Deutsche Tageszeitung - Ermittlungen nach Amokdrohung in Niedersachsen führen zu radioaktiven Stoffen

Ermittlungen nach Amokdrohung in Niedersachsen führen zu radioaktiven Stoffen


Ermittlungen nach Amokdrohung in Niedersachsen führen zu radioaktiven Stoffen
Ermittlungen nach Amokdrohung in Niedersachsen führen zu radioaktiven Stoffen / Foto: ©

Bei Ermittlungen nach einer Amokdrohung durch einen Mitarbeiter einer Firma im niedersächsischen Braunschweig sind Behörden unter anderem auch auf zwei seit etwa 15 Jahren vermisste Fläschchen mit einer radioaktiven Nickel-63-Lösung sowie eine weitere nicht näher genannte "umschlossene Strahlenquelle" gestoßen. Über den Fall der 2006 von einer Braunschweiger Firma als Verlust gemeldeten beiden Fläschchen sei seinerzeit der Verfassungsschutz informiert worden, teilte das niedersächsische Umweltministerium am Dienstag mit.

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Auch die Staatsanwaltschaft, die staatliche Gewerbeaufsicht und die dem Umweltministerium unterstehende Fachbehörde NLWKN hatten sich demnach früher schon mit der Angelegenheit befasst. Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wurden aber 2007 ergebnislos eingestellt, wie das Ministerium in Hannover mitteilte. Die beiden Fläschchen mit je 14 Milliliter Nickel-63-Lösung waren verschollen.

Zu der bei den Durchsuchungen ebenfalls entdeckten "umschlossenen Strahlenquelle" in einem speziellen versiegelten "Abschirmgefäß" machte das Ministerium unter Verweis auf die derzeit laufenden Ermittlungen keine nähere Angaben. Die Abschirmung, die Kontakt mit der Strahlenquelle verhindern soll, sei aber unbeschädigt gewesen.

Hintergrund ist der Fall einer Amokdrohung durch einen 43-jährigen Mitarbeiter eines Braunschweiger Unternehmens, die am vergangenen Dienstag einen Polizeieinsatz auslöste. Nach früheren Angaben der Polizei hatte der Mann erfahren, dass ihm in einem bevorstehenden Personalgespräch gekündigt werden sollte. Er drohte daraufhin an, seine Vorgesetzten zu töten. Da der Mann legal auch im Besitz von Schusswaffen war, nahmen Beamten ihn in seiner Wohnung fest.

Bei den folgenden Durchsuchungen wurden laut Umweltministerium in verschiedenen Objekten in Braunschweig und Gifhorn dann neben Waffen und anderen Gegenständen auch die verdächtigen radioaktiven Substanzen entdeckt. Sie wurden in ein Strahlenschutzlabor der Fachbehörde NLWKN transportiert und dort eingehender analysiert.

Die 2006 in der Braunschweiger Firma verschwundene Lösung mit dem Nickel-63-Isotop wird demnach in der Industrie zur Beschichtung spezieller Folien verwendet, die etwa in Messgeräten zum Einsatz kommen. Nickel 63 ist ein sogenannter Betastrahler, die Reichweite der Strahlung beträgt wenige Zentimeter. Das Unternehmen meldete den Verlust im September 2015 den Behörden. Bei den Durchsuchungen wurden die Fläschchen in einem vergrabenen Behälter entdeckt.

(N.Loginovsky--DTZ)

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