Mehr als 50 Migranten sterben in Mexiko bei Lastwagen-Unfall
In der Hoffnung auf ein besseres Leben in den USA haben sich dutzende Menschen in Mittelamerika in einen völlig überfüllten Lkw-Container einpferchen lassen - mehr als 50 von ihnen sind nun bei einem Unfall in Mexiko getötet worden. Der Lastwagen habe sich im Süden des Landes im an der Grenze zu Guatemala gelegenen Bundesstaat Chiapas auf einer Autobahn überschlagen, teilten die mexikanischen Behörden am Donnerstag (Ortszeit) mit. Mindestens 53 Menschen wurden getötet, fast 60 weitere verletzt.
Die Migranten waren in dem Lastwagen eng zusammengepfercht. Der Großteil von ihnen kam nach Angaben des Zivilschutzes aus Guatemala. Die Autobahn, auf der das Unglück vermutlich wegen überhöhter Geschwindigkeit geschah, ist eine der Haupttransitrouten Richtung Norden und wird immer wieder von Menschen aus den armen Ländern Zentralamerikas genutzt, die in die USA wollen.
Rettungskräfte und Krankenwagen waren schnell am Unglücksort nahe Tuxtla Gutiérrez, der Hauptstadt des Bundesstaates Chiapas. Auch Einwohner aus der Umgebung eilten sofort zu der Unglücksstelle. "Du darfst nicht einschlafen, schließ’ nicht Deine Augen", habe ein überlebender Migrant einen auf der Straße liegenden Schwerverletzten angefleht, berichtete Sabina López der Nachrichtenagentur AFP. "Es war schrecklich, all das Wehklagen zu hören." Auch Isaías Díaz, der 15 Minuten nach dem Unfall vor Ort war, stand unter Schock: "Das Schreien, der Schmerz, die Verzweiflung - es war eine grausame Atmosphäre."
In der Nähe des Unfallortes sah ein AFP-Korrespondent viele Leichen unter weißen Laken aufgereiht. Krankenwagen rasten hin und her, die zahlreichen Verletzten wurden in verschiedene Krankenhäuser in der Region gebracht. Einsatzkräfte untersuchten den Lastwagen, der völlig zerstört war. Der Lkw sei gegen eine Wand geprallt und habe sich überschlagen, berichtete López. Der Unfall sei so heftig gewesen, dass der Lastwagen auseinandergebrochen sei und das Containerdach abgerissen wurde.
Andere Einwohner berichteten, dass der Fahrer und eine andere ihn begleitende Person offenbar auch verletzt wurden. Sie seien aber geflohen.
Der mexikanische Präsident Andrés Manuel López Obrador erklärte auf Twitter, er bedauere "zutiefst die Tragödie". Der Präsident Guatemalas, Alejandro Giammattei, versprach den Betroffenen des Unglücks auf Twitter "jede notwendige konsularische Hilfe, einschließlich Rückführungen".
Der Unfall passierte im Bundesstaat Chiapas an der Grenze zu Guatemala, dem Haupteinfallstor für Migranten aus Mittelamerika, die in die USA wollen. Der Transport in Lastwagen ist eine der üblichen Methoden von Schleppern, um Migranten ohne Papiere in die USA zu bringen. Andere Flüchtlinge schließen zusammen und legen einen großen Teil der langen Strecke zu Fuß zurück. Dabei sind sie sowohl dem extremen Klima in vielen Regionen Mexikos sowie der Gewalt organisierter Verbrecherkartelle ausgesetzt.
"Wir brauchen Migrationsalternativen und legale Wege, um Tragödien wie diese zu verhindern", erklärte die mexikanische Zweigstelle des UN-Hochkommissariats für Flüchtlinge.
Der Andrang von Migranten ohne Papiere, die häufig vor Gewalt und Armut in ihren Heimatländern fliehen, hat sich im traditionellen Transitland Mexiko in den vergangenen Monaten vervielfacht. Viele hatten die Hoffnung, dass in ihrem Zielland USA der demokratische Präsident Joe Biden eine offenere Einwanderungspolitik verfolgen würde als sein Vorgänger Donald Trump. Das Unglück ereignete sich nun aber genau an dem Tag, an dem die ersten beiden Migranten im Rahmen eines reaktivierten Programms zur Rückführung von Asylbewerbern aus den USA nach Mexiko abgeschoben wurden.
Das zu Zeiten Trumps eingeführte Programm mit dem Titel "Quédate en México" (Bleibe in Mexiko) sieht vor, dass Asylbewerber im südlichen Nachbarland auf die Entscheidung der US-Behörden über eine Anerkennung ihres Flüchtlingsstatus warten müssen. Biden hatte das Programm ausgesetzt, doch nach einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der USA wurde es reaktiviert. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) forderte, dieses "unmenschliche und gegen das Völkerrecht verstoßende" Programm "so schnell wie möglich und endgültig" zu beenden.
Zwischen Oktober 2020 und September dieses Jahres registrierten die USA 1,7 Millionen illegal aus Mexiko ins Land gekommene Menschen - ein historischer Rekord.
(N.Loginovsky--DTZ)