Deutsche Tageszeitung - Schweden nach tödlichen Schüssen auf bekannten Rapper unter Schock

Schweden nach tödlichen Schüssen auf bekannten Rapper unter Schock


Schweden nach tödlichen Schüssen auf bekannten Rapper unter Schock
Schweden nach tödlichen Schüssen auf bekannten Rapper unter Schock / Foto: ©

Er zählte zu den Stars der schwedischen Hip-Hop-Szene, und sein gewaltsamer Tod löste in seiner Heimat einen schweren Schock aus. Am späten Donnerstagabend wurde der 19-jährige Rapper Einár unweit des Zentrums von Stockholm von mehreren Kugeln tödlich getroffen. Er ist vermutlich das bislang prominenteste Opfer der zunehmenden Bandengewalt in Schweden. In der kommenden Woche hätte er gegen Mitglieder einer Gang aussagen sollen.

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Nach Angaben von Polizei und Medien wurde der 19-Jährige gegen 23.00 Uhr vor einem Wohngebäude im schicken und normalerweise ruhigen Stadtteil Hammarby Sjöstad von mehreren Schüssen getroffen. Der Rettungsdienst versuchte demnach noch vergeblich, sein Leben zu retten.

Die Polizei leitete Mordermittlungen ein. "Wir arbeiten intensiv daran, herauszufinden, warum das passiert ist und wer dahinter stecken könnte", sagte ihre Sprecherin Towe Hagg der Nachrichtenagentur AFP.

Schweden kämpft seit Jahren gegen eine massive Zunahme der Bandenkriminalität. Mit den Banden oftmals in Verbindung steht auch die kleine "Gangsta-Rap"-Szene im Land, die immer wieder mit eigenen Entführungen und gewaltsamen Auseinandersetzungen von sich reden macht.

Auch Einár, der mit bürgerlichem Namen Nils Kurt Erik Einar Grönberg hieß, war im vergangenen Jahr Opfer einer brutalen Entführung geworden. Der junge Rapper befand sich in einem offenen Konflikt mit einem anderen örtlichen Rap-Star, Yasin. Dieser wurde im Juli zu einer zehnmonatigen Haftstrafe wegen einer geplanten Entführung seines Rivalen verurteilt.

Die Pläne scheiterten, doch einige Wochen später wurde Einár tatsächlich entführt, diesmal ohne Beteiligung Yasins. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde er von seinen Entführern geschlagen, ausgeraubt, unter entwürdigenden Bedingungen fotografiert und erpresst. Diesmal wurde der Rapper Haval Khalil wegen Beihilfe zu Entführung und Diebstahl zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt.

Der Fall ist derzeit in Berufung. Nach Angaben des öffentlich-rechtlichen Rundfunks SR sollte Einár in der kommenden Woche aussagen. Die Tageszeitung "Aftonbladet" berichtete am Freitag, dass der Musiker in jüngster Zeit zunehmenden Drohungen ausgesetzt war und unter Schutz stand.

Seinerseits gehörte Einár zu einer Gruppe Verdächtiger, die Anfang des Monats wegen einer Messerstecherei in einem Restaurant im Zentrum Stockholms festgenommen worden waren.

Einárs Songs handelten oft von einem Leben in der Kriminalität, von Drogen und Waffen. Seinen Durchbruch hatte er 2019, als seine Single "Katten i trakten" (Die Katze in der Gegend) auf dem ersten Platz der schwedischen Charts landete. Er wurde mit mehreren Musikpreisen ausgezeichnet, darunter mit dem schwedischen Grammy.

Tausende Freunde und Fans berichteten in den Online-Netzwerken über ihren Schock und ihre Trauer. "Einar war ein echter Bruder für mich und ich werde ihn sehr vermissen", erklärte Produzent Trobi auf Instagram. "Erst in der vergangenen Woche haben wir unsere erste gemeinsame Platte veröffentlicht".

"Erneut wurde ein junges Leben ausgelöscht, und ich weiß, dass er vielen jungen Menschen viel bedeutet hat", sagte Ministerpräsident Stefan Löfven der schwedischen Nachrichtenagentur ITT. Allein für dieses Jahr führt die Polizeistatistik in den ersten zehn Monaten 273 Schießereien auf, bei denen 40 Menschen getötet wurden. Vergangenes Jahr waren es 47 Todesopfer bei 366 Schießereien.

(N.Loginovsky--DTZ)

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