Deutsche Tageszeitung - EU hofft nach Zulassungsantrag von Astrazeneca auf mehr Corona-Impfstoff

EU hofft nach Zulassungsantrag von Astrazeneca auf mehr Corona-Impfstoff


EU hofft nach Zulassungsantrag von Astrazeneca auf mehr Corona-Impfstoff
EU hofft nach Zulassungsantrag von Astrazeneca auf mehr Corona-Impfstoff / Foto: ©

Die EU darf auf deutlich mehr verfügbaren Corona-Impfstoff hoffen: Der britisch-schwedische Pharmakonzern Astrazeneca beantragte am Dienstag als dritter Hersteller eine EU-Zulassung seines Vakzins. Über den Antrag auf bedingte Marktzulassung könnte nach Angaben der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) voraussichtlich bereits Ende Januar entschieden werden. Die EU-Kommission schloss zudem Vorgespräche über einen Liefervertrag mit einem weiteren Hersteller ab, dem französisch-österreichischen Anbieter Valneva.

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In der EU zugelassen sind bislang die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und dem US-Unternehmen Moderna. Dem Mittel von Astrazeneca hatte Großbritannien Ende 2020 als erstes Land der Welt eine Genehmigung erteilt. Mittlerweile wird es auch in Indien, Mexiko und Argentinien verabreicht.

Die EU-Zulassung könnte bis zum 29. Januar erfolgen, "vorausgesetzt, die vorgelegten Daten zur Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit des Impfstoffs sind ausreichend belastbar und vollständig", erklärte die in Amsterdam ansässige EMA. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen begrüßte den Antrag von Astranzeneca als "gute Nachricht". Ihre Behörde werde nach grünem Licht aus Amsterdam rasch die Zulassung erteilen.

Der Impfstoff basiert auf einer abgeschwächten Variante eines Erkältungsvirus, das normalerweise Schimpansen befällt. Dieses sogenannte Vektorvirus wurde genetisch so verändert, dass es beim Menschen eine Immunabwehr gegen das neuartige Coronavirus erzeugt. Nach vorläufigen Daten ist das Mittel etwas weniger wirksam als die neuartigen mRNA-Wirkstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna. Dafür ist es einfacher zu nutzen, da es sich bei normalen Kühlschranktemperaturen lagern lässt.

Das Vakzin ist mit unter zwei Euro pro Dosis zudem deutlich billiger als die anderen bisher in der EU zugelassenen Präparate. Nach versehentlich von einer belgischen Regierungsvertreterin veröffentlichten Informationen ist das Moderna-Mittel mit 18 Dollar (14,81 Euro) pro Dosis am teuersten. Der Impfstoff von Biontech und Pfizer liegt demnach bei zwölf Euro pro Dosis.

Astrazeneca war das erste Unternehmen, mit dem die EU-Kommission im Namen der 27 Mitgliedstaaten bereits im August eine Vereinbarung über den Kauf von 300 Millionen Impfstoffdosen mit einer Option für 100 Millionen weitere getroffen hatte. Ähnliche Verträge schloss Brüssel außer mit Biontech/Pfizer und Moderna auch mit Curevac, Johnson & Johnson und Sanofi-GSK, deren Impfstoffe noch nicht kurz vor der Zulassung stehen.

Am Dienstag erklärte die Brüsseler Behörde zudem, Sondierungsgespräche mit Valneva abgeschlossen zu haben. Der geplante Vertrag sehe in einem ersten Schritt die Lieferung von 30 Millionen Dosen und eine Option auf weitere 30 Millionen Dosen vor. Mit einer Zulassung wird nicht vor dem zweiten Halbjahr 2021 gerechnet. Auch mit dem US-Unternehmen Novavax ist ein Vertrag noch in der Mache.

Der Leiter des deutschen Paul-Ehrlich-Instituts, Klaus Cichutek, rechnet in diesem Jahr mit "sechs bis sieben" weiteren Anträgen auf die Zulassung von Impstoffen. "Da bestehen gute Aussichten, dass weitere Impfstoffprodukte im Laufe des Jahres auf den Markt kommen", sagte er im Interview mit RTL und ntv. Nach der Zulassung durch die EMA prüft das Paul-Ehrlich-Institut die Impfstoff-Chargen für Deutschland.

Derweil sorgte die Mitteilung der Bundesregierung, mit dem Mainzer Unternehmen Biontech einen eigenen Vertrag für 30 Millionen weitere Dosen seines Vakzins geschlossen zu haben, in Brüssel weiter für Aufsehen. Die Generaldirektorin der Kommissionsabteilung für Gesundheit, Sandra Gallina, unterstrich, dass derartige "parallel Vereinbarungen" nicht zulässig seien.

Sie wisse aber auch gar nichts von nationalen Absprachen mit Impfstoffherstellern, sagte sie bei einer Anhörung im EU-Parlament. Deutschland habe die Kommission nicht darüber informiert. "Und in jedem Fall ist klar, dass die Lieferungen an Europa Vorrang haben."

(Y.Leyard--DTZ)

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