Spielraum zu schaffen, um die ökologische Modernisierung des Landes zu ermöglichen", erklärte Greenpeace-Finanzexperte Mauricio Vargas.

Habeck schlug in der "Bild am Sonntag" außerdem einen Staatszuschuss für Auszubildende vor, die sich keinen Führerschein leisten können. Der staatliche Zuschuss könnte 1000 Euro betragen, "wenn das ausbildende Unternehmen noch mal 500 Euro drauflegt", sagte Habeck. Zudem sollten die Werbekostenpauschale angehoben und die Strompreise staatlich gesenkt werden.

Einen weiteren Wahlkampf-Schwerpunkt wollen die Grünen auf den Kampf gegen die Organisierte Kriminalität setzen: Dieser solle massiv verstärkt werden, heißt es im Entwurf des Wahlprogramms der Partei, der den Funke-Zeitungen (Montagsausgaben) in Auszügen vorlag.

"Kriminelle Gruppen bedrohen Menschen mit Gewalt und verursachen wirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe", heißt es darin. Zu den Grünen-Plänen gehört, die Organisierte Kriminalität härter zu bestrafen, indem der Straftatbestand der kriminellen Vereinigung zu einem "scharfen und zielgenauen Instrument" weiterentwickelt werde.

Habeck meldete ungeachtet der derzeitigen Umfragewerte einen klaren Anspruch auf das Kanzleramt an. "Das Kanzleramt muss man wirklich wollen, und zwar mit Haut und Haaren", sagte er der "Bild am Sonntag". "Man muss sich vorher sehr gut geprüft haben." Er habe das getan und sei zu dem Schluss gekommen: "Das will ich, und damit will ich auch Kanzler werden."

(M.Dylatov--DTZ)

Empfohlen

Zahl der Hochschulabschlüsse in Deutschland erneut gestiegen

Die Zahl der Hochschulabschlüsse ist im vergangenen Jahr erneut gestiegen. 2025 erwarben 527.600 Studierende und Promovierende einen Abschluss an einer deutschen Hochschule, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Freitag mitteilte. Das waren 3,0 Prozent mehr als im Prüfungsjahr 2024. Der Frauenanteil lag unverändert bei 53 Prozent.

US-Gericht befasst sich mit Visabeschränkung für Journalisten und Studierende

Ein US-Gericht befasst sich am Freitag mit den geplanten Visabeschränkungen für ausländische Journalisten und Studierende. Letztere sollen nur noch vier Jahre in den USA bleiben dürfen, ausländische Journalisten sogar vorerst nur acht Monate. Bundesrichter Dennis Saylor vom Bezirksgericht in Boston im Bundesstaat Massachusetts hatte das Inkrafttreten der Regeln bis zu der Anhörung vorläufig ausgesetzt.

Umfrage: Smartphones im Schulalltag stellen Lehrkräfte vor Herausforderungen

Im Umgang mit Smartphones sehen viele Lehrerinnen und Lehrer an deutschen Schulen eine Herausforderung. Nur jede dritte Lehrkraft erhält nach eigenen Angaben ausreichend Unterstützung von der Schule beim Regulieren der Handynutzung, wie aus einer am Mittwoch veröffentlichen Umfrage des Digitalverbands Bitkom hervorgeht. 74 Prozent der befragten Lehrkräfte sehen demnach Smartphones als Ablenkung im Unterricht.

Italien beschließt Burka-Verbot und Sprachquote an Schulen

Italiens Regierung hat ein Verbot von Burkas und Nikabs an Schulen sowie neue Obergrenzen für ausländische Schüler mit unzureichenden Italienischkenntnissen beschlossen. Ausländer mit mangelnden Sprachkenntnissen sollen künftig höchstens 30 Prozent einer Klasse ausmachen, wie die rechtsgerichtete Regierungschefin Giorgia Meloni am Donnerstag mitteilte. Meloni hatte die Neuregelung Ende vergangener Woche angekündigt.

Textgröße ändern: