Deutsche Tageszeitung - "Ihr werdet alle sterben" - Kinder schildern Angriff auf Grundschule in Uvalde

"Ihr werdet alle sterben" - Kinder schildern Angriff auf Grundschule in Uvalde


"Ihr werdet alle sterben" - Kinder schildern Angriff auf Grundschule in Uvalde
"Ihr werdet alle sterben" - Kinder schildern Angriff auf Grundschule in Uvalde / Foto: © AFP

Vor dem Besuch von US-Präsident Joe Biden und seiner Frau in Uvalde haben überlebende Kinder erstmals ausführlich über das dortige Schulmassaker berichtet. Ein Mädchen und ein Junge schilderten in US-Medienberichten vom Samstag, wie sie sich tot stellten, um zu überleben. Die Kinder sprachen über ihre Angst und ihr Warten auf die Polizei während des Angriffs, bei dem ein 18-Jähriger 19 Schüler und zwei Lehrerinnen tötete, - und über ihre Alpträume danach.

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"Ihr werdet alle sterben", habe der 18-jährige Schütze Salvador Ramos beim Betreten der Klasse gesagt, sagte der zehnjährige Samuel Salinas dem Sender ABC News über den Angriff vom Dienstag. Dann habe Ramos geschossen und wohl auch auf ihn gezielt, aber ein Stuhl habe die Kugel abgelenkt. Samuel wurde von einem Splitter am Bein getroffen. "Ich habe mich tot gestellt, damit er mich nicht erschießt", sagte der Zehnjährige in dem Interview.

Die elfjährige Miah Cerrillo sagte dem Sender CNN in einer nicht gefilmten Zeugenaussage, sie habe sich mit dem Blut eines neben ihr liegenden toten Klassenkameraden beschmiert und sich tot gestellt. Das Mädchen wurde bei dem Angriff in der texanischen Kleinstadt an der Schulter und am Kopf durch Splitter verletzt.

Eine ihrer zwei Lehrerinnen im Klassenraum habe noch versucht, die Klassenzimmertür zu schließen, doch der Schütze sei schon da gewesen, sagte Miah laut CNN. Der Angreifer habe die Lehrerin angesehen und "Gute Nacht" gesagt. Dann habe er sie erschossen und auf deren Kollegin und einige Schüler gezielt.

Mit dem Telefon der toten Lehrerin gelang es dem Mädchen und einem Freund, die Polizei anzurufen: "Bitte kommt, bitte kommt", hätten sie bei ihrem Anruf gefleht, berichtete die Elfjährige. Zu diesem Zeitpunkt sei sie davon ausgegangen, dass die Polizei noch nicht am Tatort war. Später habe sie von Erwachsenen erfahren, dass die Polizei schon vor Ort war. "Warum sind sie nicht reingekommen, warum haben sie uns nicht gerettet?", fragte sie weinend die CNN-Reporterin.

Die Polizei hat inzwischen Fehler eingeräumt. Der Leiter der Behörde für öffentliche Sicherheit des US-Bundesstaates Texas, Steven McCraw, sagte in Uvalde, es sei die "falsche Entscheidung" gewesen, das Klassenzimmer, in dem der Schütze sich mit Kindern verschanzt hatte, nicht früher zu stürmen.

Ein Schüler namens Daniel schilderte der "Washington Post", obwohl seine Lehrerin blutend am Boden gelegen habe, habe sie den Kindern immer wieder gesagt: "'Bleibt ruhig. Bleibt, wo ihr seid. Bewegt Euch nicht.'" Keiner habe geschrien, während sie auf die Polizei warteten.

Daniel kann dem Bericht zufolge seit der Gewalttat nicht mehr allein schlafen und wird von Alpträumen gequält. Er und seine Mitschüler müssten mit dem schrecklichen Erlebnis nun "ihr ganzes Leben" fertig werden, erklärte seine Mutter.

Auch Samuel hat nach eigenen Angaben Alpträume von dem Angreifer und will vorerst nicht zurück in die Schule. Seiner Mitschülerin Miah fallen seit dem furchtbaren Tag die Haare aus. Ihre Mutter Abigale Veloz richtete eine Spendenwebsite ein, um medizinische und psychologische Hilfe für ihre Tochter zu finanzieren. Bis Samstagfrüh gingen bereits mehr als 340.000 Dollar ein.

US-Präsident Biden und seine Frau Jill kündigten für Sonntag einen Besuch in Uvalde an. "Zu viel Schmerz", beklagte Biden die Gewalttat am Samstag in einer Rede und forderte ein entschiedeneres Vorgehen gegen Waffengewalt.

Vize-Präsidentin Kamala Harris sagte bei der Beerdigung eines der Opfer eines rassistischen Schusswaffenangriffs in Buffalo: "Wir lassen uns nicht von denen spalten und verängstigen, die vom Hass getrieben sind." Bidens Vorhaben, das Waffenrecht zu verschärfen, scheitert bislang am Widerstand der Republikaner im US-Kongress.

(L.Barsayjeva--DTZ)

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