Deutsche Tageszeitung - Betrugsprozess gegen US-Bluttest-Unternehmerin Holmes hat begonnen

Betrugsprozess gegen US-Bluttest-Unternehmerin Holmes hat begonnen


Betrugsprozess gegen US-Bluttest-Unternehmerin Holmes hat begonnen
Betrugsprozess gegen US-Bluttest-Unternehmerin Holmes hat begonnen / Foto: ©

Sie wurde einst als Biotech-Pionierin gefeiert und steht jetzt als Angeklagte vor Gericht: Im kalifornischen San José hat der mit Spannung erwartete Betrugsprozess gegen die frühere Bluttest-Unternehmerin Elizabeth Holmes begonnen. Die Anklage warf der heute 37-Jährigen im Eröffnungsplädoyer am Mittwoch vor, es per Betrug zur Milliardärin gebracht zu haben. Holmes’ Verteidiger hingegen führten an, sie habe lediglich unternehmerische Fehler gemacht.

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"In diesem Fall geht es darum, zu lügen und zu schummeln, um an Geld zu kommen", sagte Staatsanwalt Robert Leach. "Als sie kein Geld und keine Zeit mehr hatte, hat Elizabeth Holmes sich entschieden zu lügen."

Der Gründerin des Unternehmens Theranos wird vorgeworfen, Investoren, Ärzte und Patienten mit dem Versprechen einer revolutionären Technologie für schnelle und kostengünstige Bluttests getäuscht zu haben. Bei einer Verurteilung wegen Betrugs und Verschwörung zum Betrug drohen ihr bis zu 20 Jahre Haft.

Staatsanwalt Leach sagte, Holmes und ihr Geschäftspartner Ramesh "Sunny" Balwani hätten behauptet, dass das von Theranos entwickelte Gerät "anhand eines Bluttropfens von der Fingerkuppe für einen sehr niedrigen Preis jeden erdenklichen medizinischen Test vornehmen kann". Sie hätten auch erklärt, dass die US-Armee das Gerät benutze, dass es von großen Pharmaunternehmen beworben werde und dass sie bald "hunderte Millionen Dollar" verdienen würden.

Holmes hatte ihr Unternehmen 2003 mit nur 19 Jahren gegründet. Die charismatische Jungunternehmerin und Selfmade-Milliardärin wurde jahrelang als Silicon-Valley-Pionierin gefeiert. Für den Verwaltungsrat ihres Unternehmens konnte sie Prominente wie Ex-Außenminister Henry Kissinger und den späteren Verteidigungsminister James Mattis gewinnen. Später wurde klar, dass ihre Bluttest-Geräte gar nicht funktionieren.

"Theranos ist zum Teil gescheitert, weil Fehler gemacht wurden", sagte Holmes Anwalt Lance Wade. "Aber Fehler sind keine Verbrechen." Das Scheitern eines Unternehmens mache dessen Vorstand nicht gleich zu einem Kriminellen.

Die Verteidigung setzt während des auf mindestens 13 Wochen angesetzten Prozesses offenbar darauf, die Verantwortung auf Holmes’ früheren Partner Balwani zu schieben. "Sie werden hören, dass es einer ihrer Fehler war, Herrn Balwani zu vertrauen und sich auf ihn als ihren wichtigsten Berater zu verlassen", sagte Wade zu den Geschworenen.

Demnach wurde Holmes von dem fast 20 Jahre älteren Mann, mit dem sie zwischenzeitlich ein Verhältnis hatte, ausgenutzt und kontrolliert. Balwani soll Anfang kommenden Jahres ein getrennter Prozess gemacht werden.

In dem Verfahren gegen Holmes waren in der vergangenen Woche die zwölf Geschworenen ausgewählt worden, die über Schuld oder Unschuld urteilen werden. Der Prozess in der südlich von San Francisco im Silicon Valley gelegenen Stadt San José wird von großem Medieninteresse begleitet. Die Anhörungen sollen am Freitag fortgesetzt werden.

Der Prozessauftakt war zuvor mehrmals verschoben worden, zuletzt weil Holmes im Juli ein Kind bekommen hatte.

(A.Nikiforov--DTZ)

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