Deutsche Tageszeitung - Mehr als hundert Tote durch Super-Taifun "Rai" auf den Philippinen

Mehr als hundert Tote durch Super-Taifun "Rai" auf den Philippinen


Mehr als hundert Tote durch Super-Taifun "Rai" auf den Philippinen
Mehr als hundert Tote durch Super-Taifun "Rai" auf den Philippinen / Foto: ©

Es war der bislang heftigste Taifun auf den Philippinen in diesem Jahr: Mehr als hundert Menschen kamen beim Durchzug des Wirbelsturms "Rai" in dem südostasiatischen Inselstaat ums Leben, allerdings könnte die Opferzahl noch steigen. Die Such- und Rettungsarbeiten in den am schlimmsten betroffenen Gebieten des riesigen Archipels sind noch lange nicht abgeschlossen. Tausende Einsatzkräfte von Militär, Polizei, Küstenwache und Feuerwehr wurden entsendet.

Textgröße ändern:

Der Gouverneur der Inselprovinz Bohol, Arthur Yap, erklärte am Sonntag, die Zahl der Todesopfer auf der verwüsteten Insel liege nun bei 72. Zehn weitere Menschen starben auf den Dinagat-Inseln, wie der für die Informationspolitik zuständige örtliche Beamte, Jeffrey Crisostomo, der Nachrichtenagentur AFP sagte. Insgesamt stieg die Zahl der bestätigten Todesopfer auf 108.

"Rai", von den Einheimischen "Odette" genannt, war am Donnerstag und Freitag mit Windgeschwindigkeiten von 195 Stundenkilometern über die südlichen und mittleren Inseln der Philippinen hinweggefegt. Dächer flogen von Häusern, Strommasten stürzten um und zahlreiche Dörfer wurden überflutet. In vielen Gebieten wurden die Stromversorgung und das Telefonnetz lahmgelegt. Auch Krankenhäuser wurden beschädigt.

Viele Menschen wurden nach dem schlimmsten Taifun in dem Inselstaat in diesem Jahr noch vermisst. Mehr als 300.000 Menschen mussten fliehen, viele von ihnen können nicht mehr in ihre Häuser zurück.

"Ich sah, wie Taifun ’Odette’ die Provinzhauptstadt Stück für Stück verwüstete", sagte Crisostomo dem Radiosender DZBB. "Große Tische, so schwer wie ein Mann, flogen durch die Luft."

Die Rettungs- und Aufräumarbeiten waren am Wochenende in vollem Gange: Tausende Einsatzkräfte räumten mit Baggern blockierte Straßen frei und versorgten per Schiff abgeschnittene Gebiete mit Trinkwasser, Lebensmitteln und medizinischer Hilfe.

Staatschef Rodrigo Duterte besuchte am Samstag einige der am schwersten betroffenen Gegenden und sagte zu, "Geld zu sammeln", um den Opfern zu helfen. Zugleich räumte er ein, dass die Regierung bankrott sei.

Der Wiederaufbau werde "ein langer, harter Weg für die Menschen", sagte der Leiter der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften auf den Philippinen, Alberto Bocanegra. Die Hilfsorganisation bat in einem Spendenaufruf um umgerechnet gut 19 Millionen Euro.

Auch auf der Ferieninsel Siargao und der Nordspitze von Mindanao entstanden schwere Schäden. "Alles flog durch die Luft, es war wie das Ende der Welt", berichtete der Reiseleiter Raphy Repdos von der Insel Siargao, auf der sich zur Vorweihnachtszeit besonders viele Surfer und Urlauber aufhielten." Vom Militär veröffentlichte Luftaufnahmen zeigen, dass im wichtigsten Inselort General Luna unzählige Häuser zerstört wurden. Am Sonntag wurden Touristen per Flugzeug und Boot von der Insel geholt.

Von der Nachbarinsel Dinagat berichtete Governeurin Arlene Bag-ao, die gesamte Insel sei "dem Erdboden gleichgemacht" worden. "Wände und Dächer wurden abgerissen und weggeweht, als ob sie aus Papier seien." Die Schäden seien mit denen von Supertaifun "Haiyan" im Jahr 2013 vergleichbar und möglicherweise noch schlimmer. Damals waren mehr als 7300 Menschen ums Leben gekommen oder gelten seither als vermisst - es war der tödlichste Taifun auf den Philippinen seit Beginn der Aufzeichnungen.

"Rai" war am Donnerstag mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 195 Stundenkilometern auf Siargao auf Land getroffen. Die Einstufung als Super-Taifun entspricht einem Hurrikan der Kategorie fünf in den USA. Weltweit ereignen sich in der Regel etwa fünf Stürme dieser Stärke pro Jahr.

"Rai" traf die Philippinen zum Ende der Taifun-Saison. Die meisten heftigen Wirbelstürme entwickeln sich zwischen Juli und Oktober. Wissenschaftler warnen seit langem, dass Taifune durch den menschengemachten Klimawandel an Stärke zunehmen.

(A.Stefanowych--DTZ)

Empfohlen

Schülerproteste in Frankreich: Mehr als 5000 Festnahmen seit Montag

Bei den landesweiten Schülerprotesten in Frankreich sind nach Angaben der Regierung seit Montag mehr als 5000 Menschen festgenommen worden. Innenminister Laurent Nuñez sagte am Freitagabend im Sender TF1, allein am Freitag habe es 1747 Festnahmen gegeben. "Es gab Ausschreitungen in der Nähe von 158 Einrichtungen: Wurfgeschosse, Angriffe auf Ordnungskräfte, Lehrkräfte, Journalisten, Passanten."

Nach Angriff auf SPD-Politiker Ecke in Dresden: Drei Angeklagte kommen vor Gericht

Knapp drei Jahre nach dem Angriff auf den SPD-Europaabgeordneten Matthias Ecke in Dresden kommen drei Tatverdächtige vor Gericht. Das Amtsgericht der sächsischen Landeshauptstadt ließ die Anklage der Staatsanwaltschaft zu, wie es am Freitag mitteilte. Ecke war im Mai 2024 beim Aufhängen von Wahlplakaten angegriffen und dabei so schwer verletzt worden, dass er operiert werden musste.

Sonderermittlerin soll mutmaßliche Gruppenvergewaltigung an US-Eliteuni untersuchen

Rund zwei Jahre nach einer mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung an der US-Eliteuniversität Cornell hat der Bundesstaat New York eine Sonderermittlerin berufen. Gouverneurin Kathy Hochul betraute die New Yorker Generalstaatsanwältin Letitia James mit dem Fall. Beide wollten am Freitag vor die Presse treten.

Bayern: Mehr als sechs Jahre Haft für Syrer wegen Einschleusens von Ausländern

Wegen der mehrfachen Schleusung von illegalen Einwanderern ist ein 32-jähriger Syrer in Bayern zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und zwei Monaten verurteilt worden. Das Landgericht Traunstein sprach ihn unter anderem des banden- und gewerbsmäßigen Einschleusens von Ausländern schuldig, wie ein Gerichtssprecher am Freitag mitteilte. In das Strafmaß wurde auch ein Urteil vom April mit einbezogen.

Textgröße ändern: