Deutsche Tageszeitung - Barmer-Report: Kinder erhalten häufiger Psychotherapie

Barmer-Report: Kinder erhalten häufiger Psychotherapie


Barmer-Report: Kinder erhalten häufiger Psychotherapie
Barmer-Report: Kinder erhalten häufiger Psychotherapie / Foto: ©

Unabhängig von der Coronakrise sind immer mehr Kinder und Jugendliche in Deutschland in psychotherapeutischer Behandlung. Innerhalb von elf Jahren hat sich die Zahl der Patienten mehr als verdoppelt, wie aus dem am Dienstag veröffentlichten Barmer-Arztreport hervorgeht. Im Jahr 2019 benötigten rund 823.000 Kinder und Jugendliche psychotherapeutische Hilfe.

Textgröße ändern:

Anlass für eine solche Therapie sind dem Bericht zufolge häufig Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen, etwa nach Trauererlebnissen oder Mobbing, Depressionen, Angststörungen sowie emotionale Störungen des Kindesalters.

Die Corona-Pandemie samt strikter Kontaktbeschränkungen dürfte nach Einschätzung der Experten die Situation weiter verschärfen. Unter den bei der Barmer versicherten Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen bis einschließlich 24 Jahren stiegen die Zahlen für Akutbehandlungen sowie die Anträge für eine erstmalige Therapie und deren Verlängerung im vergangenen Jahr um sechs Prozent auf mehr als 44.000 im Vergleich zum Vorjahr.

Gerade jetzt seien die Kinder und Jugendlichen stark psychisch belastet. "Die Corona-Pandemie hinterlässt besonders bei den jungen Menschen Spuren, die ohnehin schon psychisch angeschlagen sind", erklärte Barmer-Chef Christoph Straub. Hier sei eine schnelle und unkomplizierte Hilfe besonders wichtig.

Insgesamt gibt es ein regionales Gefälle bei der Inanspruchnahme psychotherapeutischer Leistungen. Am größten war im Jahr 2019 demnach der Bedarf in Berlin mit 5,19 Prozent aller Kinder und Jugendlichen, gefolgt von Nordrhein-Westfalen und Hessen.

Den geringsten Anteil verzeichnete Mecklenburg-Vorpommern mit 3,33 Prozent aller jungen Menschen. Allerdings war hier die Steigerungsrate bei der Inanspruchnahme seit dem Jahr 2009 mit 239 Prozent am größten, gefolgt von Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Die niedrigste Steigerungsrate verzeichnete Bremen mit 52 Prozent.

Psychische Probleme haben heute insgesamt einen höheren Stellenwert als früher. Die Reform der Psychotherapierichtlinie erleichterte Straub zufolge im Jahr 2017 den Zugang zu psychotherapeutischen Angeboten zudem. Nach Angaben von Joachim Szecsenyi, Autor des Reports und Geschäftsführer des aQua-Instituts in Göttingen, sind die regionalen Unterschiede allerdings rein medizinisch nicht erklärbar. Hier seien weitere Analysen erforderlich.

Viele junge Menschen leiden den Ergebnissen zufolge über Jahre an psychischen Störungen. Bei Kindern und Jugendlichen, die 2014 erstmals eine Psychotherapie erhalten hatten, wurde in mehr als jedem dritten Fall bereits fünf Jahre vor Start der Therapie zumindest eine psychische Störung dokumentiert.

Zudem dauert die Therapie oft Jahre. Bei knapp 41 Prozent beschränkten sich die Psychotherapiesitzungen auf maximal ein Jahr, mehr als ein Drittel (36,4 Prozent) erhielten auch mehr als zwei Jahre nach Start der Behandlung noch Psychotherapien. Bei 62,5 Prozent aller Betroffenen wurden auch noch fünf Jahre nach Therapiebeginn psychische Störungen diagnostiziert.

(A.Nikiforov--DTZ)

Empfohlen

Schülerproteste in Frankreich: Mehr als 5000 Festnahmen seit Montag

Bei den landesweiten Schülerprotesten in Frankreich sind nach Angaben der Regierung seit Montag mehr als 5000 Menschen festgenommen worden. Innenminister Laurent Nuñez sagte am Freitagabend im Sender TF1, allein am Freitag habe es 1747 Festnahmen gegeben. "Es gab Ausschreitungen in der Nähe von 158 Einrichtungen: Wurfgeschosse, Angriffe auf Ordnungskräfte, Lehrkräfte, Journalisten, Passanten."

Nach Angriff auf SPD-Politiker Ecke in Dresden: Drei Angeklagte kommen vor Gericht

Knapp drei Jahre nach dem Angriff auf den SPD-Europaabgeordneten Matthias Ecke in Dresden kommen drei Tatverdächtige vor Gericht. Das Amtsgericht der sächsischen Landeshauptstadt ließ die Anklage der Staatsanwaltschaft zu, wie es am Freitag mitteilte. Ecke war im Mai 2024 beim Aufhängen von Wahlplakaten angegriffen und dabei so schwer verletzt worden, dass er operiert werden musste.

Sonderermittlerin soll mutmaßliche Gruppenvergewaltigung an US-Eliteuni untersuchen

Rund zwei Jahre nach einer mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung an der US-Eliteuniversität Cornell hat der Bundesstaat New York eine Sonderermittlerin berufen. Gouverneurin Kathy Hochul betraute die New Yorker Generalstaatsanwältin Letitia James mit dem Fall. Beide wollten am Freitag vor die Presse treten.

Bayern: Mehr als sechs Jahre Haft für Syrer wegen Einschleusens von Ausländern

Wegen der mehrfachen Schleusung von illegalen Einwanderern ist ein 32-jähriger Syrer in Bayern zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und zwei Monaten verurteilt worden. Das Landgericht Traunstein sprach ihn unter anderem des banden- und gewerbsmäßigen Einschleusens von Ausländern schuldig, wie ein Gerichtssprecher am Freitag mitteilte. In das Strafmaß wurde auch ein Urteil vom April mit einbezogen.

Textgröße ändern: