Deutsche Tageszeitung - Bildungsbericht zeigt erneut Defizite bei Chancengerechtigkeit und Kompetenzen

Bildungsbericht zeigt erneut Defizite bei Chancengerechtigkeit und Kompetenzen


Bildungsbericht zeigt erneut Defizite bei Chancengerechtigkeit und Kompetenzen
Bildungsbericht zeigt erneut Defizite bei Chancengerechtigkeit und Kompetenzen / Foto: © AFP/Archiv

Der Nationale Bildungsbericht zeigt erneut deutliche Defizite bei Chancengerechtigkeit und grundlegenden Standards auf. "Die Bildungsschere tut sich ab der Geburt auf", sagte Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) am Montag bei der Vorstellung des Berichts. Sie betonte die Bedeutung der frühkindlichen Bildung und will dazu neben der Kita verstärkt die Familien in die Pflicht nehmen.

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Der Bericht "Bildung in Deutschland 2026" verweist darauf, dass "Bildungsungleichheiten häufig bereits vor dem Schuleintritt entstehen und sich über den gesamten Bildungsverlauf hinweg fortsetzen können". Ein Schwerpunktkapitel befasst sich mit "Bildungsungleichheiten nach sozialer Herkunft". Als bedeutsame Merkmale werden dabei auch eine Einwanderungsgeschichte, das Geschlecht, gesundheitliche Beeinträchtigungen und die familiäre Lebensform genannt. Zentral bleibe aber der sozioökonomische Status der Eltern, etwa Bildungsniveau, berufliche Stellung und Einkommen.

Der Bildungsbericht dokumentierte zudem rückläufige Kompetenzen im Fach Mathematik: Im Jahr 2024 verfehlte knapp ein Viertel der Schülerinnen und Schüler, die mindestens den Mittleren Schulabschluss anstrebten, den Mindeststandard für diesen Abschluss, neun Punkte mehr als 2018. Die Zahl derer, die ohne einen Abschluss die Schule verließen, stieg auf acht Prozent. Bildungsungleichheit sei dabei nicht nur eine Frage einzelner Schulen oder Bildungsphasen, sondern eine "durchgehende Strukturfrage des Systems".

Die Gewerkschaft VBE sprach mit Blick auf schlechte Bildungchancen für Kinder aus sozial benachteiligten Familien von einem "Armutszeugnis für eine der größten Volkswirtschaften weltweit". Besonders die Schulen seien mit einem "Spagat" konfrontiert: Sie litten häufig unter "massivem Personalmangel, sanierungsbedürftigen Gebäuden und einer mangelhaften Digitalisierung" und trotzdem sollen sie neben ihrem Bildungsauftrag "immer neue gesellschaftliche Herausforderungen lösen", erklärte der Verband.

Wer arm geboren werde, bekomme kaum eine Chance auf gute Bildung, wer wohlhabende Eltern habe, habe auch "beste Aussichten auf Bildungserfolg", kritisierte die Linken-Bildungspolitikerin Nicole Gohlke. Parteichef Jan van Aken verwies darauf, dass in Deutschland nicht einmal 17 Prozent der Kinder aus Familien mit einem niedrigen sozioökonomischen Status eine Gymnasialempfehlung erhalten, aber 80 Prozent aus wohlhabenden Akademikerfamilien. Statt gegenzusteuern verweigere aber die Bundesregierung beispielsweise eine Bafög-Erhöhung für Studierende aus einkommensschwächeren Haushalten.

Ein "Schließen von Gerechtigkeitslücken" bei der Bildung mahnte auch Grünen-Parteichefin Franziska Brantner an. "Der Bericht zeigt, dass wir mehr und bessere Bildung in diesem Land brauchen", sagte sie in Berlin.

"Wir reden hier über eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe", sagte Prien. Zwar gebe es mit dem im Sommer startenden Rechtsanspruch auf eine Ganztagsbetreuung in Grundschulen und dem Startchancen-Programm zur Förderung sogenannter Brennpunktschulen mittlerweile gute Förderinstrumente. Jedoch kämen nach wie vor Kinder mit "dramatisch unterschiedlichen Lernausgangslagen" in den Schulen an, sei es mit Blick auf den Wortschatz und die sprachliche Entwicklung oder die sozial-emotionale und die motorische Entwicklung.

Prien hob hervor, es müsse mehr denn je darum gehen, Kinder im Vorschulalter zu erreichen. Die Ministerin kündigte an, sie wolle noch vor der Sommerpause das im Koalitionsvertrag angekündigte Kita-Qualitätsentwicklungsgesetz ins Kabinett bringen. Ein besonderer Schwerpunkt müsse dabei auf dem letzten Kita-Jahr liegen. "Wir brauchen verpflichtende Sprachstandsebenen und verpflichtende Sprachförderung für die Kinder, die Sprachförderbedarf haben", forderte die CDU-Politikerin.

Prien drang auch auf einen "sehr engen Schulterschluss zwischen Bund, Ländern und Kommunen" sowie mehr Zusammenarbeit von Familien, der Kinder- und Jugendhilfe und Institutionen, die sich mit Integration vor Ort beschäftigen. An den Schulen seien Erzieher, Sozialpädagogen und Schulpsychologen kein "nice to have", sondern müssten aktiv in die Bildung und Erziehung der Kinder eingebunden werden. Zuhause liege es an den Familien, etwa wieder mehr vorzulesen und die Bildschirmzeit zu reduzieren, mahnte sie weiter an.

(S.A.Dudajev--DTZ)

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