Deutsche Tageszeitung - Etwa 15 US-Missionare in Haiti von bewaffneter Bande entführt

Etwa 15 US-Missionare in Haiti von bewaffneter Bande entführt


Etwa 15 US-Missionare in Haiti von bewaffneter Bande entführt
Etwa 15 US-Missionare in Haiti von bewaffneter Bande entführt / Foto: ©

Im von Krisen geplagten Karibikstaat Haiti sind mindestens 15 US-Missionare von einer bewaffneten Bande entführt worden. Die Gruppe "400 Mawozo", die seit Monaten ihr Unwesen in der Region treibe, habe 15 bis 17 Menschen in einem Vorort der Hauptstadt Port-au-Prince in ihre Gewalt gebracht, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP am Samstag (Ortszeit) aus Sicherheitskreisen. Auch eine unbestimmte Zahl haitianischer Staatsbürger soll bei dem Überfall entführt worden sein.

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Die Missionare und ihre Familien seien von einem Besuch in einem Waisenhaus etwa 30 Kilometer östlich der haitianischen Hauptstadt zurückgekehrt, als die Bande zuschlug und die Menschen in ihren Fahrzeugen entführte, hieß es aus Sicherheitskreisen weiter.

Unter den Entführten waren den Angaben zufolge auch Kinder. Unklar war zunächst, ob eine Lösegeldforderung vorlag. Einige Mitglieder der religiösen Organisation mit Sitz im US-Bundesstaat Ohio waren den Angaben zufolge das erste Mal in Haiti.

Ein Sprecher der US-Regierung sagte der Nachrichtenagentur AFP, Washington kenne die Berichte. "Das Wohlergehen und die Sicherheit amerikanischer Staatsbürger ist eine unserer obersten Prioritäten im Außenministerium", betonte er. Weitere Angaben wollte er nicht machen.

Erst im April waren in derselben Region zehn Menschen, darunter zwei französische Ordensleute, von der gleichen Bande entführt worden. Bewaffnete Gruppen kontrollieren seit Jahren die ärmsten Viertel der haitianischen Hauptstadt und haben ihre Macht auch auf die Umgebung ausgedehnt.

Haiti befindet sich derzeit in einer tiefen politischen und wirtschaftlichen Krise. Im Juli war in dem von großer Armut geprägten Karibikstaat Präsident Jovenel Moïse ermordet worden. Im August erschütterte ein schweres Erdbeben den Südwesten des Landes. Dabei wurden 130.000 Häuser zerstört, mehr als 2200 Menschen starben.

Bewaffnete Banden sorgen für zusätzliche Unsicherheit in Haiti, immer häufiger kommt es zu Entführungen. Zwischen Januar und September dieses Jahres wurden nach Angaben des in Port-au-Prince ansässigen Zentrums für die Analyse und Erforschung von Menschenrechten mehr als 600 Entführungsfälle registriert - im Vergleich zu 231 im selben Zeitraum des Vorjahres.

Die Banden fordern Lösegelder, die zum Teil eine Million Dollar übersteigen. Die große Mehrheit der von kriminellen Gruppen entführten Frauen wird sexuell missbraucht, wie Menschenrechtsorganisationen anprangern.

(N.Loginovsky--DTZ)

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