Deutsche Tageszeitung - Moskau und Washington streiten über Sicherheit und militärische Aktivitäten im All

Moskau und Washington streiten über Sicherheit und militärische Aktivitäten im All


Moskau und Washington streiten über Sicherheit und militärische Aktivitäten im All
Moskau und Washington streiten über Sicherheit und militärische Aktivitäten im All / Foto: ©

Nachdem die Besatzung der Internationalen Raumstation (ISS) wegen herumfliegender Weltraumtrümmer stundenlang in Deckung gehen musste, ist zwischen Washington und Moskau ein heftiger Streit über die Sicherheit im All entbrannt. Der russische Außenminister Sergej Lawrow wies am Dienstag Vorwürfe der USA zurück, durch einen Raketentest die ISS gefährdet zu haben. Zugleich bestätigte die russische Armee aber, dass sie einen eigenen Satelliten zerstört habe.

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"Zu behaupten, dass die Russische Föderation Risiken für die friedliche Nutzung des Weltraums kreiert, ist mindestens scheinheilig", sagte Lawrow in Moskau. Es gebe "keine Fakten" hinter den Anschuldigungen. Zugleich erklärte das Verteidigungsministerium, die Armee habe "erfolgreich" einen Test vorgenommen, in dessen Verlauf ein seit 1982 im All kreisender Satellit zerstört worden sei. Mit welcher Waffe der Test erfolgte, wurde nicht angegeben.

"Die entstandenen Fragmente haben keine Gefahr für Raumstationen, Raumschiffe und andere Weltraumaktivitäten bedeutet und werden auch keine bedeuten", erklärte das russische Verteidigungsministerium. Der Test habe dazu gedient, die Verteidigungskapazitäten Russlands zu stärken. Die russische Raumfahrtagentur Roskosmos versicherte ihrerseits, dass die Sicherheit der ISS-Crew für sie oberste Priorität habe.

Washington hatte Moskau am Montag vorgeworfen, mit einem "rücksichtslosen" Raketentest die ISS in Gefahr gebracht zu haben. Durch den "gefährlichen und verantwortungslosen" Test und die Zerstörung des russischen Satelliten seien 1500 nachverfolgbare Weltraumtrümmer und vermutlich "hunderttausende" kleinerer Fragmente entstanden.

Wegen der Weltraumtrümmer waren die sieben Astronauten an Bord der ISS - sechs US-Astronauten, zwei russische Kosmonauten und der Deutsche Matthias Maurer - geweckt und aufgefordert worden, die Luken an der ISS zu schließen. Anschließend zogen sie sich für rund zwei Stunden in zwei an die Raumstation angedockte Raumfähren zurück. Die Raumkapseln vom Typ SpaceX Crew Dragon und Sojus können im Notfall zur Evakuierung genutzt werden.

Die US-Regierung war nach eigenen Angaben nicht vorab über den Test informiert worden. Außenminister Antony Blinken warnte vor weiteren Schäden an Satelliten durch die Weltraumtrümmer und einer andauernden Gefahr für die ISS. Zugleich kündigte er an, dass Washington mit seinen Partnern über eine Reaktion beraten werde.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg schloss sich am Dienstag der US-Kritik an. Der russische Test sei "rücksichtslos" gewesen, erklärte er in Brüssel. "Dies ist beunruhigend, weil einerseits die Trümmerteile eine Gefahr für zivile Aktivitäten im Weltall darstellen. Andererseits aber auch, weil es zeigt, dass Russland ein neues Waffensystem entwickelt, das auch Satelliten abschießen kann."

Bei Anti-Satelliten-Waffen handelt es sich um hochentwickelte Raketen, die nur wenige Staaten weltweit besitzen. Raketentests gegen Satelliten wurden bisher nur von den USA, China und Indien ausgeführt. Der nun von Moskau zerstörte Satellit stammte noch aus Sowjetzeiten und diente ursprünglich der Spionage, er war seit längerem inaktiv.

Der Harvard-Astronom Jonathan McDowell betonte, bereits jetzt existiere zu viel Weltraumschrott. "Absichtlich mehr davon zu erzeugen ist einfach unverzeihlich", sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Nach seiner Einschätzung dürften die ersten Teile aus der durch den russischen Test erzeugten Wolke aus Weltraumschrott in einigen Monaten in die Erdatmosphäre eintreten. Bis der Schrott komplett verschwunden ist, könne es aber bis zu zehn Jahre dauern.

Trotz erheblicher politischer Spannungen in vielen Bereichen kooperieren die USA und Russland seit dem Ende des Kalten Krieges eng in der Raumfahrt - vor allem auf der ISS. Die Konkurrenz zwischen den Großmächten im Weltraum hat allerdings in den vergangenen Jahren massiv zugenommen. "Sowohl China als auch Russland integrieren den Weltraum zunehmend in ihre militärischen Kapazitäten", warnte erst in der vergangenen Woche US-Geheimdienstkoordinatorin Avril Haine.

(P.Vasilyevsky--DTZ)

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