Deutsche Tageszeitung - WHO-Expertenteam inspiziert Institut für Virologie in Wuhan

WHO-Expertenteam inspiziert Institut für Virologie in Wuhan


WHO-Expertenteam inspiziert Institut für Virologie in Wuhan
WHO-Expertenteam inspiziert Institut für Virologie in Wuhan / Foto: ©

Die Mission der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Untersuchung der Herkunft des Coronavirus in China hat ein Labor inspiziert, aus dem nach unbewiesenen Angaben von Ex-US-Präsident Donald Trump das Virus stammen soll. Die Wissenschaftler hielten sich am Mittwoch fast vier Stunden im Institut für Virologie in Wuhan auf. Dieses hat mehrfach Spekulationen zurückgewiesen, es könnte für den Corona-Ausbruch verantwortlich sein.

Textgröße ändern:

Das Wuhan-Institut beherbergt die größte Virusbank in Asien; in ihr werden mehr als 1500 Virenstämme aufbewahrt. Das zugehörige Hochsicherheitslabor ist das erste des Kontinents, das für den Umgang mit Krankheitserregern der Klasse 4 wie etwa Ebola ausgerüstet ist. Nach Angaben der staatlichen Zeitung "Global Times" besichtigte das WHO-Team auch das Labor.

Medien waren während der gesamten Zeit nicht zugelassen, und jeder Kontakt des Teams mit Reportern wurde von Polizisten unterbunden. Team-Mitglied Peter Daszak berichtete im Anschluss auf Twitter lediglich von einem "ausgesprochen wichtigen Treffen" mit den Mitarbeitern des Instituts. Die Gespräche seien "offen und ehrlich" gewesen.

Nach Daszaks Angaben sprachen er und seine Kollegen auch mit der stellvertretenden Leiterin und renommierten Expertin für Coronaviren bei Fledermäusen, Shi Zhengli. Sie hatte schon im Juni 2020 in der Zeitschrift "Scientific American" mitgeteilt, dass das Genom von Sars-CoV-2 zu keinem der Fledermaus-Coronaviren passe, die ihr Labor zuvor gesammelt und untersucht habe.

In der Anfangsphase der Pandemie gab es Spekulationen, das Virus könnte versehentlich aus dem Labor entwichen sein, doch finden sich dafür bis heute keine Belege. Dennoch hatte Trump, der China für den Corona-Ausbruch und die hohen Opferzahlen verantwortlich machte, mehrfach behauptet, das Virus stamme aus einem Labor in Wuhan.

Die meisten Wissenschaftler weltweit gehen davon aus, dass Fledermäuse die ursprünglichen Wirte des Coronavirus waren und dieses auf einem Markt in Wuhan auf den Menschen übertragen wurde. Ungeklärt ist aber, welches Tier bei der Übertragung auf den Menschen als sogenannter Zwischenwirt diente.

Die Forschungsreise der WHO-Experten gilt als brisant, weil mögliche Versäumnisse der chinesischen Behörden am Anfang der Pandemie aufgedeckt werden könnten. In Wuhan war Ende 2019 der weltweit erste Infektionsherd des Coronavirus festgestellt worden, an dem inzwischen mehr als 2,2 Millionen weltweit starben.

Zunächst hatte Peking eine unabhängige internationale Untersuchung der Ursprünge des Virus verweigert. Später schwenkte die chinesische Regierung um und verbreitete Thesen, dass das Virus seinen Ursprung in anderen Ländern habe. Erst mit über einem Jahr Verspätung ließ sie nun die erste WHO-Mission nach Wuhan, seit Freitag sind die internationalen Experten nun unterwegs.

In einem digitalen Interview mit der Nachrichtenagentur AFP bat Team-Mitglied Hung Ngyuen-Viet um Geduld. Es sei wenig wahrscheinlich, dass die Experten bei "einer so kurzen Mission" die Frage nach dem Ursprung des Virus abschließend beantworten können, sagte er. Er räumte ein, dass es besser gewesen wäre, hätte das Team schon früher nach Wuhan reisen können. Doch habe der jetzige Besuch bereits geholfen, einige Hintergründe besser zu verstehen.

Nguyen-Viet zufolge spüren er und seine Kollegen den globalen politischen Druck. Doch handle es sich bei den Untersuchungen um einen "laufenden Prozess": "Wir konzentrieren uns auf unsere Arbeit und werden sehen, was bei dieser Mission herauskommt."

(Y.Leyard--DTZ)

Empfohlen

Waldbrandsituation in französischer Gironde in der Nacht "insgesamt stabil"

Der heftige Waldbrand, der in der Gironde im Südwesten Frankreichs 42.000 Hektar Land verwüstet und zur Evakuierung von 220.000 Menschen geführt hat, ist in der Nacht zum Montag nach Angaben der Präfektur "insgesamt stabil" geblieben. Es habe im Laufe der Nacht "keine nennenswerten Entwicklungen gegeben", hieß es am Montagmorgen in einer Pressemitteilung. Die Einsatz- und Rettungskräfte seien "weiterhin in vollem Umfang im Einsatz und setzen ihre Aufgaben vor Ort fort".

Mutmaßlicher CSD-Angreifer in Berlin von Polizei erschossen - Bundesanwaltschaft ermittelt weiter

Nach dem mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlag beim Berliner Christopher Street Days (CSD) ist der Tatverdächtige bei einem Polizeieinsatz erschossen worden. Der Gesuchte sei am Sonntag gegen 18.00 Uhr in einer Gartenkolonie im West-Berliner Bezirk Spandau lokalisiert worden, teilte die Polizei der Bundeshauptstadt mit. "Nach derzeitigem Kenntnisstand soll der 21-Jährige die eingesetzten Spezialeinsatzkräfte mit einer Stichwaffe angegriffen haben, woraufhin diese von der Schusswaffe Gebrauch machten."

Mutmaßlicher CSD-Angreifer in Berlin von Polizei erschossen - Bundesanwaltschaft übernimmt

Nach dem Anschlag am Rande des Berliner Christopher Street Days (CSD) ist der mutmaßliche Angreifer bei einem Polizeieinsatz erschossen worden. Der Tatverdächtige sei am Sonntag gegen 18.00 Uhr in einer Kleingartenanlage im Bezirk Spandau gestorben, teilte die Polizei in der Bundeshauptstadt mit. Eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft bestätigte den tödlichen Einsatz und teilte mit, dass die Behörde die Ermittlungen übernommen habe.

Waldbrand an italienischer Adriaküste: Hunderte Menschen mit Schiffen evakuiert

Nach der Ausbreitung eines Waldbrands an der südlichen Adriaküste sind in Italien hunderte Menschen mit Schiffen in Sicherheit gebracht worden. Insgesamt seien am Sonntag mehr als 400 Touristen und Strandbesucher "über den Seeweg" evakuiert worden, erklärte die Küstenwache in Onlinediensten. Dies sei die "einzig machbare Evakuierungsroute" gewesen.

Textgröße ändern: