Deutsche Tageszeitung - Russland und Frankreich bestatten 200 Jahre nach Napoleons Russlandfeldzug Tote

Russland und Frankreich bestatten 200 Jahre nach Napoleons Russlandfeldzug Tote


Russland und Frankreich bestatten 200 Jahre nach Napoleons Russlandfeldzug Tote
Russland und Frankreich bestatten 200 Jahre nach Napoleons Russlandfeldzug Tote / Foto: ©

Seltener Moment der Eintracht zwischen Frankreich und Russland: Mehr als 200 Jahre nach Napoleons Russlandfeldzug haben Vertreter beider Staaten in der westrussischen Stadt Wjasma die sterblichen Überreste von 126 gefallenen Soldaten beigesetzt. Eine Militärkapelle begleitete die Trauerzeremonie, die bei hochwinterlichen Temperaturen von minus 15 Grad stattfand und an der auch Nachfahren der damaligen Armeekommandeure teilnahmen.

Textgröße ändern:

Im Beisein von rund hundert Statisten in historischer Kleidung trugen die Leichenträger acht in die Flaggen Russlands und Frankreichs gehüllte Särge in die frisch ausgehobenen Gräber auf dem Friedhof von Wjasma. Die Särge enthielten Skelettteile von 120 Soldaten sowie drei Frauen und drei Jugendlichen, die in einer der blutigsten Schlachten nach dem Rückzug Napoleons aus Moskau ums Leben gekommen waren.

"Über die Generationen hinweg sorgen Tod und die Zeit für die Versöhnung aller", sagte Julia Chitrowo, Ururenkelin des russischen Feldmarschalls und Nationalhelden Michail Kutusow, bei der Trauerzeremonie. Der Tod habe die Soldaten "gleichgemacht". "Sie sind jetzt alle in einem Grab." Prinz Joachim Murat, Nachfahre des berühmten gleichnamigen napoleonischen Offiziers, gab seiner "großen Ergriffenheit" Ausdruck, an der Veranstaltung "zu Ehren der Soldaten Napoleons" teilzunehmen.

Die Überreste der mutmaßlich bei der verheerenden Schlacht von Wjasma am 3. November 1812 getöteten Armeeangehörigen waren im Jahr 2019 von russischen und französischen Archäologen in einem Massengrab gefunden worden. Die Forscher hatten zunächst angenommen, auf ein Massengrab aus dem Zweiten Weltkrieg gestoßen zu sein. Experten der russischen Akademie der Wissenschaften fanden jedoch heraus, dass es sich bei den meisten Opfern um Soldaten handelte, die nach Napoleons Niederlage im Russlandfeldzug gefallen waren.

Bei den drei Frauen handelte es sich mutmaßlich um sogenannte Vivandières, die den Soldaten der französischen Armee erste Hilfe leisteten sowie Militärkantinen betrieben. Die drei Jugendlichen waren vermutlich Trommler.

"Direkte Nachfahren der Hauptakteure des Konflikts treffen sich heute als Zeichen der Versöhnung, um an die russischen und französischen Soldaten zu erinnern, die ihre Vorfahren vor mehr als 200 Jahren kommandiert haben", sagte der Chef der Stiftung für die Entwicklung russisch-französischer Geschichtsbeziehungen, Pierre Malinowski, der Nachrichtenagentur AFP.

Die Beziehungen zwischen Frankreich und Russland sind wegen des Umgangs der Führung in Moskau mit der Opposition und insbesondere mit dem Kreml-Kritiker Alexej Nawalny derzeit stark belastet.

(A.Stefanowych--DTZ)

Empfohlen

Waldbrände in Südwesteuropa: Sorge vor neuer Hitzewelle - Erste Evakuierte kehren zurück

Im Kampf gegen die verheerenden Waldbrände blicken die Einsatzkräfte mit Sorge auf eine neue Hitzewelle: Für Frankreich erwarteten die Meteorologen bereits ab Dienstag, für Spanien ab Mittwoch sengende Temperaturen, teils von mehr als 40 Grad. Die Feuerwehr im Südwesten Frankreichs sah sich im Vorfeld der neuen Hitze in der "Offensive" gegen die Flammen, in Spanien hob die Regierung Evakuierungsanordnungen für 13 Gemeinden auf.

Behörden: Großbrand im französischen Département Gironde "weiterhin stabilisiert"

Der Großbrand im südwestfranzösischen Département Gironde ist trotz eines stellenweisen Wiederaufflammens nach Behördenangaben "weiterhin stabilisiert". Das Feuer breite sich vorerst nicht weiter aus, teilte die zuständige Präfektin Sophie Brocas am Dienstagabend mit. An 14 Stellen seien die Flammen im Tagesverlauf erneut ausgebrochen. Dort habe es bereits zuvor gebrannt.

Mindestens ein Toter bei Erdbeben in Japan - Angst um Verschüttete in Einkaufszentrum

Bei einem schweren Erdbeben im Südwesten Japans ist mindestens ein Mensch ums Leben gekommen. Dutzende weitere Menschen wurden am Dienstag nach dem Einsturz einer Etage eines Einkaufszentrums der Stadt Kashima vermisst, wie japanische Medien berichteten. Der Sender TBS berichtete, es könnte dort eine "beträchtliche Zahl" von Toten geben. Bei dem Beben wurden außerdem mehr als hundert Menschen verletzt. Häuser, Straßen und Brücken stürzten ein, das komplette Ausmaß der Schäden war noch nicht ersichtlich.

Nach Besitz von Kinderpornos: Mann darf erkennungsdienstlich behandelt werden

Zur Vorbeugung weiterer Straftaten darf ein wegen Besitzes von Kinderpornos verurteilter Mann laut einem Gerichtsurteil erkennungsdienstlich behandelt werden. Die polizeiliche Anordnung unter anderem zur Abnahme von Fingerabdrücken und Anfertigung von Lichtbildern war rechtmäßig, wie das Verwaltungsgericht in Neustadt an der Weinstraße in Rheinland-Pfalz am Dienstag mitteilte. Der Mann war im November 2024 wegen Besitzes von Kinder- und Jugendpornografie rechtskräftig verurteilt worden.

Textgröße ändern: