Deutsche Tageszeitung - Experten: Corona-Pandemie zeigt Machtlosigkeit und Unterfinanzierung der WHO

Experten: Corona-Pandemie zeigt Machtlosigkeit und Unterfinanzierung der WHO


Experten: Corona-Pandemie zeigt Machtlosigkeit und Unterfinanzierung der WHO
Experten: Corona-Pandemie zeigt Machtlosigkeit und Unterfinanzierung der WHO / Foto: ©

Die Corona-Pandemie hat laut einer unabhängigen Expertenkommission offengelegt, wie machtlos und unterfinanziert die Weltgesundheitsorganisation WHO ist. Sie hätte während der Pandemie häufig schneller und entschiedener handeln müssen, sagten die Leiterinnen des von der WHO selbst eingesetzten Prüfausschusses bei der Vorstellung ihrer Ergebnisse am Dienstag. Verzögerungen und Versagen seien jedoch in vielen Fällen durch die schwache Stellung der UN-Organisation zu erklären.

Textgröße ändern:

"Die Welt braucht eine funktionierende WHO mehr als je zuvor", sagte die ehemalige liberianische Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf, die gemeinsam mit der früheren neuseeländischen Premierministerin Helen Clark den Prüfausschuss leitet. Allerdings hätten dieselben Länder, die während der Pandemie von der WHO Führungsstärke verlangten, sie mit zu wenig Ressourcen und Kompetenzen ausgestattet.

Der WHO war vorgeworfen worden, seit Pandemie-Beginn mehrfach zu langsam gehandelt zu haben, etwa bei der Ausrufung eines internationalen Gesundheitsnotstands, bei der Anerkennung einer Ansteckung über die Luft sowie bei der Empfehlung zum Tragen von Gesichtsmasken. Auch habe die Organisation China, wo das Virus Ende 2019 zuerst nachgewiesen wurde, mehr unter Druck setzen müssen, genaue Informationen zur Verfügung zu stellen und internationale Experten ins Land zu lassen.

Der Prüfausschuss, den die WHO als Reaktion auf die Kritik im Juli eingesetzt hatte, bestätigte, dass die Organisation mitunter schneller hätte handeln müssen. Johnson Sirleaf betonte jedoch: "Unterm Strich hat die WHO keine Möglichkeiten, irgendetwas durchzusetzen oder Untersuchungen in einem Land anzustellen". Alles was die Organisation im Notfall tun könne, sei "zu fragen und auf eine Einladung zu hoffen".

Das Budget der Organisation, das geringer sei als das eines einzigen New Yorker Krankenhauses, sei ein weiteres Problem. "Die Finanzierung der WHO ist erbärmlich", sagte Clark. Die Abhängigkeit von den freiwilligen Beiträgen der Mitgliedsstaaten habe sich besonders stark gezeigt, als die USA als größter Beitragszahler im vergangenen Jahr ihre Zahlungen einstellten.

Auch das internationale Alarmsystem habe zu langsam reagiert und müsse überholt werden. Das Notfallkomitee der WHO habe einen vollen Monat gebraucht, um die höchste Warnstufe auszurufen. "Krankheitserreger verbreiten sich binnen Minuten und Stunden, nicht binnen Tagen und Wochen", sagte Clark. Zudem hätten viele Staaten die Warnungen lange nicht ernst genommen.

(Y.Leyard--DTZ)

Empfohlen

Mutter von Drillingen erstochen - Ehemann in Osnabrück wegen Mordes verurteilt

Weil er seine Frau erstochen haben soll, soll ein Mann aus Niedersachsen lange ins Gefängnis. Das Landgericht Osnabrück verurteilte ihn am Freitag nach Angaben eines Sprechers wegen Mordes und verhängte eine lebenslange Freiheitsstrafe. Der Mann hatte demnach im Prozess gestanden, seine Frau, eine Mutter von Drillingen, getötet zu haben.

Schleuser in Bayern zu drei Jahren Haft verurteilt

Wegen des Einschleusens von Ausländern aus Ungarn nach Deutschland ist ein Ukrainer zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt worden. Das Landgericht im bayerischen Landshut sprach den 38-Jährigen des banden- und gewerbsmäßigen Einschleusens von Ausländern in vier Fällen schuldig, wie ein Gerichtssprecher am Freitag sagte.

Hamburger Volksentscheid über Grundeinkommen wird nicht wiederholt

Der Hamburger Volksentscheid über ein Grundeinkommen wird nicht wiederholt. Das Verfassungsgericht der Hansestadt wies am Freitag die Anträge mehrerer Bürgerinnen und Bürger zurück. Der Volksentscheid sah ein dreijähriges Modellprojekt für ein Grundeinkommen vor, im Oktober 2025 lehnte eine Mehrheit das aber ab.

Tötung von Flugbegleiterin in Bonn vor 34 Jahren: BGH bestätigt Mordurteil

34 Jahre nach der Tötung einer Frau in Bonn ist der Täter rechtskräftig wegen Mordes verurteilt. Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe bestätigte das Urteil des Bonner Landgerichts vom März weitgehend, wie er am Freitag mitteilte. Der Angeklagte hatte in dem Prozess in Nordrhein-Westfalen gestanden, die 29-jährige Frau im Oktober 1992 in ihrer Wohnung vergewaltigt und getötet zu haben. (Az. 2 StR 377/26)

Textgröße ändern: