Deutsche Tageszeitung - Nach zweiwöchigem Brand droht Containerschiff vor Sri Lanka zu sinken

Nach zweiwöchigem Brand droht Containerschiff vor Sri Lanka zu sinken


Nach zweiwöchigem Brand droht Containerschiff vor Sri Lanka zu sinken
Nach zweiwöchigem Brand droht Containerschiff vor Sri Lanka zu sinken / Foto: ©

Fast zwei Wochen lang hat die "X-Press Pearl" gebrannt und Sri Lankas Strände mit tonnenweise Plastikteilchen verschmutzt - nun droht das Containerschiff vor der Hauptstadt Colombo zu sinken und eine noch größere Umweltkatastrophe zu verursachen. Wie die Marine mitteilte, stellte eine niederländische Spezialfirma am Mittwoch ihre Bemühungen ein, das Schiff von der Küste fortzuschleppen. Das Heck sei überflutet, die "X-Press Pearl" drohe unterzugehen.

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"Der Bug treibt noch im Wasser, aber das Heck ist überflutet und ruht auf dem Meeresgrund", sagte Marine-Sprecher Indika de Silva der Nachrichtenagentur AFP. Das Vorderteil des 31.600 Tonnen schweren Containerschiffs reicht demnach 22 Meter tief auf den Meeresboden.

Einem Behördenvertreter zufolge hat sich Löschwasser im Heck gesammelt und das Schiff destabilisiert. Die niederländische Firma Smit stellte daher ihre Abschleppversuche ein.

Das Schiff liegt elf Kilometer vor Pamunugama, nicht weit von Sri Lankas Hauptstadt Colombo entfernt. Am Strand des Urlaubsortes Negombo, rund 40 Kilometer von Colombo entfernt, war am Mittwoch ein Ölteppich zu sehen.

Der Seefahrtexperte Dan Gunasekera erklärte jedoch, derzeit gebe es keinerlei Hinweise, dass aus der "X-Press Pearl" Schweröl auslaufe. Um eine Ölpest sicher zu vermeiden, müssten allerdings Taucher zum Abpumpen des Laderaums eingesetzt werden. Die srilankische Marine versicherte, ein Schiff der indischen Küstenwache sei vor Ort, das jegliches Auslaufen von Öl bewältigen könne.

Auf dem in Singapur registrierten Containerschiff war am 20. Mai kurz vor der Einfahrt in den Hafen von Colombo ein Feuer ausgebrochen. Erst nach 13 Tagen konnte das Feuer am Dienstag gelöscht werden.

Die "X-Press Pearl" transportierte unter anderem 25 Tonnen Salpetersäure und andere Chemikalien sowie 28 Container mit Plastikgranulat für die Verpackungsindustrie. Zudem hatte sie 278 Tonnen Schweröl und 50 Tonnen speziellen Kraftstoff für Schiffe an Bord. Mehrere Container stürzten von dem brennenden Schiff ins Meer. Die Plastikteilchen verschmutzen seither die bei Urlaubern beliebten Strände Sri Lankas, die winzigen Plastikteilchen wurden sogar bis zu 80 Kilometer landeinwärts gefunden.

Die Leiterin der srilankischen Umweltschutzbehörde, Dharshani Lahandapura, erklärte, das Ausmaß der Umweltschäden werde derzeit noch geprüft. Es sei die schlimmste Umweltkatastrophe in dem artenreichen Inselstaat, die sie persönlich erlebt habe. Sri Lankas Staatschef Gotabaya Rajapaksa hatte am Montag Australien gebeten, bei der Einschätzung der Umweltschäden zu helfen.

Sri Lankas Polizei ermittelt wegen des Schiffsbrandes und der Umweltverschmutzung gegen die Reederei und die Schiffsbesatzung und fordert eine Entschädigung von der Versicherung des Frachters. Am Montag wurde mit der Befragung der 25 Besatzungsmitglieder begonnen.

Die Ermittler vermuten, dass das Feuer durch ein Leck in einem Salpetersäure-Fass verursacht wurde, von dem der Kapitän schon Tage vor dem Einlaufen in srilankische Gewässer wusste. Die drei ranghöchsten Besatzungsmitglieder der "X-Press Pearl" sollen während der gesamten Ermittlungen in Sri Lanka bleiben. Es handelt sich um den russischen Kapitän, den russischen Chefmechaniker und einen Inder.

Das Oberhaupt der katholischen Kirche in Sri Lanka, Kardinal Malcolm Ranjith, hob hervor, dass die Plastik-Verschmutzung des Meeres tausende Fischer ihrer Lebensgrundlage beraube. Er forderte Ermittlungen gegen die Behörden, die der "X-Press Pearl" die Fahrt durch srilankische Gewässer genehmigt hatten.

(W.Budayev--DTZ)

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