Deutsche Tageszeitung - WHO-Experten inspizieren verdächtigen Markt im chinesischen Wuhan

WHO-Experten inspizieren verdächtigen Markt im chinesischen Wuhan


WHO-Experten inspizieren verdächtigen Markt im chinesischen Wuhan
WHO-Experten inspizieren verdächtigen Markt im chinesischen Wuhan / Foto: ©

Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben den Huanan-Markt in der chinesischen Millionenmetropole Wuhan inspiziert, der als Ursprungsort der Corona-Pandemie gilt. Mitglieder des internationalen Expertenteams, das die Ursprünge Pandemie erforschen soll, trafen am Sonntag an dem seit Januar vergangenen Jahres geschlossenen Markt ein. Am Freitag hatten sie bereits das Krankenhaus besucht, in dem die ersten Corona-Patienten behandelt wurden. Medien waren nicht zugelassen.

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In Wuhan war Ende 2019 der weltweit erste Infektionsherd des damals neuartigen Erregers festgestellt worden, an dem inzwischen mehr als 2,2 Millionen weltweit starben. Die meisten Wissenschaftler gehen davon aus, dass Fledermäuse die ursprünglichen Wirte des Coronavirus waren und dieses auf dem Huanan-Markt auf den Menschen übertragen wurde. Ungeklärt ist aber, welches Tier bei der Übertragung auf den Menschen als sogenannter Zwischenwirt diente.

Die chinesischen Behörden hatten in der Anfangsphase der Pandemie ebenfalls Wildtiere, die auf dem eigentlich auf Meeresfrüchte spezialisierten Markt verkauft wurden, als wahrscheinliche Quelle für den Ausbruch identifiziert und daraufhin den Handel mit exotischen Tieren stark eingeschränkt. Später schwenkte Peking jedoch um und verbreitete Thesen, dass das Virus seinen Ursprung in anderen Ländern habe.

Wachmänner öffneten am Sonntag die Absperrungen vor dem Marktgelände für die Autos der WHO-Experten und schlossen sie danach sofort wieder. Auf zugerufene Fragen von Journalisten gingen die Experten nicht ein. Einer von ihnen hob nach dem Besuch auf die Frage, ob sie zufrieden seien, lediglich den Daumen.

Am Morgen hatte das WHO-Team bereits einen anderen Großmarkt in Wuhan besichtigt. Beim Betreten des Kühlhausbereichs wurden sie von einer Lautsprecherdurchsage empfangen, wonach in der Auslage keine importierten Kühlprodukte erlaubt seien. Die staatliche Zeitung "Global Times" schrieb, es könne nicht ausgeschlossen werden, dass das Coronavirus durch "Kühlprodukte nach Wuhan" gelangt sei.

Die WHO-Experten waren bereits vor gut zwei Wochen in Wuhan gelandet, mussten aber bis Donnerstag in Quarantäne. Der genaue Ablauf der Forschungsarbeit in Wuhan wird von den chinesischen Behörden nicht kommuniziert. Einblicke bieten in erster Linie Twitter-Nachrichten von Mitgliedern des WHO-Expertenteams - und diese sind eher allgemein gehalten. So twitterte Teammitglied Peter Daszak nach den Marktbesuchen: "Sehr informativ und wichtig für unsere gemeinsamen Teams, um die Ausbreitung von Covid zu verstehen".

Die erste WHO-Mission in Wuhan ist hochbrisant, weil dabei mögliche Versäumnisse der chinesischen Behörden in den Anfängen der Pandemie in den Fokus rücken könnten. Wohl auch deshalb stehen bei der Forschungsreise zu den Ursprüngen der Corona-Pandemie nicht nur Krankenhäuser und Forschungseinrichtungen auf dem Programm: Am Samstag besuchten die Forscher eine Propaganda-Ausstellung in Wuhan, die Chinas Überwindung der Gesundheitskrise feiert.

Sie würdigt neben den Notfallmaßnahmen der Gesundheitsbehörden von Wuhan in der chaotischen Frühphase des Ausbruchs vor allem die schnelle Reaktion der kommunistischen Führung in Peking.

Der WHO-Direktor für medizinische Notfälle, Michael Ryan, hatte bereits am Freitag die Erwartungen an die Reise gedämpft. Der Erfolg "wird nicht unbedingt daran gemessen, dass wir bei der ersten Mission unbedingt eine Quelle finden", sagte er in Genf. Aufgabe sei es, mehr über die Ursprünge zu erfahren und einzuschätzen, welche weiteren Studien notwendig sein könnten.

(A.Stefanowych--DTZ)

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