Deutsche Tageszeitung - Bewährungsstrafen in Prozess um Versicherungsbetrug mit inszeniertem Bootsunfall

Bewährungsstrafen in Prozess um Versicherungsbetrug mit inszeniertem Bootsunfall


Bewährungsstrafen in Prozess um Versicherungsbetrug mit inszeniertem Bootsunfall
Bewährungsstrafen in Prozess um Versicherungsbetrug mit inszeniertem Bootsunfall / Foto: ©

Im Prozess um einen versuchten Versicherungsbetrug in Millionenhöhe durch einen inszenierten Bootsunfall auf der Ostsee hat das Landgericht in Kiel ein Ehepaar zu Bewährungsstrafen verurteilt. Wie ein Gerichtssprecher am Mittwoch mitteilte, sahen die Richter lediglich in einem Fall eine versuchte Betrugshandlung tatsächlich als gegeben an. Angeklagt waren insgesamt 14 Fälle.

Textgröße ändern:

Den 53-jährigen Angeklagten verurteilte das Gericht demnach zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten, seine gleichaltrige Ehefrau zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr. Sie hatten den Tod des Manns bei einem inszenierten Unfall mit einem Segelboot vorgetäuscht, um die Auszahlung von Lebens- und Unfallversicherungen über rund vier Millionen Euro zu erreichen.

Während des Prozesses gelangten die Richter zu der Einschätzung, dass aufgrund der genauen rechtlichen Ausgestaltung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Versicherungen aber lediglich in einem Fall von einem versuchten Betrug auszugehen war. Dieser betraf laut Gericht eine Unfallversicherung, für deren Abwicklung die Ehefrau bereits Nachfragen beantwortete.

In den anderen Fällen handelte es sich aus juristischer Sicht dagegen erst um Vorbereitungshandlungen zu einem Versuch. In diesen Fällen erfolgte deshalb ein Freispruch. Grund war unter anderem, dass vor der Auszahlung der Lebensversicherungen die Vorlage einer Sterbeurkunde vorgesehen war, was noch nicht der Fall war. Aus Sicht der Angeklagten hatten die Betrugsversuche somit noch nicht begonnen, worauf es rechtlich jedoch ankommt.

Laut Anklage hatte der Mann 14 Lebens- und Unfallversicherungen auf seine Ehefrau und seine Mutter abgeschlossen, bevor er im vergangenen Jahr mit Hilfe seiner Frau den angeblich tödlichen Bootsunfall auf der Ostsee inszenierte. Auch seine Mutter war eingeweiht. Für die Behörden sollte es so aussehen, als sei das Boot gekentert und der Mann dann spurlos im Meer verschwunden.

Als seine Frau ihn nach dem angeblichen Ausflug absprachegemäß als vermisst meldete, fanden Einsatzkräfte das Boot. Aufgrund der Spurenlage an Bord gingen Ermittler aber schnell von einem Täuschungsmanöver aus. Als die Frau ihren Mann im April 2020 für tot erklären lassen wollte, starteten sie zusätzliche Ermittlungen. Im Mai 2020 fassten sie den angeblich Vermissten in einem Versteck auf dem Dachboden des Hauses seiner Mutter.

Auch die 87-Jährige wurde wegen ihrer mutmaßlichen Beteiligung an dem Betrugsversuch angeklagt. Das Landgericht trennte das Verfahren gegen sie allerdings aus gesundheitlichen Gründen ab. Verhandelt wurde daher nur gegen ihren Sohn und dessen Ehefrau.

(A.Stefanowych--DTZ)

Empfohlen

Schülerproteste in Frankreich: Mehr als 5000 Festnahmen seit Montag

Bei den landesweiten Schülerprotesten in Frankreich sind nach Angaben der Regierung seit Montag mehr als 5000 Menschen festgenommen worden. Innenminister Laurent Nuñez sagte am Freitagabend im Sender TF1, allein am Freitag habe es 1747 Festnahmen gegeben. "Es gab Ausschreitungen in der Nähe von 158 Einrichtungen: Wurfgeschosse, Angriffe auf Ordnungskräfte, Lehrkräfte, Journalisten, Passanten."

Nach Angriff auf SPD-Politiker Ecke in Dresden: Drei Angeklagte kommen vor Gericht

Knapp drei Jahre nach dem Angriff auf den SPD-Europaabgeordneten Matthias Ecke in Dresden kommen drei Tatverdächtige vor Gericht. Das Amtsgericht der sächsischen Landeshauptstadt ließ die Anklage der Staatsanwaltschaft zu, wie es am Freitag mitteilte. Ecke war im Mai 2024 beim Aufhängen von Wahlplakaten angegriffen und dabei so schwer verletzt worden, dass er operiert werden musste.

Sonderermittlerin soll mutmaßliche Gruppenvergewaltigung an US-Eliteuni untersuchen

Rund zwei Jahre nach einer mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung an der US-Eliteuniversität Cornell hat der Bundesstaat New York eine Sonderermittlerin berufen. Gouverneurin Kathy Hochul betraute die New Yorker Generalstaatsanwältin Letitia James mit dem Fall. Beide wollten am Freitag vor die Presse treten.

Bayern: Mehr als sechs Jahre Haft für Syrer wegen Einschleusens von Ausländern

Wegen der mehrfachen Schleusung von illegalen Einwanderern ist ein 32-jähriger Syrer in Bayern zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und zwei Monaten verurteilt worden. Das Landgericht Traunstein sprach ihn unter anderem des banden- und gewerbsmäßigen Einschleusens von Ausländern schuldig, wie ein Gerichtssprecher am Freitag mitteilte. In das Strafmaß wurde auch ein Urteil vom April mit einbezogen.

Textgröße ändern: