Deutsche Tageszeitung - Razzien gegen die kalabrische Mafia in Deutschland und Italien

Razzien gegen die kalabrische Mafia in Deutschland und Italien


Razzien gegen die kalabrische Mafia in Deutschland und Italien
Razzien gegen die kalabrische Mafia in Deutschland und Italien / Foto: ©

Der deutschen und der italienischen Polizei ist ein bedeutender Schlag gegen die kalabrische Mafia-Organisation ’Ndrangheta gelungen: Ermittler aus beiden Ländern vollstreckten am Mittwoch dutzende Haftbefehle und durchsuchten Wohn- und Geschäftsräume in zahlreichen Orten von Süditalien bis Norddeutschland, wie die Staatsanwaltschaft Konstanz und das Polizeipräsidium Ravensburg mitteilten. In Deutschland lag der Schwerpunkt der Razzien in der Bodenseeregion. Wie italienische Anti-Mafia-Ermittler mitteilten, gab es auch Razzien in Rumänien und Spanien.

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In Deutschland wurden den Angaben zufolge drei Haftbefehle erlassen und einer davon vollstreckt. In Italien gab es insgesamt 30 Haftbefehle. In Deutschland wurden Wohn- und Geschäftsräume in 46 Orten durchsucht, in Italien in 41 Orten. Der Schwerpunkt der Razzien mit hunderten Beamten lag demnach in den Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen und Hessen und in Italien in den Regionen Piemont, Kalabrien und auf Sardinien.

Die Ermittler beschlagnahmten nach eigenen Angaben zahlreiche Beweismittel wie Datenträger, Mobilfunkgeräte, Geschäftsunterlagen, Drogen, Bargeld und Wertgegenstände sowie Vermögenswerte in einer Größenordnung von mindestens sechs Millionen Euro.

Die gemeinsame Aktion unter dem Namen "Operation Platinum" richtete sich den Ermittlern zufolge gegen die kalabrische ’Ndrangheta. Den Verdächtigen wird demnach großangelegter Kokainhandel und die bandenmäßige Hinterziehung von Umsatzsteuer zur Last gelegt.

Die Verdächtigen haben nach Angaben der Ermittler hunderte Kilogramm Kokain aus den Niederlanden nach Italien geschmuggelt. Außerdem soll die Gruppe in Deutschland Umsatzsteuerhinterziehung in großem Stil betrieben haben. Dazu wurden demnach Lebensmittel aus Italien eingeführt und an italienische Restaurants und Lebensmittelhändler in ganz Deutschland geliefert. Umsatzsteuern wurden nicht entrichtet und die illegalen Gewinne offenbar nach Italien transferiert.

Die Gruppe hat ihren räumlichen Schwerpunkt nach Angaben der deutschen Ermittler in der norditalienischen Region Piemont rund um Turin und im süditalienischen Kalabrien. Ein Verdächtiger, der dem Kernbereich der Gruppe zugerechnet wird, war demnach im Bodenseeraum tätig und wird verdächtigt, von hier aus an Drogenhandel und Steuerhinterziehung beteiligt gewesen zu sein. Er wurde den Angaben zufolge am Mittwoch in Italien festgenommen werden.

Die ’Ndrangheta gilt als Italiens mächtigste Mafia-Organisation. Auf ihr Konto gehen unter anderem Morde, Drogenhandel, Erpressungen, Geldwäsche und illegale Müllentsorgung.

(W.Uljanov--DTZ)

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