Deutsche Tageszeitung - Facebook durch neue Enthüllungen zu Gewaltaufrufen in Indien unter Druck

Facebook durch neue Enthüllungen zu Gewaltaufrufen in Indien unter Druck


Facebook durch neue Enthüllungen zu Gewaltaufrufen in Indien unter Druck
Facebook durch neue Enthüllungen zu Gewaltaufrufen in Indien unter Druck / Foto: ©

US-Internetriese Facebook steht wegen weiterer Enthüllungen zu seinem Umgang mit Gewaltaufrufen im wichtigen Markt Indien unter Druck. Wie mehrere US-Medien am Wochenende unter Berufung auf unternehmensinterne Dokumente berichteten, hatte es der Konzern trotz Hinweisen eigener Analysten versäumt, Falschinformationen und Hassnachrichten in seinen indischen Plattformen einzudämmen. Facebook sei sich bewusst gewesen, dass die schwache Moderation seine Plattformen anfällig für Missbrauch macht.

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Facebook wird bereits von der ehemaligen Produktmanagerin Frances Haugen beschuldigt, eigene Gewinne über die Sicherheit von Menschen zu stellen und dabei verheerende Folgen für Menschen, Demokratie und Gesellschaft in Kauf zu nehmen. Ein weiterer Informant legte vergangene Woche nach und berichtete laut "Washington Post" von internen Diskussionen, in denen die mutmaßliche Einmischung Russlands in die US-Präsidentschaftswahl 2016 über Facebooks Dienste heruntergespielt wurde.

Facebook hat die Vorwürfe entschieden zurückgewiesen. Die Enthüllungen haben aber die Rufe nach einer strengeren Regulierungen von Facebook und Internetkonzernen insgesamt verstärkt.

Den neuesten Enthüllungen zufolge hatten Facebooks Analysten in Indien einen starken Anstieg von "Gerüchten und Aufrufen zur Gewalt" ab Dezember 2019 festgestellt. Besonders schlimm sei es auf Whatsapp im Februar 2020 zugegangen, als Zusammenstöße zwischen Hindus und Muslimen in Indien dutzende Menschen starben, berichtete das "Wall Street Journal". Der Konzern habe daraufhin dutzende Forscher dorthin geschickt, um mit Nutzern über ihre Erfahrungen mit dem Algorithmus der Plattformen zu sprechen.

Bereits im Februar 2019 hatten Wissenschaftler zudem ein fiktives Facebook-Profil einer 21-jährigen Nutzerin in Nordindien erstellt. Ohne das Zutun der Forscher wurde das Profil mit "Propaganda" für den hindu-nationalistischen Regierungschef Narendra Modi sowie "Hassreden gegen Muslime überflutet", berichtete die "Washington Post" aus einem internen Memo. "Ich habe in den vergangenen drei Wochen mehr Bilder von Toten gesehen als in meinem ganzen Leben zuvor", schrieb der Forscher, der das Experiment leitete, laut "New York Times".

Indien ist nach Nutzerzahlen der größte Markt für Facebook. Den Medienberichten zufolge ging aus internen Dokumenten jedoch hervor, dass der größte Teil des Budgets zur Bekämpfung von Desinformation für die USA bestimmt war, obwohl diese weniger als zehn Prozent der Nutzer ausmachen.

Ein Konzernsprecher erklärte, dass das Unternehmen seinen Kampf gegen Hassbotschaften in nicht-englischen Sprachen mittlerweile verstärkt habe. "Hassreden gegen Randgruppen, darunter auch Muslime, nehmen weltweit zu", und Facebook "verbessert die Durchsetzung seiner Regeln", um diesem Umstand Rechnung zu tragen, sagte der Sprecher der Nachrichtenagentur AFP.

(W.Uljanov--DTZ)

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