Deutsche Tageszeitung - Prozess zu Pariser Anschlägen geht mit Plädoyers der Staatsanwälte in Endphase

Prozess zu Pariser Anschlägen geht mit Plädoyers der Staatsanwälte in Endphase


Prozess zu Pariser Anschlägen geht mit Plädoyers der Staatsanwälte in Endphase
Prozess zu Pariser Anschlägen geht mit Plädoyers der Staatsanwälte in Endphase / Foto: © AFP/Archiv

Mit den Plädoyers der Staatsanwaltschaft ist der Prozess zu den Pariser Anschlägen in die letzte entscheidende Phase gegangen. "Was wird bleiben von dieser Verhandlung? Welche Bilder? Welche Worte?" - mit diesen Fragen begann die Staatsanwältin Camille Hennetier am Mittwoch ihren Schlussvortrag. Bei dem größten Prozess, den Frankreich je erlebt hat, geht es um die dschihadistisch motivierten Anschläge vom November 2015, bei denen 130 Menschen getötet worden waren.

Textgröße ändern:

Nicht nur das Urteil, das am 29. Juni fallen soll, sondern auch die Namen der Toten und die Berichte der Opfer seien in den Köpfen geblieben, sagte die Staatsanwältin. "Und wohl auch die Grausamkeit der Terroristen, die einen Schuss nach dem anderen abgegeben haben und sich daran ergötzten, Einzelne zu töten", fügte sie hinzu.

Am 13. November 2015 hatten jeweils drei mit Sprengstoffgürteln ausgestattete Männer im Konzertsaal Bataclan, vor Cafés und Restaurants in der Pariser Innenstadt und nahe eines Fußballstadions 130 Menschen getötet. 350 weitere Menschen wurden verletzt.

Der Prozess hatte im vergangenen September begonnen. Angeklagt sind 20 Männer, von denen sechs abwesend sind. Der Hauptangeklagte Salah Abdeslam ist das einzig noch lebende Mitglied der Terrorkommandos. Er hatte sich in der Tatnacht seines Sprengstoffgürtels entledigt und war geflohen. "Er hat nicht nur geholfen, er hat mitgemacht", betonte die Staatsanwältin. Vier weitere Angeklagte waren mutmaßlich für den Einsatz bei Anschlägen vorgesehen. Die übrigen sollen logistische Hilfe geleistet haben.

Abdeslam hatte sich während des Prozesses zu der Tat geäußert. Gleich zu Beginn bezeichnete er sich als "Kämpfer" der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) und stellte die Anschläge als Racheakt für den französischen Militäreinsatz in Syrien dar. Seine Version der Tatnacht konnte die Vertreter der Zivilparteien jedoch nicht überzeugt. Abdeslam erklärte, dass er "nicht aus Feigheit, sondern aus Menschlichkeit" auf das Zünden seines Sprengstoffgürtels verzichtet habe.

Seine Aussage enthielt jedoch einige Ungereimtheiten. So erklärte er, sein Anschlagsziel sei eine Bar im 18. Pariser Arrondissement gewesen, er könne sich aber nicht mehr konkret an den Ort erinnern. Eine Bar im Pariser Norden war jedoch nicht auf der Liste der Anschlagsziele aufgeführt, die die Ermittler fanden. Unklar blieb während des Verfahrens auch, warum er als einziger allein unterwegs war, während die anderen Täter jeweils zu dritt auftraten. Bei seinen letzten Worten vor Gericht hatte er Tränen in den Augen und bat die Angehörigen der Opfer um Verzeihung.

Es wird erwartet, dass die drei Staatsanwälte am Freitag das Strafmaß für die Angeklagten fordern. Für zwölf von ihnen werden sie voraussichtlich lebenslange Haftstrafen verlangen. Abdeslam droht eine lebenslange Haftstrafe mit anschließender unbegrenzter Sicherungsverwahrung, eine selten verhängte Strafe in Frankreich. Vom 13. Juni an sind die Plädoyers der Verteidigung vorgesehen.

(V.Sørensen--DTZ)

Empfohlen

Mindestens 19 Tote bei Massenpanik bei Hindu-Festival in Indien

Bei einer Massenpanik bei einem Hindu-Festival in Indien sind mindestens 19 Menschen getötet worden, darunter ein siebenjähriges Mädchen. Zudem seien 25 Menschen verletzt worden, teilten die Behörden am Samstagabend mit. Zu der Panik in Kolkata im Osten des Landes sei es offenbar gekommen, als wegen eines plötzlichen Regenschauers die Massen in einen Pavillon drängten.

Papst Leo XIV. nach Lungenkrebs-OP in den Vatikan zurückgekehrt

Vier Tage nach seiner Lungenkrebsoperation hat Papst Leo XIV. am Samstag das Gemelli-Krankenhaus in Rom verlassen und ist in den Vatikan zurückgekehrt. Unter dem Jubel und dem Applaus von zahlreichen Gläubigen stieg das katholische Kirchenoberhaupt vor der Klinik in ein Auto, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Dabei grüßte der 71-Jährige die Menschen und verabschiedete sich vom Krankenhauspersonal.

Gründer der "Kakerlaken"-Bewegung in Indien nach Festnahme wieder frei

Der Gründer der sogenannten "Kakerlaken"-Bewegung (CJP) in Indien, Abhijeet Dipke, ist einen Tag nach seiner Festnahme wieder freigelassen worden. Dipke verließ am Samstagnachmittag eine Polizeiwache in Neu Delhi, winkte Medienvertretern zu und machte das "Victory"-Zeichen, als er in einem Auto weggefahren wurde, wie ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP beobachtete.

Flávio Bolsonaro hat im Falle eines Wahlsiegs keinen Posten für seinen Vater vorgesehen

Der rechtsgerichtete brasilianische Präsidentschaftskandidat Flávio Bolsonaro hat für den Fall eines Sieges in der Stichwahl in rund einer Woche keinen Regierungsposten für seinen Vater vorgesehen. "Er hat nie angedeutet, dass er mit mir in der Regierung zusammenarbeiten möchte", sagte der 45-Jährige am Freitag (Ortszeit) dem Sender Globo TV mit Blick auf seinen Vater, den rechtsextremen Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro. Daher gebe es keine entsprechenden Pläne.

Textgröße ändern: