Deutsche Tageszeitung - Neue Trägerin von Friedenspreis des Buchhandels fordert neue Denkmuster

Neue Trägerin von Friedenspreis des Buchhandels fordert neue Denkmuster


Neue Trägerin von Friedenspreis des Buchhandels fordert neue Denkmuster
Neue Trägerin von Friedenspreis des Buchhandels fordert neue Denkmuster / Foto: ©

Die am Sonntag in der Frankfurter Paulskirche mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnete simbabwische Autorin und Filmemacherin Tsitsi Dangarembga hat das derzeitige Gesellschaftssystem als "No-Win-Situation" beschrieben. In ihrer Dankesrede sagte Dangarembga, dass die innerhalb imperialer Strukturen ausgeübte physische, psychologische, politische, ökonomische, metaphysische und genozidale Gewalt sukzessive zu dieser Situation geführt habe. Derweil wurde die in den vergangenen Tagen geführte Debatte über rechte Buchverlage auf der Buchmesse auch bei der Preisverleihung Thema.

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Die neue Friedenspreis-Trägerin sagte, eine No-Win-Situation heiße, "dass der Westen mit all seiner Technologie, seinen Überzeugungen und seiner Praxis auf vielfachen weiterhin praktizierten Formen der Gewalt aufgebaut ist, die er in den Rest der Welt exportiert hat und die jetzt in postkolonialen Staaten so eifrig praktiziert werden wie zuvor in imperialen und kolonialen Staaten." Es sei wohl bekannt, dass Gewalt weitere Gewalt erzeuge, das sei auf der ganzen Welt zu sehen. Dangaremgbga sagte, was nun getan werden müsse, sei Denkmuster zu verändern.

Die in den vergangenen Tagen intensiv geführte Debatte um die Anwesenheit rechter Verlage auf der Frankfurter Buchmesse erreichte auch die feierliche Preisverleihung. Der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) nannte es in seinen Begrüßungsworten schlimm, dass Autoren und Autorinnen Angst hatten, nach Frankfurt zu fahren, weil sie dort auf rechtsradikale Verlage und Autoren stoßen könnten. In Frankfurt sei Platz für vieles, sagte Feldmann. "Es ist kein Platz für Fremdenfeindlichkeit." Dafür gebe es in seiner Stadt kein Verständnis und keine Toleranz.

Autoren hatten ihre Teilnahme an der Buchmesse abgesagt, weil sie in räumlicher Nähe der umstrittenen Verlage hätten auftreten sollen. Die Veranstalter der Buchmesse hatten Rassismus verurteilt, aber auch auf die Meinungsfreiheit verwiesen. Außerdem sei es der Frankfurter Buchmesse mit ihrer Monopolstellung juristisch nicht ohne Weiteres möglich, Verlagen keine Ausstellungsfläche zu vermieten.

Die dunkelhäutige Frankfurter Stadtverordnete Mirrianne Mahn von den Grünen ergriff während der Rede Feldmanns spontan das Wort und sagte, "rechtsradikale Ideologien, menschenfeindliche Ideologien sind keine Meinungsfreiheit." Schwarze Frauen seien auf der Buchmesse nicht willkommen gewesen, weil nicht dafür gesorgt worden sei, dass sie sich sicher fühlen.

Es sei ein Paradox, dass in der Paulskirche als Wiege der deutschen Demokratie einer schwarzen Frau der Friedenspreis verliehen werde, aber schwarze Frauen nicht willkommen gewesen seien, kritisierte Mahn. Wenn Rechtsradikalen eine Plattform gegeben werde, "dann beteiligen wir uns aktiv an dem nächsten Hanau". In Hanau hatte im Februar 2020 der rassistische Attentäter Tobias R. neun Menschen mit Migrationshintergrund erschossen.

Der mit 25.000 Euro dotierte Friedenspreis des Deutschen Buchhandels wird seit 1950 zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse vergeben.

(A.Nikiforov--DTZ)

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