Deutsche Tageszeitung - Prozess gegen mutmaßlich falsche Ärztin wegen fünffachen Mordes in Kassel begonnen

Prozess gegen mutmaßlich falsche Ärztin wegen fünffachen Mordes in Kassel begonnen


Prozess gegen mutmaßlich falsche Ärztin wegen fünffachen Mordes in Kassel begonnen
Prozess gegen mutmaßlich falsche Ärztin wegen fünffachen Mordes in Kassel begonnen / Foto: ©

Mit der Verlesung der Anklage hat vor dem Landgericht Kassel am Mittwoch der Prozess gegen eine mutmaßlich falsche Ärztin wegen fünffachen Mordes begonnen. Sie soll Patienten "aus eigensüchtigen Motiven" falsch dosierte Medikamente verabreicht haben. Die Anklage wirft der 50-Jährigen darüber hinaus unter anderem versuchten Mord in elf Fällen, gefährliche Körperverletzung und Urkundenfälschung vor.

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Über gefälschte Unterlagen soll sich sie sich in einem Krankenhaus im Schwalm-Eder-Kreis als Anästhesistin ausgegeben haben, obwohl sie keine Ausbildung dafür hatte. In dem Krankenhaus war sie zwischen November 2015 und August 2018 in verschiedenen Abteilungen eingesetzt. Bis Ende Oktober 2017 war sie dort Assistenzärztin in der Anästhesie.

Bei den Narkosen soll es unter anderem durch die fehlerhafte Dosierung der Medikamente in 16 Fällen zu Behandlungsfehlern gekommen sein. In fünf Fällen hätten diese zum Tod der Patienten geführt. Dies habe die 50-Jährige billigend in Kauf genommen.

Angeklagt sind zudem zahlreiche weitere Gesetzesverstöße, darunter unter anderem Betrug sowie Missbrauch von Titeln und Berufsbezeichnungen. Bei der Stadt Kassel und der Landesärztekammer soll die 50-Jährige falsche Approbationsurkunden vorgelegt haben.

Zudem habe sie sich betrügerisch eine Anstellung in einer Klinik in Schleswig-Holstein verschafft. Dort soll sie zwischen September und Dezember 2018 im Rehabereich tätig gewesen sein. Mehrfach sei sie unberechtigt als Ärztin aufgetreten und habe die Grade "Dr. Dr." geführt.

In dem Fall wurde seit Januar 2019 ermittelt. Im Zusammenhang mit den Ermittlungen wurde im November 2019 die Leiche eines 80-jährigen Manns exhumiert. Nach der rechtsmedizinischen Untersuchung wurde der Leichnam noch am selben Tag wieder beigesetzt.

Die 50-Jährige räumte am Mittwoch im Prozess einen Teil der Vorwürfe ein. Die Morde bestritt sie jedoch. Ein erster Zeuge wurde bereits vernommen. Bis Ende März sind 13 Verhandlungstermine angesetzt.

Der Fall erinnert in Teilen an den Krankenpfleger Niels Högel, der wegen der Tötung von insgesamt 91 Intensivpatienten in zwei Krankenhäusern in Niedersachsen eine lebenslange Haftstrafe wegen Mordes verbüßt. Er verabreichte zwischen 2000 und 2005 massenhaft Patienten eigenmächtig Medikamente, um lebensbedrohliche Zustände auszulösen und sie anschließend wiederzubeleben. Viele Opfer starben dabei.

Auch im Saarland steht ein Krankenpfleger unter Verdacht, der Patienten aus Geltungssucht nicht verordnete Medikamente verabreicht haben soll. Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken erhob vor rund zwei Wochen Anklage wegen versuchten Mordes in fünf Fällen sowie zweifacher gefährlicher Körperverletzung. Der 29-Jährige habe die erhebliche Verschlechterung des Gesundheitszustands und den Tod der Menschen billigend in Kauf genommen.

(N.Loginovsky--DTZ)

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