Deutsche Tageszeitung - Schlussplädoyer der Anklage im Missbrauchsprozess gegen R. Kelly

Schlussplädoyer der Anklage im Missbrauchsprozess gegen R. Kelly


Schlussplädoyer der Anklage im Missbrauchsprozess gegen R. Kelly
Schlussplädoyer der Anklage im Missbrauchsprozess gegen R. Kelly / Foto: ©

Im Schlussplädoyer im Prozess gegen R. Kelly hat die Anklage dem R’n’B-Star vorgeworfen, ein ganzes Netzwerk für seine sexuellen Vergehen aufgebaut zu haben. Staatsanwältin Elizabeth Geddes sagte am Mittwoch (Ortszeit) vor den Geschworenen in New York, der Sänger habe "Lügen, Manipulation, Drohungen und körperlichen Missbrauch" eingesetzt, um jahrzehntelang ungestraft Frauen und Mädchen sexuell zu missbrauchen. Zuvor hatte der Sänger auf eine eigene Aussage verzichtet.

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Laut Geddes hatte Kelly einen ganzen Ring an Unterstützern, die für ihn systematisch Opfer rekrutierten und ihn schützten. "Ohne sie hätte der Angeklagte sein Verbrechensmuster nicht fast drei Jahrzehnte lang ausüben können", sagte Geddes und sprach von einem "Robert Kelly-zentrischen Universum".

Während ihrer Ausführungen stand die Staatsanwältin vor einer Plakatwand, auf der gruppiert um ein Polizeifoto des Sängers Bilder von Mitgliedern seines Umfelds zu sehen waren. Sie waren laut Staatsanwaltschaft entweder direkt in kriminelle Aktivitäten verstrickt oder sie "ermöglichten" diese, indem sie "keine Fragen stellten" und "die Regeln des Angeklagten effektiv durchsetzten".

In den drei Prozesstagen zuvor hatte die Verteidigung insgesamt fünf Zeugen - ehemalige Angestellte und einen Freund aus Kindertagen des mittlerweile 54-jährigen Kelly - aufgerufen. Diese sagten aus, sie hätten nichts von Missbrauch mitbekommen.

Kelly verzichtete auf eine Aussage vor Gericht. Er weist alle Vorwürfe zurück und plädiert auf nicht schuldig.

Vor den kurzen Zeugenbefragungen der Verteidigung hatte die Anklage insgesamt 45 Zeugen aufgerufen, um die Vorwürfe gegen Kelly und sein Umfeld zu beweisen. Mehrere Frauen sagten aus, sie seien vergewaltigt, geschlagen, unter Drogen gesetzt und eingesperrt worden. Manchmal sei ihnen Essen oder der Gang zur Toilette verweigert worden.

Sechs der elf vor Gericht angehörten mutmaßlichen Opfer waren minderjährig, als Kelly den Missbrauch begonnen haben soll. Viele Opfer sagten aus, der Sänger habe den Sex regelmäßig gefilmt, was in mehreren Fällen den Tatbestand der Kinderpornografie erfüllen würde.

Eine Frau warf Kelly vor, sie als Jugendliche zu einer Abtreibung gezwungen zu haben. Vier Frauen sagten, sie hätten sich nach sexuellen Kontakten mit dem Sänger mit Herpes angesteckt. Dieser habe ihnen seine Infektion verschwiegen.

Die Anklage konzentrierte sich auf den Missbrauch von sechs Frauen. Darunter war auch die Sängerin Aaliyah, die Kelly als 15-Jährige heiratete. Die illegale Eheschließung wurde später annulliert. Aaliyah starb 2001 im Alter von 22 Jahren bei einem Flugzeugabsturz.

Mehrere weitere Opfer, darunter auch Männer, wurden nur als Zeugen befragt. Im Kreuzverhör versuchten die Verteidiger, die Ankläger als gekränkte Fans darzustellen, die nach dem Ende der Beziehung mit dem Superstar "gehässig" geworden seien.

Der Prozess gegen R. Kelly hatte Mitte August begonnen. Dem Sänger des Welthits "I Believe I Can Fly" und dreifachen Grammy-Preisträger werden in dem Verfahren unter anderem sexueller Missbrauch Minderjähriger, Entführung und Bestechung in den Jahren 1994 bis 2018 vorgeworfen. Bei einer Verurteilung drohen ihm zehn Jahre Gefängnis, derzeit sitzt er bereits in Untersuchungshaft.

Nach Abschluss der Schlussplädoyers entscheidet eine Jury aus zwölf Geschworenen, sieben Männern und fünf Frauen, über Kellys Schicksal. 2008 war Kelly in einem umstrittenen Prozess wegen Kinderpornografie freigesprochen worden.

(N.Loginovsky--DTZ)

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