Deutsche Tageszeitung - "Polarstern" entdeckt überraschend artenreiches Ökosystem unter Rieseneisberg

"Polarstern" entdeckt überraschend artenreiches Ökosystem unter Rieseneisberg


"Polarstern" entdeckt überraschend artenreiches Ökosystem unter Rieseneisberg
"Polarstern" entdeckt überraschend artenreiches Ökosystem unter Rieseneisberg / Foto: ©

Nach dem Abbruch eines gigantischen Eisbergs in der Ostantarktis haben Wissenschaftler an Bord des deutschen Forschungseisbrechers "Polarstern" auf dem Meeresboden darunter zahlreiche Tiere entdeckt. Es handle sich um ein "überraschend artenreiches Ökosystem", teilte das Alfred-Wegener-Institut (AWI) am Mittwoch in Bremerhaven mit. Die Ergebnisse seien eine sehr seltene "Momentaufnahme" eines Gebiets, das jahrzehntelang durch eine extrem dicke Eisschicht vom Sonnenlicht abgeschnitten gewesen sei.

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Der Eisberg mit der offiziellen wissenschaftlichen Bezeichnung A74 war vor rund drei Wochen vom sogenannten Brunt-Schelfeis abgebrochen. Er misst 1270 Quadratkilometer, was fast der Fläche des Großraums Londons oder in etwa der Hälfte der Fläche des Saarlands entspricht. Das auf dem Ozean schwimmende Eis schirmte davor jahrzehntelang den darunterliegenden Meeresboden völlig ab.

Die "Polarstern" befand sich zufällig in der Nähe und änderte ihren Kurs, um die seltene Gelegenheit zu nutzen und das Gebiet zu untersuchen. Derartig große Eisberge brechen dem AWI zufolge im Schnitt nur alle zehn Jahre ab. Der Eisbrecher hat eigentlich die Aufgabe, eine Austauschmannschaft sowie Versorgungsgüter zur deutschen Polarstation Neumayer III in der Antarktis zu bringen.

Auf dem ehemals vom Eis bedeckten Meeresboden beobachteten die Forscher dabei unter anderem mindestens fünf Fischarten sowie zwei Arten Tintenfische. Dazu kamen Seegurken, Seesterne und andere Weichtiere. Hauptsächlich aber fanden sich dort Tiere, die sich auf Steinen festsetzen und Partikel aus dem Wasser filtern.

Die Bilder wurden von einen Unterwasserforschungsmodul gemacht, das die "Polarstern" schleppte. Laut AWI handelt es sich dabei um bislang einmalige Aufnahmen. Das Modul sammelte darüber hinaus Bodenproben und analysierte das Meerwasser.

Die Wissenschaftler hoffen nun auf ein besseres Verständnis der natürlichen Prozesse, auch mit Blick auf den Klimawandel. Wie die Eisschilde rund um die Antarktis auf diesen reagieren, hat auch eine erhebliche Bedeutung für den globalen Meeresspiegelanstieg.

(W.Uljanov--DTZ)

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