Deutsche Tageszeitung - Mutmaßlicher Drahtzieher von Cyberangriff auf Softwarefirma Kaseya gefasst

Mutmaßlicher Drahtzieher von Cyberangriff auf Softwarefirma Kaseya gefasst


Mutmaßlicher Drahtzieher von Cyberangriff auf Softwarefirma Kaseya gefasst
Mutmaßlicher Drahtzieher von Cyberangriff auf Softwarefirma Kaseya gefasst / Foto: ©

Bei internationalen Razzien gegen Cyberkriminelle sind sieben Menschen festgenommen worden. Wie die Polizeibehörden Europol und Interpol am Montag mitteilten, ging den Fahndern auch der mutmaßliche Drahtzieher des spektakulären Ransomware-Angriffs auf die US-Softwarefirma Kaseya vom Juli ins Netz. Der 22-jährige Ukrainer Jaroslaw Wasinskyi wurde nach Angaben des US-Justizministeriums wegen Betrugs und Geldwäsche angeklagt.

Textgröße ändern:

Wasinskyi wurde den Angaben zufolge bereits am 8. Oktober in Polen festgenommen. Demnach beschlagnahmten die Fahnder zudem 6,1 Millionen Dollar, bei denen es sich mutmaßlich um Geld handelt, das der Russe Jewgeni Poljanin von Unternehmen erpresste. Der 28-jährige Poljanin ist wegen Ransomware-Attacken gegen Geschäfte und Behörden im US-Bundesstaat Texas im August 2019 angeklagt. Er halte sich vermutlich in Russland auf, erklärte die US-Bundespolizei FBI.

Von dem Ransomware-Angriff auf die Softwarefirma Kaseya Anfang Juli waren Schätzungen zufolge weltweit hunderte Unternehmen betroffen. Kaseya mit Sitz in Miami liefert IT-Dienstleistungen an rund 40.000 Geschäftskunden in aller Welt. Als Folge des Angriffes musste unter anderem die schwedische Supermarktkette Coop die Mehrheit ihrer Filialen wegen ausgefallener Kassensysteme vorübergehend schließen.

Laut Europol wurden am vergangenen Donnerstag außerdem zwei Verdächtige in Rumänien und ein Verdächtiger in Kuwait festgenommen. Drei weitere befinden sich demnach in Gewahrsam in Südkorea.

Die USA fordern nach Angaben von Justizminister Merrick Garland die Auslieferung Wasinskyis von Polen. "Cyberkriminalität ist eine ernsthafte Gefahr für unser Land: für unsere persönliche Sicherheit, für die Gesundheit unserer Wirtschaft und für unsere nationale Sicherheit", sagte Garland vor Journalisten.

US-Präsident Joe Biden begrüßte den Fahndungserfolg. Cybersicherheit genieße "zentrale Priorität" für seine Regierung. Im Falle einer Verurteilung wegen Betrugs und weiterer Vorwürfe drohen Wasinskyi und Poljanin mehr als 100 Jahre Haft.

Nach Angaben von Interpol waren an den vier Jahre andauernden Ermittlungen namens "Golddust" und "Quicksand" 19 Behörden in 17 Ländern beteiligt. Den US-Behörden zufolge setzten Wasinskyi und Poljanin Revil- und Sodinokibi-Ransomware ein, um Daten auf den Computern ihrer Opfer zu verschlüsseln.

Die Festgenommenen würden im Zusammenhang mit rund 7000 Ransomware-Einschleusungen verdächtigt, teilte Europol weiter mit. Dabei hätten sie "mehr als 200 Millionen Euro Lösegeld" gefordert. Allein die beiden Rumänen seien für etwa 5000 Einschleusungen von Schadsoftware verantwortlich, die rund eine halbe Million Euro eingebracht hätten.

Bei Ransomware handelt es sich um eingeschleuste Software, die Computer und andere Systeme blockiert. Anschließend werden die Betreiber erpresst, damit die Systeme wieder freigeschaltet werden. In dem Begriff steckt das englische Wort für Lösegeld ("ransom").

(W.Budayev--DTZ)

Empfohlen

Papst kritisiert Sterbehilfe: "Nicht alles, was legal ist, ist moralisch"

Papst Leo XIV. hat die in Frankreich vor kurzem legalisierte Sterbehilfe scharf kritisiert. "Es ist unmöglich, das Herbeiführen des Todes als normal anzusehen", sagte der Papst am Sonntag bei einer Begegnung mit kranken und behinderten Menschen im Pilgerort Lourdes. "Nicht alles, was legal ist, ist auch moralisch vertretbar", fügte er hinzu. Die Medizin dürfe sich niemals zum Gehilfen eines programmierten Todes machen.

Reisebus kommt von Autobahn ab: Zwei Tote und mehrere Schwerverletzte in Bayern

Bei einem Unfall mit einem Reisebus auf der Autobahn 96 in Oberbayern sind zwei Passagiere getötet und mehrere weitere schwer verletzt worden. Das mit 35 Menschen besetzte Fahrzeug kam am Sonntagmorgen bei Landsberg am Lech von der Autobahn ab und kippte auf die Seite, wie die Polizei in Ingolstadt mitteilte. Gegen den 40-jährigen Busfahrer wurde ein Verfahren wegen des Verdachts fahrlässiger Tötung im Straßenverkehr eingeleitet.

Tödliche Attacke auf Frau in Hessen: Ehemann nach Großfahndung gefasst

Im hessischen Obertshausen ist eine 51-Jährige bei einer mutmaßlich von ihrem Ehemann verübten Attacke tödlich verletzt worden. Einsatzkräfte nahmen den zunächst flüchtigen 57-Jährigen noch in der Nacht zu Sonntag nach einer Großfahndung im nahegelegenen Klein-Krotzenburg fest, wie Staatsanwaltschaft und Polizei in Offenbach mitteilten. Er leistete demnach keinen Widerstand.

Papst Leo XIV. in Frankreich: Große Messen und Gespräch mit Missbrauchsopfern

Messfeiern im Großformat und persönliche Treffen mit Missbrauchsopfern: Papst Leo XIV. hat bei seinem Besuch in Frankreich viel Zuspruch erhalten und zugleich Missstände innerhalb der katholischen Kirche thematisiert. Nach einem begeisterten Empfang des Papstes in Paris, wo am Samstag 800.000 Menschen zu einer Messe auf der Place de la Concorde und den Champs-Elysées kamen, sprach Leo XIV. am Sonntag im Pilgerort Lourdes die "schmerzhafte Wunde" des Missbrauchs in Pfarreien und katholischen Schulen an.

Textgröße ändern: