Deutsche Tageszeitung - "Besorgniserregende" Erkenntnisse auf Arktis-Expedition der "Polarstern"

"Besorgniserregende" Erkenntnisse auf Arktis-Expedition der "Polarstern"


"Besorgniserregende" Erkenntnisse auf Arktis-Expedition der "Polarstern"
"Besorgniserregende" Erkenntnisse auf Arktis-Expedition der "Polarstern" / Foto: ©

Acht Monate nach dem Ende der historischen Arktismission des Forschungsschiffs "Polarstern" hat Expeditionsleiter Markus Rex für eine breite gesellschaftliche Unterstützung zum Erreichen der Klimaziele geworben. Die Klimaziele der Bundesregierung seien "angemessen und gut", sagte Rex am Dienstag in Berlin bei einer ersten Zwischenbilanz. "Jetzt kommt es darauf an, dass wir auch die gesellschaftlichen Mehrheiten bekommen für die konkreten Maßnahmen."

Textgröße ändern:

Da seien Politik und Gesellschaft in Deutschland "noch weit zurück" und "viel zu langsam". Nötig seien Mehrheiten in der Gesellschaft, die das Klimakonzept unterstützten, sagte Rex. Der Polarforscher vom Alfred-Wegener-Institut hatte die einjährige internationale Mosaic-Expedition mit der "Polarstern" am Nordpol geleitet, die im Oktober zu Ende ging.

Rex sagte, es seien dabei Daten "in nie dagewesenem Umfang" gesammelt worden, die nun von mehreren hundert Wissenschaftlern weltweit ausgewertet würden. "Wir sind dabei, unser Wissen über das arktische Klimasystem Puzzlestück für Puzzlestück aus den Messungen zusammenzusetzen."

Die Forscher hätten spannende, aber "auch besorgniserregende Erkenntnisse" gewonnen. So habe sich während der Expedition im Frühjahr 2020 das Eis der Arktis schneller zurückgezogen als jemals zuvor. Dies wiederum habe begünstigt, dass sich das Eis im Herbst viel später geschlossen habe und die eisfreie Zeit im Sommer länger gewesen sei. Auch habe es während des Winters "fast durchgehend um zehn Grad Celsius höhere Temperaturen" gegeben als zu Zeiten früherer Expeditionen.

Das Auslösen des Kipppunkts, der irreparabel zum Verschwinden des sommerlichen Meereises in der Arktis führt, stehe unmittelbar bevor, warnte Rex. Dies könne eine ganze Kaskade auslösen, in deren Verlauf weitere Kipppunkte ausgelöst würden, "die die Erderwärmung immer weiter antreiben können".

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) hob daher erneut die Notwendigkeit hervor, dass nicht nur die Klimaziele verschärft wurden und Deutschland nun bis zum Jahr 2045 klimaneutral werden soll. Es sei künftig auch wichtig, "massiv CO2 wieder aus der Atmosphäre" zu holen. Deshalb müsse die Forschung dazu unterstützt und ausgebaut werden.

Die Expedition der "Polarstern" zeigt laut Karliczek die "geschichtliche Bedeutung dieser einmaligen Expedition". Nie zuvor seien so viele Daten über die klimatische Lage in der Arktis gesammelt worden. Die ersten vom Alfred-Wegener-Institut präsentierten Erkenntnisse machten deutlich, "wie ernst die Lage und wie groß der Handlungsbedarf ist".

Bei der logistisch extrem aufwändigen Expedition hatte sich die "Polarstern" ein Jahr lang mit einer Eisscholle durch die Arktis treiben lassen, um auch den Winter am Nordpol erforschen zu können. Mit Mess- und Forschungsstationen sammelte die Besatzung direkt auf dem Polareis riesige Datenmengen, die nun nach und nach ausgewertet werden und eine bessere Kenntnis der klimarelevanten Umweltprozesse am Nordpol ermöglichen sollen.

(Y.Leyard--DTZ)

Empfohlen

Gericht hebt Haftbefehl gegen früheren katalanischen Regierungschef Puigdemont auf

Fast neun Jahre nach seiner Flucht ins Ausland kann der frühere katalanische Regierungschef und Unabhängigkeits-Befürworter Carles Puigdemont in seine Heimat zurückkehren: Der Oberste Gerichtshof des Landes hob den Haftbefehl gegen Puigdemont am Dienstag auf. Er machte damit wenige Wochen vor der geplanten Parlamentswahl den Weg frei für die Rückkehr des im Exil lebenden Politikers nach Spanien.

Früherer Chefspion festgenommen: Spionageverdacht gegen August Hanning

Früher oberster Spion, nun selbst unter Verdacht: Die überraschende Festnahme des früheren BND-Präsidenten August Hanning hat am Dienstag für Aufsehen gesorgt. Hanning soll geheime Informationen gekauft und daraus eine Analyse für einen fremden Geheimdienst erstellt haben, wie die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mitteilte. Um Russland handelt es sich dabei nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP nicht. Auf die Spur Hannings kamen die Ermittler ausgerechnet beim Block-Prozess in Hamburg.

Präsidentschaftswahl in Frankreich: Le Pen will 140 Milliarden Euro bis 2030 einsparen

Die rechtspopulistische französische Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen hat für den Fall eines Wahlsiegs drastische Einsparungen angekündigt und vor einer Staatspleite in Frankreich gewarnt. Sie strebe Einsparungen im Umfang von 140 Milliarden Euro an und wolle unter anderem den EU-Nettobeitrag Frankreichs auf fünf Milliarden Euro reduzieren, sagte Le Pen bei der Vorstellung ihres Haushaltsplans am Dienstag in Paris.

US-Amokläufer von Fort Hood soll durch Erschießungskommando hingerichtet werden

Der Amokläufer von Fort Hood, der 2009 auf dem Militärstützpunkt in Texas 13 Menschen erschossen hatte, soll durch ein Erschießungskommando hingerichtet werden. US-Präsident Donald Trump gab nach Angaben des Verteidigungsministeriums am Montag (Ortszeit) seine Zustimmung für die Hinrichtung des zum Tode verurteilten Attentäters Nidal Hasan. Es wäre das erste Mal seit 1961, dass die US-Armee eine Hinrichtung vollstreckt.

Textgröße ändern: